Gestern Abend sah ich die Wiederholung der Kölner Lokalzeit auf dem WDR. Es ging um einen verunglückten Viehtransporter auf einer Autobahn.
Die Stimme aus em Off kommentierte den Unfall, die Kamera schwenkte auf die Seite des LKW, wo die Plane verrutscht war.
Gerade als der Sprecher berichtete, daß die Tiere unverletzt nach Ungarn weitertransportiert werden konnten, erschien ein Schwein in Großaufnahme.
Das Schwein schaute scheinbar direkt in die Kamera und spielte dann mit seiner Schnauze an einer stählernen Querstrebe der LKW Plane herum.
In diesem Moment tat mir das Tier unglaublich leid. Denn, was bedeutete „konnten unbeschadet nach Ungarn transportiert“ werden? Der Satz wird vermutlich mit dem Zusatz „… um dann dort geschlachtet zu werden“ komplett.

Schon seltsam. Seitdem ich denken kann, habe ich immer Hunde gehabt. Ich mag also Tiere. Der Ausdruck in den Augen des Schweins war nicht so anders, als der meines Hundes.

Das eine Tier wird sein Leben lang gut behandelt und verwöhnt, das andere Tier wird in seinem kurzen Leben machinell produziert, großgefüttert und bei Eiseskälte quer durch Europa gekarrt, um dann geschlachtet zu werden.

Ich will Niemanden zum Vegetarismus bekehren – mir selber schmeckt Fleisch einfach viel zu gut und ich halte es für wichtig (in Maßen genossen).
Ebenso kann ich kann auch die Massentierhaltung nicht abschaffen.

Was ich aber tun kann, ist meine Einstellung zu verändern. Auch wenn echte Vegetarier jetzt aufschreien, von den Veganern ganz zu schweigen: Ja, ich könnte Tiere töten um sie zu essen. Aber: ICH könnte nicht JEDES Tier töten.

Gedankenspiel: Ab morgen gibt es keine Supermärkte mehr, in denen man die Ware „Fleisch“ kaufen kann. Was würde ich tun?
Ich könnte angeln gehen und Fische fangen.
Genauso könnte ich wohl auch (ab und an) ein Huhn schlachten.
Das würde ich hinbekommen. Weil beide Tierarten für mich persönlich keinen anderen Zweck erfüllen, als eben als Nahrungsmittel.
Aber ein Schwein, ein Rind, oder ein Pferd könnte ICH nicht schlachten. Diese Tiere haben … ja – eine Art Persönlichkeit für mich. Genauso abwegig wäre es, einfach so einen Menschen zu töten.

Das könnte man jetzt „Tier Faschismus“ nennen, mag sein – ist mir ehrlich gesagt auch egal. ABER: Wenn ich es nicht fertig bringen könnte, ein Schwein zu schlachten – steht mir dann der Verzehr eines solchen Tieres eigentlich zu? Ist der Verzehr dann überhaupt gesund für mich? Oder … steckt hinter meinen Hemmungen, ein gewisses Tier zu töten, vielleicht noch etwas anderes, was den Verzehr des Fleisches nicht unbedingt besser für mich macht?

Ein zusätzlicher Aspekt – Teilweise werden Organe von Schweinen als Implantante für Menschen genutzt (Sehnen z.B.). Wenn eine so starke genetische Ähnlichkeit besteht, kann der Verzehr davon gesund sein?

Was mich aggro macht, sind diese ewigen „Tiere haben doch keine Gefühle“ sinnlos Debatten. Ganz ehrlich?
Wer so argumentiert, hat selber keinerlei Gefühl und ist selbst nichts anderes als ein Bioroboter (der eigentlich geschlachtet gehört).

Tja, liebe Sau – Du hast was bei mir angetickt!

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Auf dem Fernseher läuft gerade der Abspann von Predator. Gerade eben hat Schwarzenegger den Predator besiegt und ist der anschließenden Explosion, gerade so, entkommen.

Rocky und Mausbär sitzen entspannt nebeneinander auf dem Sofa. Bananenchips neben Rocky, Honigkekse neben Mausbär.

„Sollsse Filme werden heute niss` mehr gedreht!“, seufzt Rocky.

„Der neue Predators im Kino ist jedenfalls was für Softies!“, antwortet Mausbär.

„Lass`uns n`Spiel spielen! Wir sagn abwechselnd Helden, bis uns keina mehr einfällt!  Egal ob lebend odda tod! Is`fang an! Rambo!“

M(ausbär): Superman

R(ocky):Sssspiderman

M:Indiana Jones

R:Luke Sssskywalker

M:Quatermain

R:Hulk

M:Rocky *hihihi*

R:Conan

M:James Bond

R: Moment ma´

Mausbär schaut Rocky verwirrt an. „Warum? James Bond IST ein Held!“

Rocky nickt. „Aber Teresa hat mir gesagt, daß er wohl eher ein Held WAR!“, sagt Rocky.

„Wieso? Es wird doch jetzt der 23. Bond gedreht, wieder mit Daniel Craig.“

„Das Ssstudio is`aber pleite und die Dreharbeiten wurden eingestellt, hat Teresa heute gelesen.“

Erschrocken stopft sich Mausbär eine handvoll Honigkekse in den Mund. Als er die Kekse ohne zu kauen runtergewürgt hat, sagt er: „Dann …, dann, dann…. gibts bald keine Helden mehr!!“

Rocky wiegt sein Köpfchen hin und her, überlegt. „Irgendwie has` Du resst, Mausi. Allein im Sssport. Da habn wir zwar erfolgreisse, aber nisst heldenhafte Fussballer. Wie die mit ihren Fans`umgehen tun haben wir  ja in Frankfurt gesehn. Lansss`Armsstrong fährt bei der Tour d`fransss auch nur noch hinterher, genau wie Papa`s Ssssummi in der Formel 1sss. “

Das Höhlenäffchen und der Bär sitzen schweigend nebeneinander. Im Fernseher ist die DVD zuende und das OSD des Players erscheint.

„Warum ist das so, Rocky?“, fragt Mausbär.

„Hm. Vielleisst ist jetz`keine Ssseit mehr für Helden? Die Leute ssstehen mehr auf Loser. Wie Paul Potts, Frodo Beutlin oder Lena.“

Mausbär nickt stumm vor sich hin. „Dann haben sich die Menschen verändert?“

„Iss` denke … ja.  Das kann man aber auch ssoon sehen. Iss mein`, iss bin ja älter als wie du und ich liebe ess, sie zu beobachten. Die sind sluffiger geword`n, als wie früher“.

„Zeiten ändern sich …“, sagt Mausbär.

„Risstig“.

Sekunden vergehen. Die Freunde sitzen schweigend auf dem Sofa. Nur die Uhr im Wohnzimmerschrank tickt. Sekunden werden zu Minunten. Irgendwann unterbricht dann Mausbär die Stille.

„Manche Dinge ändern sich aber nie!“

Rocky schaut seinen großen Freund fragend an.

„Ich mein, ich hab`noch Lust auf einen Film!“

„Iss auch!“

Mausbär zieht eine DVD hinter dem Kissen neben sich hervor und zeigt dem Höhlenäffchen das Cover. Rocky erstarrt.

„Dörtiii Herriiii“, kreischt Rocky begeistert.

Mausbär grinst und springt vom Sofa um die DVD einzulegen.

„Go ahead and make my Day!“, gröhlt Mausbär und flitzt wieder zum Sofa.

Helden sterben nie aus … Manchmal sind sie nur anders, als man glaubt. Manchmal haben sie Fell …

Heute war mir wieder unglaublich langweilig. Es war viel zu heiß. Mama und Papa haben gegen die Sonne die Jalousien runtergelassen, deshalb ist es total dunkel in der Wohnung. Die Anderen liegen alle faul in der Gegend rum und wollen nicht mit mir spielen, ihnen ist zu heiß.
Mir ist zwar auch warm, aber ich will irgendwas machen. Okay, für Dance Dance Revolution ist es heute wirklich zu heiß gewesen.
Ich surfe im Internet herum und finde bei den News einen Bericht über die Ankunft der Nationalmannschaft am Flughafen Frankfurt.
Dort gab es nur einen Empfang durch Politik- und Pressefuzzis, dann sind die Sportler verschwunden. Etwa 1000 Leute haben da auf die gewartet und die Fußballer noch nichtmal zu Gesicht bekommen.
Ich will Euch mal was sagen! Das wundert mich ÜBERHAUPT GAR NICHT!
Ich meine, überlegt doch mal – das sind hochbezahlte Sportler die alleine für das Erreichen des Halbfinales 150.000 Euronen bekommen. Wie hoch ist denn DEIN Jahreseinkommen? Ja, ich meine Dich, Du Honk der das gerade liest. Dazu kommen Werbeeinnahmen und das Geld von den Vereinen, in denen sie spielen.
Das sind Millionäre die so`n bisschen Ball kicken. Genausogut könntet ihr irgendwelchen Investmentbankern zuwinken und sie feieren – die mögt Ihr aber irgendwie nicht so.
Die Fußballer da vergöttert Ihr, lediglich dafür, dass sie ihren Job tun. Die bekommen jetzt sogar das Bundesverdienstkreuz, bzw. das Silberne Lorbeerblatt.
Wann hast Du deine letzte Auszeichnung vom Staat bekommen? Etwas länger her, oder? Und – war es jemals mehr als eine Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen? *Hihihihi*
Ihr seid Fußballdeppen! Ihr mit Euren Vuvuzelas, Euren schwarz-rot-goldenen Socken und Fähnchen an den Autos, Ihr die ihr teures Merchandise gekauft habt! Über die Zeit der WM habt Ihr vergessen, daß ihr lediglich Euch selbst feiern solltet.

Stellt Euch mal die Frage für wen diese arroganten Kicker „ihre Leistung erbracht“ haben. Nicht für Euch, nicht für Deutschland, nur für sich selbst. Das sie jetzt auch noch Orden für die reguläre Erfüllung ihres Jobs bekommen sollen, hat sie total vergessen lassen, für wen sie eigentlich spielen.
Aber mal ehrlich – würdet Ihr Euch an deren Stelle für Leute wie Euch interessieren? Ich glaube nicht. Schaut Euch an – Ihr seit Verlierer! Echte Loser! Stellt Euch vor, Ihr seit täglich im Fernsehen und verdient im Jahr mehr als die doofe, arbeitende Bevölkerung da draußen. Ihr seit wichtig, im Gegensatz zu den Pennern an den TV`s.

So und jetzt macht Euch mal Gedanken, wem ihr demnächst Eure Aufmerksamkeit schenkt. Vielleicht Eurem eigenen Leben? Vielleicht nehmt Ihr das mal in die Hand und jubelt nicht solchen Pseudohelden zu. Pseudohelden, die IHR großgemacht habt und die Euch dann noch nichtmal das zollen, was sie Euch schulden: Respekt!
Und wenn Ihr das mit Euch machen lasst, dann habt Ihr es einfach nicht anders verdient. Dann seit Ihr echte Fussballdeppen, ohne Ehrfgefühl, ohne Stolz .
Feier Dein eigenes Leben und laß Dich nicht VERARSCHEN.

Nachdem ich diese Überlegungen angestellt habe, schalte ich Papas PC aus und gehe in die Küche. Mama hat im Kühlschrank griechischen Joghurt mit Honig für mich. Ich nehme mir einen Löffel und gehe mit der Schale ins Wohnzimmer.
Während ich mir die Köstlichkeit schmecken lasse, denke ich über die Fans nach. Irgendwie tun sie mir leid. Ich glaube, jemand wie ich fehlt ihnen. Gerne würde ich den Massen zurufen: „Es gibt eine Rettung! Kommt zu mir, dem Mausbär. Besucht meine Kurse und ich führe Euch in die Freiheit!“
Das ist irgendwie lustig und ich muß lachen.
Über dem Haus scheinen die Flugzeuge des nahen Flughafens zu kreisen. Die nerven mich. Was kann man nur dagegen tun?
Ich überlege mir, ob ich bei gutefrage.de mal fragen soll, was wohl Stinger Raketen kosten und ob sie ein Discounter bald mal im Angebot hat. Details gehen mir durch denk Kopf. Ich, ein kleiner Bär auf dem Dach unseres Hauses. Ich trage eine solche Boden-Luft-Abwehrrakete auf meiner rechten Schulter (es ist die Mausbär-Special-Forces-Variante, also etwas kleiner) und ich blicke durch die Zieloptik, visiere einen dieser lauten und hässlichen Vögel an. Dann drücke ich den Auslöser und ein schlanker, silberner Blitz rast in Richtung des Apfelsinenbombers aus JWD.
Vielleicht würde man dann nochmal über ein Nachtflugverbot nachdenken?
Dann knurrt mein Magen und ich tapse in die Küche und durchsuche den Schrank. Endlich finde ich ein paar Honigkekse, kichere und tu sie in meinen Magen.
Irgendwie habe ich jetzt Lust zu tanzen. Ich gehe zu Papas Ipod, stecke mir die Hörer in den Kopf und tanze zu Barry Mcguire`s „Eve of destruction“. Dieses Lied zieht mich immer aus meinen Tiefs heraus.

Exit the Matrix`?

Juli 9, 2010

Auch gestern und heute war ich nicht arbeiten. Der Hintergrund zu der Niederlage des Deutschland : Spanien Spiels hat mir keine Ruhe gelassen. Weder konnte ich schlafen, noch war ich in der Lage zu arbeiten. Anstelle dessen habe ich mich in muffigen Archivräumen und mit scheinbar uralten Mikrofilmgeräten herumgeschlagen.
Ich wollte es wissen. Gab oder gibt es noch mehr Leute mit einer Frisur, wie sie auch Jogi Löw trägt?
Die Liste ist erschreckend lang. Zahllose Personen aus der Vergangenheit, aber auch aus der Gegenwart tragen eine solche Frisur. Mozart, Donald Trump, Dieter Bohlen. Die gehören alle dazu, haben alle ein Höhlenäffchen, daß sie mit Anweisungen versorgte, oder immer noch versorgt.
Irgendwann habe ich dann vollkommen frustriert die Bibliothek verlassen, mit unzähligen Fotokopien.
Ich war zu Fuß in die Bibliothek gekommen, also musste ich auch auf diesem Wege nach Hause kommen. Den Heimweg gestaltete ich absichtlich etwas länger, ich musste nachdenken.
Was mich am meisten beeindruckt hatte, war nicht wirklich die Manipulation des Spiels. Es war die anschließende Vertuschungsaktion.
Nur mein Blog war unangetastet geblieben. Anfänglich hatte es ja Pressemitteilungen gegeben, aber dann waren diese verschwunden. Verschwunden im digitalen Nirvana des Internets. Auch der mir bekannte FIFA Mann ist verschwunden, seine Frau hatte mir gesagt „er wäre kurzfristig auf einer längeren Dienstreise“.

Die Verschwörung, von der mir Rocky berichtet hat, ist wohl oder übel real. Das Positive daran ist aber, daß auch ich von einem solchen Höhlenäffchen auserwählt wurde und somit vielleicht auch mit mir noch etwas geplant ist. Wobei aber für mich schon jetzt klar ist, daß ich keinesfalls meine Frisur verändern werde.
Obwohl ich einen großen Bogen gemacht habe und auch besonders langsam gegangen bin, komme ich doch irgendwann bei meiner Wohnung an.
Zuerst bleibe ich unschlüssig stehen, dann betrete ich den Hausflur und schließe meine Wohnungstüre auf.
Die Hitze der letzten Tage hat sich in den Räumen eingeschlichen, obwohl die Fenster geschlossen und die Jalousien heruntergelassen sind.
Aus dem Wohnzimmer dringt Musik in den Flur. Tanzmusik. Mausbär spielt anscheinend „Dance Dance Revolution“, denn ich erkenne sein Lieblingslied. Ich denke „Business as usual“ und gehe zu den Kindern ins Wohnzimmer.
Happy sitzt auf ihrem Stammplatz auf dem Sideboard und sieht mich als erste. „Hallo Papaaa!“, frohlockt der Hypnotic Rabbit. Ich winke in Happy`s Richtung.
Mausbär hüpft, im Takt der Musik, auf der Dance Dance Revolution Matte herum und schaut nicht in meine Richtung. Anstelle dessen ruft er „Hallo Papaaaaaaa! Rate mal was ich willllll!“
Ich kann es kaum erraten. „Honig?“, frage ich.
Mausbär springt auf sein anderes Bein und macht dann eine 90 Grad Drehung. „Fast, ich will HonigKEKSE!“
Ich nicke, wobei ich überrascht bin, daß Mausbär heute so aktiv ist und keinen seiner „Extremversuche“ absolviert.
Teresa döst auf dem Sofa vor sich hin und schnurrt. Rocky liegt vor seiner Palme und winkt mir zu. Er hat auf mich gewartet und er weiß, daß ich das weiß – das verraten mir seine Augen.
„Alless cool bei Dir Papa? Du warss`heute wenigstens niss bei deinem sinnlosss Sobb`oder?“
Ich schüttele den Kopf.
„Rissstig so. Redusier da mal dein Engagement da etwass, du wirss deine Energie noch brauchen!“
Ich setzte mich auf den Sessel vor Rockies Palme.
„Hass`du das von den Fußball WM Einsaltquoten gehört?“
Ich habe nicht und sage Rocky das.
Ein listiges Lächeln umspielt den Mund des Höhlenäffchens. „31,10 Millionen Deutsse sahen die Niederlage gegen Spanien. Das sind etwa 83,2 Prozent der deutsssen Fernsehzusauer.“
Ich zucke mit den Schultern. „Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, daß es mehr waren?“
Rocky macht eine wegwerfende Handbewegung. „Das sin`ja alles nur Sssätzungen, Papa. Die Prozente variieren immer etwas. Fakt iss, wir, also die Hählenäffchens haben weltweit die Medien unta Kontrolle und damit einen Grosssssteil der Menssen.“
Es läuft mir kalt den Rücken herunter.
„Die WM taugt jetz`natürliss niss mehr soviel als Brot&Spiele, also in Deutsland. Aber es geht ja weiter. Sonntag Formel 1ss, DTM, Boxen und dann bald auch wieder belanglose Politikdarssstellungen.“
„Warum macht ihr das?“, ganz selbstverständlich höre ich mich schon „ihr“ sagen, denn die Verschwörungstheorie ist für mich zur Realität geworden.
„Iss habs dir ja sson gesagt, dass isss sowas wie dein weisses Kaninssen bin..“. „Aber dasss bin doch issss!“, protestiert Happy.
Rocky nickt und erklärt „Metaphoriss, Happy, metaphoriss!“
Happy nickt. „Aber nur metadingsda. Iss bin Happy, das weisse Kaninssen!“
„Also Papa, es geht darum: Ihr Menssen seit gefährliss. Für euch selba, aber auch für alle anderen. Deshalb lebt ihr in einer von uns geschaffenen Matrix. Damit ihr euch selba und andere Lebewesen weniga gefährden tut!“
„Und niemand merkt das?“, frage ich und kann es nicht glauben.
„Wer sollte es denn merken? Die Menssen arbeiten und amüsieren siss. So kommen sie nisst auf dumme Gedanken.“
„Brot und Spiele“, sage ich. Rocky stimmt mir zu.
„Überleg nur mal die ganssen Leute mit den Vuvuselass und den Deutssland Trikoss. Die waren komplett aus ihrem Leben gerisssen, mitten in der WM Matrix`. Was glaubs`Du machen die jetz?“
Ich zucke mit den Schultern. „Das was sie immer tun, arbeiten und sich amüsieren, genau wie du gesagt hast!“
Rocky dreht sich lässig auf die Seite. Anders als em tanzenden Mausbär ist ihm scheinbar zu warm, den er dreht sich sehr sehr langsam.
„Risstig Papa. Sie tun, was sie immer tun. Und vorher waren sie wie gefangen in der Identifikation mit einem virtuelln` Sportwettbewerb. Konnten gröhlen, siss auspowern, hupend durss die Straßen fahren, etwas feiern. Ohne zu kapieren, daß der Ausgang der WM rein gar nisssts an ihrem Leben ändern würde.“
Rocky sagt das sehr sehr nüchtern, fast emotionslos.
„Aber auf diese Weise konnten sie all das sozialverträglich tun: Etwas herumlärmen, sich in Gruppen zusammenrotten, etwas Nationalstolz ausleben – ohne dabei jemanden zu verletzten.“
Rocky zeigt mit dem Zeigerfingerchen seiner rechten Hand auf mich. „Papa, you got it! Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die meisten Menssen eine feste Hand brauchen. Eine fesste Hand, die unssisstba handelt.“
Etwas ist mir schon die ganze Zeit durch den Kopf gegangen. Ich muss es das Höhlenäffchen fragen.
„Gibt es Menschen, die schonmal selber aus dieser Täuschungswelt herausgekommen sind?“
Das Höhlenäffchen wiegt den Kopf hin und her.
„Sagen wir`s so, Papa: Bisher is noch niemand vollkommen selbsssständig aufgewacht, oder hat den Exit aus der Matrix`gessafft. Es gibt Menssen, die haben das Potentssial dazu, die werden dann von einem Höhlenäffchen ausgesucht. So wie Du, Papa.“
So wie ich, denke ich. Mir geht es gerade seltsam – nachdem mir ein Höhlenäffchen die Welt erklärt hat.

„Hey Papa! Tanz mit mir! Tanz dich frei!“, ruft Mausbär. Erst will ich abwinken, dann mache ich doch mit. Was soll es schon, manchmal muss eben auch mal der „singende und tanzende Abschaum der Welt“ sein. Und es amcht sogar ziemlich viel Spaß, wie ich so mit Mausbär abhotte!

Bei der aktuellen WM hat sich ein Skandal ereignet, über den ich Insiderinformationen besitze. Diese Informationen habe ich einem mir bekannten FIFA Mann zugespielt. Er versicherte mir, daß diese Informationen geprüft werden und dann eine Entscheidung getroffen wird. Seiner Meinung nach (er möchte nicht namentlich genant werden, ist aber durch Funk und Fernsehen bekannt), besteht die GROSSE Wahrscheinlichkeit, daß das Spiel Deutschland : Spanien entweder wiederholt oder gar annulliert wird und somit Deutschland ins Finale einzieht!!! Ich erwarte die ersten Pressemitteilungen in Kürze!!!!

Bitte lesen Sie selbst!

Prolog
Heute war ich nicht arbeiten, da mich diese Geschichte mit der Verschwörung der Höhlenäffchen zu sehr beschäftigt hat.

Mausbär sitzt auf seinem Sessel und führt seine Meditationsübungen durch, was nichts anderes bedeutet, als das er sich nicht bewegt und nach Honig schreit, anstelle ihn zu holen. Lebemann-Stil eben. Rocky liegt in seinem Mini-Strandkorb und schnarcht leise vor sich hin. Happy hat es sich auf dem Teppich im Flur bequem gemacht.
Nur Teresa und ich sitzen auf dem Sofa und schauen TV. Es laufen Nachrichten.
Im Bild erscheint der auffällig junge Gesundheitsminister Rösler und die schrille Stimme einer Nachrichtensprecherin kommentiert die von Rösler lang angekündigte Gesundheitsreform. Ich höre gespannt zu. Der Bericht ist schnell vorbei und es folgt ein belangloser Bericht über Paul, die Krake mit hellseherischen Fähigkeiten.
„Papa, diese Reform ist ebenso unanständig wie dieser Gesundheitsminister!“
Ich bin immer begeistert von Teresas Wortwahl und ihrer Art zu sprechen. Irgendwie erinnert sie mich an meine Oma, aber ihre Stimme hat einen absolut jugendlichen, dennoch kultivierten Unterton. Aber wer benutzt heute noch das Wort unanständig?
Ich nicke dem Kätzchen zu, daß neben mir auf dem Sofa liegt. Ich verstehe ihre Aufregung.
„Wieder wurde bei keinem der Großen angesetzt. Krankenkassen, Ärzte, Pharmafirmen kommen ungeschoren davon.“
Teresa schüttelt den Kopf. „Angeblich sollen die Großen in 2011 3,5 Milliarden mittels nebulöser Maßnahmen sparen. Die Versicherten hingegen werden aber durch konkret beschlossene Maßnahmen um 6 Milliarden erleichtert. Das ist nicht richtig. Wer soetwas ausarbeitet und damit vor die Kameras tritt, ist nichts anderes als unanständig.“
Naja, so ganz stimme ich da nicht mit Teresa überein. Das sage ich ihr auch und ergänze, daß ja niemand erleichtert würde, sondern das es sich um Sparmaßnahmen handelt.
„Sparmaßnahmen, Papa, daß ich nicht lache!“, sagt Teresa ungewohnt hart. Ich schaue entsprechend verwundert in die Weltgeschichte.
„Wenn Mama und Du spart, wie macht ihr das?“
Ich denke kurz nach und sage dann: „Also wir legen Monat für Monat etwas Geld zur Seite und wenn wir die Summe dann zusammenhaben …“. Teresa hebt ihre Pfote um mich zu unterbrechen.
„Das ist anständig, daß ist sparen! Was macht ihr, wenn ihr mal wieder eurer Konto überzogen habt?“, fährt Teresa fort.
Ich zucke mit den Achseln. „Wir haben monatliche Fixkosten die gedeckt sein müssen. Z.B. für Essen, Miete usw. Wenn irgendwie möglich, versuchen wir vom Rest das Konto auszugleichen, sonst werden ja teure Überziehungszinsen fällig. Das heißt, daß wir teure aber unnötige Ausgaben erstmal aufschieben oder ganz sein lassen.“
Wieder nickt Teresa. „Auch DAS ist anständig.“
Ich schüttele den Kopf, denn so richtig folgen kann ich dem Kätzchen nicht mehr.
„Das was Minister Rösler da heute präsentiert hat, funktioniert vollkommen anders. Das kannst du dir so vorstellen: Mama und du kommt mit eurem Geld nicht mehr aus und produziert Schulden. Vielleicht ist z.B. der Honig teurer geworden. Ihr bemerkt, daß ihr Schulden macht, kauft aber weiterhin auch Schnösereien wie z.B. extra große Speckmäuse für mich oder Gelee Royal für Mausbär …“. Teresa wird von Mausbär unterbrochen, der durch das Schlagwort „Honig“ aus seiner Kontemplation gerissen wurde und gröhlt: „Gelee Royal ist keine SCHNÖSEREI, es ist DRINGEND notwendig!“
Teresa nickt in Mausbärs Richtung und sagt: „Mausbär übernimmt jetzt die Stellvertretung für die Pharmaindustrie.“
Mausbär lacht über diese Vorstellung. Als er nur noch kichert, fährt Teresa fort.
„Ihr kauft also ungehemmt weiter, erhöht sogar die Summe die ihr monatlich ausgebt immer weiter. Ihr produziert also Schulden weil: Das Auskommen ist größer als das Einkommen und ihr macht das genaue Gegenteil von Sparen.“
Das habe ich verstanden und nicke.
Teresa heb ihren Kopf von den Pfoten und schaut mich sanft an.
„Ihr macht also Schulden und gespart wird nicht. Also muß mehr Geld her. Also überlegt ihr euch, daß ihr einfach das Kostgeld, das ihr gedanklich von uns Kindern bekommt, erhöht, so daß es passt. Wenn uns das dann zu teuer wird, können wir uns ja auch eine andere Wohnung suchen.“
Hier stehe ich mal wieder auf dem Schlauch und muß nachfragen, ob Teresa mit „anderer Wohnung“ eine andere Krankenversicherung meint. Teresa strahlt über ihr bezauberndes Gesicht. Ich habe es also richtig verstanden.
„Genau das. Und um den ganzem die Krone aufzusetzen, enthält dieser Plan auch noch eine besonders unanständige Klausel, die das Ganze sozialer aussehen lassen soll. Ihr als Vermieter verpflichtet euch, die Miete nicht über einen Durchschnittswert zu erhöhen.“
„Aber das ist doch fair?“, werfe ich ein.
Teresa macht eine wegwerfende Bewegung mit ihrer Pfote.
„Auf dem Papier ist es fair. Aber überleg bitte Mal, was das bedeutet. Wenn alle Vermieter die Miete gleichmäßig erhöhen, ist der Durchschnittswert absolut nichts wert. Es wird argumentiert, daß damit ja eine marktwirtschaftliche Konkurrenzsituation erschaffen wird. Die Krankenkassen/Vermieter würden dann ja im Wettbewerb stehen und so die Erhöhungen gering halten.“
Jetzt verstehe ich, was Teresa mit unanständig meint und das erinnert mich an etwas.
„Das ist doch genauso wie bei der Euroeinführung! Da wurde doch auch argumentiert, daß die Geschäfte nicht die Preise willkürlich bei der Umrechnung anheben können, weil sie somit ja die Kunden zur preiswerteren Konkurrenz treiben würden.“
Teresa lächelt wieder ein bezauberndes Lächeln, bei dem mir zum ersten Mal ihr überaus weißes und überaus spitzes Gebiß auffällt.
„Genau DAS, Papa. Dummerweise gab es damals keine preiswerte Konkurrenz und diese preiswerte Konkurrenz wird es auch diesesmal nicht geben.“
Teresa hat das scheinbar rasend schnell erfasst, oder sie hat heute Nachmittag bereits davon gehört. Ich bin irgendwie schockiert.

„Diese Reform ist weder fair, gerecht, ökonomisch und auch nicht clever. Sie ist unanständig. Aber die Menschen da draußen sind so sehr im Fußballfieber, daß sie sich darüber keine Gedanken machen. Paul die Krake ist momentan lustiger. Wenn die WM vorbei ist, dann wird erst mal zünftig in den Urlaub gefahren. Wenn der Deutsche Michel dann aus dem Urlaub zurückkommt, steht er vor vollendeten Tatsachen und wird diese auch akzeptieren. Manche werden vielleicht auch noch denken, daß Gesundheitsminister Rösler doch ein besonders jungdynamischer und fähiger Mann ist. Beide Eigenschaften treffen voll zu, doch ganz anders, als der Ottonormalo denkt“.
Teresa legt ihren Kopf wieder auf ihre Pfoten und eines ihrer Löckchen fällt ihr ins Gesicht.

„Hunger!“, sagt eine Stimme flüsternd. Ich reagiere nicht, weil ich in Gedanken noch bei dem bin, was Teresa da gesagt hat. Unterbewusst höre ich „Hunger!“, nocheinmal, ignoriere es aber weiter.
„Hunger!“, jetzt so laut das ich es nicht ignorieren kann. Ich registriere es und drehe den Kopf langsam, aber zuuu langsam in Richtung Mausbär.
„Verdammt nochmal Papa! Ich mache einen Extremversuch im Nichtbewegen und habe Hunger! Hol mir bitte sofort ein Glas Honig“, schreit die Pharmaindustrie, nein ähm .. ich meine Mausbär mit dämonischer Stimmgewalt…
Ich nicke und tue was der Junge will. Widerstand ist zwecklos, wie im echten Leben.

„Wir brauchen eine Handvoll Narren – seht, wohin uns die Vernünftigen gebracht haben!“
– Bernhard Shaw –

Papa und Mama waren Samstag irre lang weg und uns Kindern war voll langweilig. Irgendwann in der Nacht sind sie dann wiedergekommen und haben ganz komisch gesprochen.
So ähnlich ging es mir mal, als ich zuviel Honigwein genascht habe. Da hatte ich auf einmal so ein Karussell im Kopf und bin so seltsam gegangen. Ganz ähnlich ging es Papa und Mama hat geschimpft: „Du und deine Bacardi-Cola!“
Naja, mir war jedenfalls total langweilig.
Rocky surfte die ganze Zeit im Internet und schaute sich stundenlang Aktienkurse und Charts an. Teresa schaute mit Happy dieses blöde Homeshopping an.
Ich habe drüber nachgedacht, nochmal das Gasleck nebenan abzuchecken, aber vielleicht war das auch keine sooo gute Idee … jedenfalls nachdem was beim letzten Mal passiert ist.
Deshalb habe ich dann einfach mal unsere Wohnung etwas genauer inspiziert. Wir, also Happy, Rocky, Teresa und ich Mausbär, sind ja meistens entweder im Wohnzimmer oder im Schlafzimmer. Zuerst habe ich mir dann das Arbeitszimmer vorgenommen. Dort waren auch zwei Leute mit denen ich nicht so viel zu tun habe. Das eine ist Bruno. Er ist auch ein Bär, wie ich, aber er kümmert sich nur um die Bücher von Mama und Papa. Er ist der Bibliothekar-Bär, deshalb spricht er auch nicht so viel. Er ist irgendwie komisch.
Auf dem Schreibtisch sitz das Küppi-Schwein. Es ist ein rosa Schwein, mit einer schwarzgrauen Haartolle. Ich weiß nur daß es Papas Glücksbringer ist. Das Schwein kümmert sich ansonsten um das Notebook, wenn es auf dem Schreibtisch steht.
Heute aber steht es im Wohnzimmer und das Küppi-Schwein ist in einer Art Trance versunken,deshalb kümmere ich mich nicht lange um es. Langweilig!
Dafür sehe ich mir, unter den wachen Augen des Bibliothekar-Bären einfach mal die Bücher an. Als ich eines rausziehen will, beugt sich Bruno vor und schaut noch mißtrauischer. Dann knurrt er. Ist eben nicht so cool wie ich, kein Lebemann.
Trotzdem schaue ich weiter. Mama und Papa lesen ja echt viel. Mama vor allem coole Krimis und Papa eine wilde Mischung aus Fantasy, Science Fiction, Psychologie und Esoterik.
Aber irgendwie sind`s für mich zuviele Bücher und ich verliere den Überblick. Außerdem nervt mich dieser ätzende Bär, wie uncool er da im Regal sitzt!
Deshalb gehe ich mal weiter. Meine Schritte führen mich in ein Zimmer, in dem ich bisher noch nie gewesen bin – ins Badezimmer.
Auf der Erde liegen runde, gelbe Teppiche, am Waschbecken hängen gelbe Handtücher und von der Decke hängt ein ebenso gelber Duschvorhang.
Das muß Mama`s Handschrift sein. Papa ist ungeschickter, was Design angeht. Naja, eigentlich ist Papa generell eher ungeschickt. Ich kichere vor mich hin.
Mitr gefällt das Badezimmer. Die Wände sind mit weißen Platten beklebt, genau wie die Erde.
Mama und Papa laufen immer nackt hier rum und tun das, was sie duschen nennen.
Für mich macht das keinen Sinn. Ich mein`, ich schwitz ja nicht! Warum sollte ich mein schönes Fell also mit Wasser besprenkeln?
Naja, irgendwie ist hier schönes Licht drin und ich setze mich auf den Stuhl, der da am Fenster steht. Der Stuhl ist ganz weiss, unten aus Porzellan und oben aus Plastik. Irgendwie ungewöhnlich, aber man sitzt ganz gut darauf.
Ich sitze dann da oben und lasse meine Beine runterbaumeln. Ich muss irgendwie an Dance Dance Revolution denken. Auf das Spiel hätte ich nämlich jetzt voll Lust, aber irgendwie wollen die Anderen nicht mitmachen. Wahrscheinlich,weil ich immer gewinne.
Was ein bisschen doof ist, ist das ich mich nirgends anlehnen kann. Trotzdem ist es irgendwie cool hier zu sitze. Ich sitze also weiter im Lebemannstyle herum und schaue in der Gegend herum.
Da sehe ich das Ding neben dem Stuhl. Es sieht aus wie ein Korbhocker oder so. Darauf liegt ein Buch. Von hier oben komme ich aber nicht dran. Auf dem Buch steht “ Liebe ist die Lösung“ es ist von Werner Ablass.
Ich frage mich, was ein Buch wohl hier soll? Vielleicht setzt sich Mama auf den Stuhl hier und wartet, während Papa sich absprenkelt?
Is ja auch egal, das Buch interessiert mich jetzt irgendwie. Ich lasse mich vom Stuhl runterrutschen und nehme das Buch in die Tatzen, schlage es auf.
Beim Durchblättern sehe ich das jemand Textstellen mit einem Textmarker markiert hat. Also hat das Geschriebene wohl Eindruck gemacht. Hier im Badezimmer ist es irgendwie nett, deshalb kuschele ich mich auf einen der gelben, runden Teppiche und fange an in dem Buch zu lesen.
Irgendwie ist es plötzlich sehr dunkel im Bad geworden und mein Bauch knurrt. Ich habe Hunger. BÄRENHUNGER. Da fällt mir auf, daß ich das Buch fast ausgelesen habe.
Hungrig klemme ich mir das Buch unter den Arm und gehe in die Küche.
Auf dem Weg begegnet mir Rocky. Er ist ziemlich genervt, dass sehe ich ihm an.
„Mann isss hab son Hunger! Is hab nur noch rohe Bananas. Keine Bananas im Teigmantel und auch keinen Sirup mehr!“
Ich spüre das Buch unter meinem Arm. Ich schaue Rocky ganz fest in die Augen und frage ihn.
„Du bist jetzt unglücklich,oder?“
Rocky nickt skeptisch.
„Dann liebe Dich dafür. Lasse Liebe fließen!“
Rocky schaut mich irritiert an.
„Gehts Dir nissst gut?“
Ich lächele. Mir geht es so gut wie lange nicht mehr. Das sage ich auch Rocky. Und ich betone nochmal was ich gesagt habe. „Liebe dein Unglücklichsein!“
Rocky bleibt mit offenem Mund stehen. Ich gehe in die Küche und hole mir ein Glas Honig. Als ich mit dem Glas wieder im Flur auftauche, steht Rocky immer noch da. Er wirkt irgendwie verwirrt.
„Gehts dir wirklich gut, Mausbär?“, fragt mich das Höhlenäffchen.
Ich nicke. „Mir geht es sehr gut. Wie geht es dir? Hast du deine Schwingungsfrequenz erhöht?“
Rocky starrt mich jetzt an.
„Wovon redes` du Mausbär? Iss will Bananas, Swingungssfrequenss kenn is niss, will is niss.“
Ich zucke mit den Achseln.
„Dann liebe eben das Gefühl, das Du Bananas willst!“, sage ich und gehe ins Wohnzimmer.
Ich muss das Buch zuende lesen und meinen Honig essen.

Einige Zeit kommt Rocky rülpsend ins Wohnzimmer. Ich habe das Buch durch und das Glas geleert und sitze im Sessel.
„Bist du jetzt wieder cool, Mausbär? Oder redes`du weiter son Mist?“
Ich schaue das Höhlenäffchen an und lächle. „Ich bin Mausbär, ich bin cool. Aber vor allem: Ich bin!“
Rocky springt auf meine Lehne und schaut mich an.
„Was machs du da Mausbär? Du sitz` einfach rum. Du tanzt niss, springst niss rum und machst auch keine Moves. Bis`Du krank?“
Ich schüttele den Kopf. „Ich habe heute etwas verstanden. Es kommt nicht darauf an, was man macht,oder wie man es macht. Es kommt darauf an, wie man es wahrnimmt!“
Rocky nickt vorsichtig.
„Okay … und wie machst Du es?“, fragt das Höhlenäffchen.
Ich lache. Rocky stimmt mit ein.
„Natürlich als Lebemann! Wenn Mama und Papa wieder zurück sind, werde ich mich mal so lange nicht bewegen wie es geht. Das ist hardcore Lebemann Style! Die bringen mir meinen Honig und ich bleibe einfach nur sitzen, stundenlang.“, sage ich.
Rocky schüttelt langsam sein kleines Köpfchen und sagt: „Du warst schon immer etwas Besonderes….“
Da fällt mir was ein.
„Willst du lernen, was auch ich gelernt habe?“
„Lass miss raten, kosstet 5 Euro?“, sagt das Äffchen.
„Richtig!“
Rocky springt hoch, mach einen Salto in der Luft und hält mir im Flug sein rechtes Händchen hin. Ich schlage ein.
„So gefällst Du mir wieder, Mausbär! Du bis ein Guru! Und Deutsland braucht endlich mal wieder einen voll coolen Guru“

The Mischn` -Part II-

Juli 3, 2010

Und da sind sie dann wieder – meine Kuschelbande ist zurück vom kleinen Spaziergang und hat sogar mal etwas mitgebracht. Mausbär hält ein originalverpacktes iPhone in den Tatzen.

„So, so , so… Ts ts ts ts.“

„Also Papa, esss´is niss so wie …  du denks…“, stottert Rocky.

„Nein, ich verstehe das schon. Ihr wart nicht draußen und ihr habt auch nicht ein nigelnagelneues iPhone geklaut. Es ist natürlich ganz anders.“, antworte ich.

„Super Papa, gut das du uns verstehst. Also es ist …“, beginnt Mausbär, wird dann aber von Rocky unterbrochen. „Das`nennt man Ironie, Mausssbär. Papa weisss was loss is!“. Mausbär schluckt hörbar.

Ich lehne mich gegen den Türrahmen der Badezimmer Tür. „Wo wart ihr?“

Happy, die sich bisher schön hinter Mausbär versteckt hatte, hoppelt hervor und deutet mit dem Köpfchen Richtung Haustüre, in Richtung Müllers.

Ich nicke, soweit so gut. Frau Müller hatte mir erzählt, daß sie ein iPhone für ihre Enkelin gekauft hatte. Meine kleine Diebesbande hatte es wohl gestern Abend beim „Gas Einsatz“ geshen und hatte wohl Gefallen daran gefunden.

„Dann sagt mir mal, was wollt ihr mit dem Iphone? Die Sache mit der spanischen Armada haben wir a schon angesprochen, nicht wahr Mausbär?“

Mausbär nimmt eine „coole“ Haltung ein und sagt in besonders lockerem Ton „Rocky hat ausgepackt und mich aufgeklärt.“
„Weißt Du, Papa, es passiert das man Angebote bekommt, die man nicht ausschlagen kann.“
Ich nicke, wie immer geht es bei meinem Äffchen nur um leckere Chiquitas.
„Bleibt immer noch die Frage, was ihr damit wollt?“
„Papa, wir wollten nur damit s´pielen…“, sagt Happy und lächelt mich besonders lieb an. Das Häschen kommt näher zu mir. „Schau mir tief in die Augen…“
Sekundenbruchteile denke ich an die Schlange Ka aus dem Dschungelbuch, dann kann ich mich aus dem Bann des Hypnotic Rabbits befreien.
„Spielen…. Das glaube ich nicht.“
„Och, es gibt da so eine App!“, sagt Mausbär auffällig beiläufig. Rocky säufzt laut.
„Was für eine App?“, frage ich.
Sekunden des Schweigens vergehen.
„Eine Software für unseren online Handel mit Antiquitäten.“, erklärt Rocky.
Ich muss nachdenken. Der Möbelhandlung fängt gerade an lukrativ zu werden. Rocky und Mausbär beobachten Ebay und andere Auktionshäuser und warten auf unterbewertete Antiquitäten in schlechtem Zustand. Haben sie etwas gefunden, schlagen sie zu und lassen es zu einem uralten Schreiner bringen, der die Möbel dann restauriert. Die fertigen Möbel werden dann zu einem „offline“ Auktionshaus transportiert, wo sie dann für einen deutlich höheren Preis den Besitzer wechseln. Das alles funktioniert reibungslos, aber es läuft über mich, meinen PC und meinen Internetanschluß.
„Ihr wolltet euch mit dieser App also von mir unabhängig machen?“
Happy hoppelt wieder zurück zu Mausbär.
„Nun ja Papa, es ist ja eigentlich UNSER Business…“, sagt Mausbär.
„Ja, es iss so Papa…. bei Amazon kann man jetz` ja auch Lebensmittel bestellen, die dann nach Hause gebracht werden.“
Ich nicke. Bei Menschen sind es Sex, Frauen, schnelle Autos. Bei meiner Kuschelbande Honig, Bananas und Möhren.
„Und ihr wolltet dann über Amazon eure Vorräte aufstocken, so so so.“
„Du musst zugeben, daß das ein cooler Plan wist!“, frohlockt Mausbär begeistert.
Ich schüttele den Kopf. „Ein ganz bescheuerter Plan.“
Das emotionale Klima sinkt deutlich.
„Ist das ein iPhone 4?“, frage ich.
Mausbär dreht den Karton planlos in seinen Tatzen herum. Es dauert etwas länger als es dauern sollte, dann nickt der Bär „Yupp! Eines von den ganz Neuen!“
Ich muß lächeln.
„Was is Papa?“, fragt Rocky mißtrauisch.
Ich zucke mit den Schultern. „Mausbär wird nicht viel Freude damit haben…“
Rocky wechselt einen Blick mit Mausbär.
„Wieso nicht? Die Spanier hören es nicht ab!“, ereifert sich der kleine Bär.
„Es hat mit der Größe deiner Tatzen zu tun, Mausbär. Es gibt ein Problem mit der im Gehäuse installierten Antenne. Man darf die nicht mit der Hand, oder Tatze, abdecken. Sonst hat man nur ganz schlechten Empfang und eventuell gar keine Internetverbindung.“
Die drei Diebe wechseln schnelle Blicke miteinander.
„Stimmt das wirklich, Papa?“, fragt Mausbär ungläubig.
Ich nicke. „100%, euer kleiner Diebeszug war vollkommen unnötig. Und jetzt seht zu, daß das iPhone zurück zu Müllers kommt. Soll sich deren Enkelin damit rumärgern!“
Die drei rühren sich nicht von der Stelle.
„Und wasss dann? Kriegen wir dann keine Strafe?“, fragt Happy.
Ich lächele, diesesmal bin ich der Clevere. „So würde ich das nicht nennen. Es gibt einen Ausgleich, keine Strafe.“
„Wie solln der aussehn?“, fragt Rocky mit einem extremst mißtrauischen Unterton.
Ich zucke mit den Achseln. „5% mehr von Eurem Gewinn und ausserdem…“, ich mache eine theatralische Pause.
„Ja?!?“, Mausbär wird wieder aggressiv.
„Ja, und außerdem ist da ja noch meine Steuererklärung… Die werdet IHR für mich machen.“
„Papa, dasss isss ne Strafe und kein Ausgleich wie Du es nenns`“.
Ich zucke erneut mit den Schultern. „Los jetzt, sonst nehme ich den Wlan Router mit zur Arbeit. Dann ist Schluß mit Business.“

Und wieder bewahrheitet sich die Weisheit, daß es „Angebote“ gibt, die man besser nicht ablehnt…

Heute bin ich vollkommen schweißgebadet nach Hause gekommen. Heute waren wieder alle Kinder anwesend, im Gegensatz zu gestern.

Ich hatte ja noch meinen Auftritt als „Spezialist für Gaslecks“ bei den Müllers. Mit klopfendem Herzen habe ich mit todernster Stimme meinen Text heruntergebet und konnte auf diesem Weg ein überfressenes Höhlenäffchen und ein ebenso überfressenen Hypnotic Rabbit aus der Vorratskammer des Ehepaars retten.

Zum Ausleich saßen die Kinder auf dem Sofa und schauten Fernsehen. Irgendwie war die Stimmung aber nicht ganz so bombig. Im TV liefen Bilder von der Spaßveranstaltung der Bundesversammlung.

„Was ist los mit Euch Kinder?“

„Och die haben heute unsere Lieblingsdokusoap wegen dem Quatsch da unterbrochen!“

Ich nicke verständnisvoll, verabschiede mich dann aber schnurstracks zum Duschen ins Bad. Mausbär`s Probleme hätte ich gerne. Wobei ich auch neidisch bin. Ich würde mir auch gerne die Dokusoaps anschauen.

Als ich aus der Dusche komme, ist der Fernseher aus.

„Und, ist Wulff schon neuer Bundespräsident?“

Rocky gähnt betont theatralisch und fügt dann hinzu: „Noch nisst, es ist ein dritter Wahlgang fällig!“

Die Kinder hängen richtig auf dem Sofa ab. Irgendwas stimmt nicht.

„Was ist hier eigentlich los?“

„Die haben ein schlechtes Gewissen, Papa!“, sagt Teresa.

Ich nicke und füge hinzu, daß sie das auch haben sollten.

„Un`ausserdem is uns langweilig. Heute is`nix passiert ausser dieser blöden Wahl, bei der am Ende der Wulff gewinnt. Was soll das eigentlich?“

Ich zucke mit den Schultern. Teresa antwortet für mich. „Es muß doch in regelmäßigen Abständen Demokratie inszeniert werden. Das die Bevölkerung mal wieder komplett außen vor bleibt, wird durch das ganze Brimborium übertünscht.“

„Aber dieser andere Kandidat, dieser Gauck mit den STASI-Akten, der ist voll sympathisch. So ein richtiger Opi-Typ!“, sagt Mausbär.

„Oh ja, der könnte mir ssssöne Gesissssten vorlesen! Anstelle so doofer Reden.“, freut sich Happy.

Ich lächele in mich hinein. Damit hätte der Bundespräsident dann auch eine wirkliche Aufgabe. Er würde zur Unterhaltung dienen, aber irgendwie tun sie das ja alle.

„Abbber der iss viel zu alt. Ist doch ein rissstiger Knacker! Vielleicht brauchen wir dann bald wieda`n neuen?“

„Teresa räkelt sich entspannt auf dem Sofa und schnurrt.

„Weißt Du was gestern unser Fehler war, Papa?“, fragt Mausbär.

„Das ihr die Wohnung verlassen habt und euch als Leute vom Gaswerk ausgegeben habt?“, antworte ich.

Mausbär druckst herum, Rocky hilft. „Also Mausbär meint eher, warum die Operation fassst sief gegangen wär`.“

Ich ziehe eine Augenbraue hoch.

„Wir hatten einfach keine Wahl. Die Sachen waren so lecker. Wir MUSSTEN einfach essen. Und dann sind Happy und Rocky müde geworden und eingeschlafen.“

Teresa lächelt diebisch. „Genau das ist das Problem. Die Menschen in Deutschland haben niemals wirklich die Wahl. Und in Ermangelung echter Optionen, betäuben se sich mit allerhand Ablenkung. Essen, Fußball, Alkohol….“

Mir ist es heute zu heiß für solche Diskussionen. Ich gehe in die Küche und hole mir ein Bier aus dem Eisschrank. Als ich mir de Flasche aufmache, höre ich das die Erkennungsmelodie von Teresas Lieblingssender, WDR2.

„Papa, halt Dich fest! Wulff ist neuer Präsident, ist das nicht unglaublich spektakulär?“, meint Teresa knochentrocken.

Ich nicke. „Kinder, was haltet ihr davon, wenn wir später mit Mama grillen?“

Sofort ist die Stimmung um mehrere hundert Prozente gestiegen. Was soll man auch sonst an so einem langweilig heißen Tag tun?

„Papa, gibts eigentlich einen Bundes Grill-Minista?“, fragt Happy.

Ich schüttele den Kopf.

„Dasss verstehh iss nisst!“

Rockschüttelt den Kopf. „Deutsland is`zwar die reinste Bananenrepublik, also in esst jetz. Aber esss gibt keinen Banana-Minister. Und da wundern siss de Leute das hier nix mehr geht.“

Rocky hat recht. Es sollte den Bundes-Banana-Minister geben. Ich hätte da den perfekten Kandidaten im Auge. Das kleine Äffchen könnte mit diesem Amt mehr sinnvolle Arbeit leisten als jeder dieser Politikdarsteller. Ach nein, Christian Wulff wird natürlich großartige Leistungen vollbringen. Schließlich ist er der Bundespräsident der Bananen Republik Deutschland, BRD und wird diese gebührend im Ausland präsentieren.

Ich kam heute Abend von der Arbeit zurück und fand die Wohnung verwaist vor. Meine Kinder waren illegaler Weise auf Tour. Wahrscheinlich haben sie sich bei den Nachbarn eingeschlichen. Das ältere Ehepaar ist sehbehindert und Rocky und Mausbär haben eine Nummer drauf, in der sie sich als Entstör-Kräfte des örtlichen Gasversorgers ausgeben. Selbstverständlich ist diese Aktion GEGEN jede Absprache, aber in der Vorratskammer des Ehepaars (in dem es immer das Gasleck gibt, obwohl das Haus mit Öl beheizt wird) gibt es große Mengen an Honig, Bananen und Möhren.

Resigniert hänge ich meine Jacke an die Garderobe und höre ein Seufzen. So ganz alleine bin ich also doch nicht.

Ich schaue nochmal ins Wohnzimmer und registriere, daß das Radio leise vor sich hin dudelt. Dann sehe ich Teresa. Teresa liebt Radio und hat es sich auf dem Hocker bequem gemacht.

Teresas Kopf liegt auf ihren Pfoten und sie strahlt als sie mich im Türrechteck entdeckt.

„Ich dachte schon, Du hast nicht mehr an mich gedacht!“, sagt Teresa mit ihrer wohl akzentuierten Stimme. Teresa ist hübsch anzusehen. Wie fast immer trägt sie ihre Haare zu kleinen Zöpfen gebunden und hat ihr zauberhaftes, rotes Kleidchen an.

„Wie könnte ich das denn?“, sage ich und tätschele sanft ihren Kopf. Teresa schnurrt wohlig.

„Na vielleicht, weil Du so unterfordert bist?“, erklärt das Kätzchen.

Ich runzele die Stirn. Mein Tag war lang und ich fühle mich so gar nicht unterfordert.

„Wie kommst Du denn darauf?“, frage ich immer noch stirnrunzelnd.

„Das habe ich im Radio gehört. Da statistische Bundesamt sagt das.  Du bist also nicht unterfordert? Möchtest Du länger arbeiten?“

Ich schüttele energisch den Kopf. „Ich gehe 5 Tage die Woche mindestens acht Stunden am Tag arbeiten. Ich habe so gut wie nie Pause, meine Arbeit ist körperlich anstrengend und ich muss den ganzen Tag freundlich zu den Kunden sein, egal wie es mir geht. Trotzdem bekomme ich dafür nicht viel Geld, bin aber abends komplett fertig.“

Teresa wiegt den Kopf.

„Dann bist Du wahrscheinlich eine Nr.8…“, witzelt das Kätzchen.

„Ganz ernsthaft Teresa, ich kenne eigentlich Niemand, der darüber klagt, zuwenig zu tun zu haben. Ich kenne eine Person, die sich bei der Bundeswehr durch die Dienstzeit hindurch gelangweilt hat. Aber ansonsten sagen alle, daß sie eher zuviel Arbeit für zuwenig Geld haben.“

Teresa nickt schweigend, überlegt.

„Dann ist das wieder nur Suggestion!“, sagt Teresa leise.

Ich frage Teresa, was sie meint.

Teresa verzieht das Gesicht zu einer ambivalenten Mischung aus Lächeln und Härte.

„Die Menschen sollen damit beeinflusst werden. In den Köpfen der Menschen soll ein neuer Glaubenssatz installiert werden: Viele Menschen fühlen sich unterfordert, würden gerne mehr arbeiten. Wenn ich das nicht fühle, bin ich dann faul?“

Ich bin verblüfft und lasse mir das Gesagte nochmal durch den Kopf gehen.

„Die Leute sollen dahin manipuliert werden, daß sie aus Scham auch unentgeldlich Mehrarbeit leisten sollen. Sonst sind sie keine guten Mitglieder der Gesellschaft. Schließlich soll man ja froh sein, Arbeit zu haben.“

Ein Kloß bildet sich in meinem Hals. Auch schlucken hilft nicht.

„Hast Du schonmal darüber nachgedacht, was der Unterschied zwischen Sklaverei und der industrialisierten Welt ist?“

Da muss ich nachdenken.

„Nun ja, Sklaven haben keine Rechte, werden gezwungen zu tun, was ihre Herren wollen?“, vermute ich.

Teresa schüttelt langsam den Kopf.

„Sklaven wissen, daß sie unfrei sind. Deshalb revoltieren Sklaven irgendwann. Der Unterschied ist, daß den Arbeitnehmern Freiheit vorgegaukelt wird. Die Arbeitnehmer sind somit soetwas wie glückliche Sklaven. Marie von Ebner-Eschenbach hat das einmal sehr schön formuliert: „Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.“

„Aber Teresa! Ich bin doch kein Sklave!“, sage ich mit Nachdruck.

Teresa hebt die Pfoten und dreht die Pfoten nach oben.

„Des Menschen Wille ist sein Himelreich. Aber im Grunde weißt Du, daß das eine Lebenslüge ist, wenn Du sagst, daß Du frei bist.“, ergänzt Teresa.

„Sicher, ich muß arbeiten gehen, Miete zahlen, Steuern zahlen, aber …“. Teresa unterbricht mich.

„Letztendlich bist Du nur eine Arbeitsbiene, von deren Arbeit immer nur andere profitieren!“

Ich will etwas dazu sagen, komme aber nicht dazu. Etwas zupft an meinem rechten Hosenbein. Ich schaue runter.

„Habe ich da Bienen gehört? Wo gibts Honig?“, kreischt Mausbär los.

Ich presse die Lippen zu einem Strich zusammen. „Ah, ein Mitglied des Entstörteams vom Gaswerk, vermute ich?“

„öhm … nein, Papa, also…“. Mausbär stottert und trippelt nevös von einem Fuß auf den Anderen.

„Also ja. Wo sind die anderen zwei Entstörer?“

Mausbär schaut mich an und schweigt.

„Ich höre?“

„Nun ja, Papa…. Die Beiden sind noch … bei der Arbeit, sozusagen.“

„Sie sind noch bei den Müllers!?“ Mein Herz beginnt zu rasen.

„Deshalb bin ich ja hier … Rocky und Happy sind beim Schnösen wohl eingeschlafen. Ich bekomme sie nicht wach. Da hab`ich zu den Müllers gesagt, ich hole meinen Meister aus der Zentrale ab, der sich dann um das Leck kümmert……“

Ja, scheinbar bin ich wirklich unterfordert. Jetzt habe ich einen Nebenjob als Gas-Leck-Spezialist beim örtlichen Energieversorger. Tolle Wolle….

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