Ich traue meinen Augen nicht. Vor mir steht Mausbär und hat einen Verband um den Kopf. Der Verband sitzt schlecht und ich brauche nicht zu viel Phantasie um mir vorzustellen, wie er sich  den Verband selbst angelegt hat. Eine Schlaufe hängt ihm lose ins Gesicht herunter.

„Was ist los, Mausbär? Hast Du Kopfschmerzen?“, frage ich den Jungen.

Mausbär schüttelt den Kopf. „Nein, eigentlich nicht … aber … doch irgendwie schon.“

„Was denn nun?

Mausbär wippt vom einen Fuß auf den Anderen. „Du solltest mich jetzt hinfahren!“

Ich schaue vollkommen irritiert aus der Wäsche. Ich habe keine Ahnung wo ich Mausbär hinfahren soll.

„Er will sum` Bahnhof!“, erklärt Happy.

„Genau, ich will meine 500 Euros abholen!“

Jetzt verstehe ich. Mausbär will sich Geld erschleichen.

„Aber dafür braussst Du ein Attest vom Arzt und ein Ticket!“, mischt sich jetzt auch Rocky in das Gespräch ein.

„Nein Rocky. Die Bahn hat sich heute entschlossen, alle Fahrgäste zu entschädigen. Egal ob mit, oder ohne Attest. Mausbär braucht nur ein Ticket!“, klärt Teresa die Situation von ihrem erhobenem Platz auf der Kopfstütze des Sofas.

Mausbär schaut mißmutig drein. Er hat natürlich kein Ticket, genausowenig wie er in den letzten Jahren ICE gefahren ist.

„Ich WILL aber 500 Euros!“, sagt Mausbär und stampft mit seinem rechten Fuß auf.

Ich weiß nicht recht, wie ich den Kleinen besänftigen soll, er ist total in Rage.Wütend reißt sich Mausbär den Verband vom Kopf und schmeißt ihn auf den Boden.

„Ich verstehe sowieso nich, warum überhaupt wer 500 Euros bekommt!“, sagt Mausbär böse.

„Na hör mal, Mausbär. Den Leuten ist es in den Zügen echt schlecht ergangen. Die Bahn hat nicht für die richtigen Bedingungen für die Beförderung gesorgt, dafür kann sie ruhig zahlen!“, sage ich.

„Naja, Papa. So gan´s einfach issses ja niss… Iss hab da son Berissst im Fernsehen gesehen.“, sagt Rocky.

Ich habe auch so einen Bericht gesehen. In dem Bericht war die Rede von einer Familie, die die Strecke von Berlin nach Köln mit einem ICE gefahren war. Die Klimaanlage war defekt und der Vater hatte Aufnahmen gemacht, auf denen zu erkennen war, wie schlecht es den Kindern während der Fahrt gegangen war. Das sage ich auch Rocky.

Das Höhlenäffchen macht eine wegwerfende Handbewegung.

Mausbär kickt den aufgewickelten Verband durch das Wohnzimmer. Die Schlange fliegt durch die Luft, kommt aber nicht weit.

„Genau das meine ich doch, Papa. Warum sind die Leute denn nicht ausgestiegen? Auf der Strecke Berlin-Köln sind doch Haltestellen. Wenn die Leute sich wirklich um hre Kinder gesorgt hätten, wären sie dann nicht früher irgendwo ausgestiegen?“, sagt Mausbär mißmutig.

So hatte ich das bisher nicht gesehen. Auf der Strecke gibt es einige Banhöfe, die angefahren werden. Wenn es mir im Zug wirklich drastisch zu heiß wäre, würde ich aussteigen.

„Die Jungs haben recht, Papa Erinnerst du dich noch an die alte Dame in den USA? Die war bei McDonalds und hat sich einen Kaffee über den Schoß geschüttet. Dafür hat sie 640.000 Dollar bekommen. “

Schweiß steht mir auf der Stirn. Draußen ist es heiß und mir rauscht der Schädel.  So wie meine Kinder das gerade dargestellt haben, habe ich das bisher noch nicht gesehen.

„Papa kurzzz und knackissss: wir leben inner´Welt volla Opfer!“, sagt Rocky.

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Die „Pionierin“: Stella Liebeck
Die „böse Bahn“: DB
Die weitverbreitete Krankheit: Opferhaltung

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„Sag mal Mausbär, hast Du das mit dem Löw schon gehört?“
Mausbär zieht seine Augenklappe (es ist eigentlich eine Schlafmaske) hoch und schaut mich an.
„Och komm Papa, jetzt fang`nicht schon wieder mit den Höhlenäffchen an. Ich bin der Mausbär und will nicht darüber reden!“
Ich schüttele den Kopf und erkläre ihm „Nein, das meine ich auch gar nicht. Christian Wulff, der neue Bundespräsident, will jetzt Jogi Löw das Bundesverdienstkreuz verleihen. Die Spieler der Nationalmannschaft sollen das „silberne Lorbeerblatt“ verliehen bekommen.“
Mausbär zuckt mit den Schultern. „Naja, so ganz verstehe ich das nicht. Bekomme ich denn auch so ein Kreuz, also dafür das ich so coole Tanzkurse anbiete und sowieso der Lebemann schlechthin bin?“
Ich überlege. Was soll ich dazu sagen?
„Naja, ich glaube nicht …“.
Ich höre ein sanftes Schnurren ganz dich an meinem linken Ohr. Teresa hat sich auf die Kopflehne gelegt.
„Also eigentlich gibt es da eine ganz klare Definition!“, sagt Teresa in ihrem unvergleichlich kultiviertem Tonfall.
Ich höre neugierig zu.
„Das Bundesverdienstkreuz wird verliehen für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.“
Mausbär und ich schauen uns an.
„Und warum bekommt der Löw dann so ein Ding und ich NICHT? Ich tue schließlich was für deutsche Stofftiere und das deutsche Volk. Ich veranstalte Tanzkurse, unterhalte mit meinen Beiträgen hier die Leute und bin ein Vorbild als Lebemann!“, Mausbär wird sauer.
„Also das verstehe ich auch nicht so ganz. Christian Wulff begründet das damit, daß Löw und die Mannschaft „beste Botschafter“ in Südafrika gewesen seien und das unser Land „stolz auf sie sein könnte.““
„Das ist schon seit längerem gängige Praxis, Mausbär. Auch Jürgen Klinsmann hat 2006 das Verdienstkreuz bekommen.“, erklärt Teresa.
„Also bekommen nur Verlierer das Bundsverdienstkreuz!?!“, zetert Mausbär.
Mausbärs Logik amüsiert mich, so ganz unrecht hat er ja nicht. Teresa kennt Mausbär und verzichtet deshalb lieber auf eine weiterführende Diskussion. Anstelle dessen beginnt sie sich zu putzen.
„Abbber komisss is das sssonn. Iss mein, hey wass haben die Typen den geleistet, ausser das sie ihren Sobb gemacht haben?“, Rocky ist scheinbar schon vor einiger Zeit wachgeworden und schaut uns von seinem Ministrandkorb aus an.
Ich zucke mit den Schultern. „Tja, so recht weiß ich das auch nicht. Vielleicht will der Bundespräsident ausdrücken, daß Jogi Löw eine Vorbildfunktion für das Volk hat, aber so recht passen tut es wirklich nicht.“
„Nun ja Papa, dasss Kreusss krisst er für die Koooperassion mit seinem Höhlenäffchen. Sließlich hat deshalb ja die Mannsaft verloren.“, sagt Rocky. Wobei wir wieder bei der Höhlenäffchen Verschwörung sind. Und wieder passt es wie die Faust auf`s Auge. Verdienstorden für Löw und die Mannschaft als Dank für die Mitarbeit bei der Manipulation des Spiels.
„Teresa, wer hat`n sonst so z.B. das Bundesssskreuss da bekommen? Weisst Du dass`?“, fragt Rocky das Kätzchen.
Das Kätzchen überlegt kurz und antwortet dann „Nicolae Ceauşescu, Elisabeth II., Fulgencio Batista und viele viele andere auch.“
Mausbär richtet sich jetzt zur vollen Größe auf. Er ist so richtig sauer. „Also muß ich hier eine Diktatur errichten und dann bekomme ich so`n Ding? Oder muß ich blaues Blut haben?“
Teresa traut sich nicht so recht darauf zu antworten, deshalb antwortet Rocky. „Dasss sin`abba alles Leute, die dass höchste Kreusss bekommn` haben. Es gibt viele viele Leute die so kleinere Kreusse bekommen haben. Die kennt`summ größten Teil niemand. Alless nur Politiker und andere Befehlssempfänger, als Dank für ihre Kooperation.“
„Ich WILL auch so ein Kreuz! Ich mache viel mehr als so ein Bundestrainer!“, tobt Mausbär jetzt.
„Also ganz nüchtern betrachtet hast Du recht, lieber Mausbär! Nimm z.B. den Arbeiter oder den Angestellten, die 40 Jahre lang arbeiten und ganz normal ihre Arbeit erledigen. Wer zeichnet DIE eigentlich aus?“, will Teresa den wildgewordenen Bären besänftigen.
„Ihr seht dasss gans fallsss, gaaaans fallssss. Die normalen Leute, die Masse… Die sin ja da summ arbeiten und besahlen. Es geht`um Ssportler,Politika und Industrielle. Die solln den Leuten als Vorbilda dienen!“
Mausbär ist immer noch sauer. „Also bekommen nur die Anerkennung, die sowieso schon Geld und Ruhm haben?“
„Mausbär`sau dir die Listen von Leuten an, die jemals ein Kreuss bekommen haben. Da is kein Normalo bei, kein ehrlicher Malocher. Das is alles Sow. Alles eine große, abgekartete Sow. Genau wie beim Fuppes`. Für eine handvoll Ordn….“

Exit the Matrix`?

Juli 9, 2010

Auch gestern und heute war ich nicht arbeiten. Der Hintergrund zu der Niederlage des Deutschland : Spanien Spiels hat mir keine Ruhe gelassen. Weder konnte ich schlafen, noch war ich in der Lage zu arbeiten. Anstelle dessen habe ich mich in muffigen Archivräumen und mit scheinbar uralten Mikrofilmgeräten herumgeschlagen.
Ich wollte es wissen. Gab oder gibt es noch mehr Leute mit einer Frisur, wie sie auch Jogi Löw trägt?
Die Liste ist erschreckend lang. Zahllose Personen aus der Vergangenheit, aber auch aus der Gegenwart tragen eine solche Frisur. Mozart, Donald Trump, Dieter Bohlen. Die gehören alle dazu, haben alle ein Höhlenäffchen, daß sie mit Anweisungen versorgte, oder immer noch versorgt.
Irgendwann habe ich dann vollkommen frustriert die Bibliothek verlassen, mit unzähligen Fotokopien.
Ich war zu Fuß in die Bibliothek gekommen, also musste ich auch auf diesem Wege nach Hause kommen. Den Heimweg gestaltete ich absichtlich etwas länger, ich musste nachdenken.
Was mich am meisten beeindruckt hatte, war nicht wirklich die Manipulation des Spiels. Es war die anschließende Vertuschungsaktion.
Nur mein Blog war unangetastet geblieben. Anfänglich hatte es ja Pressemitteilungen gegeben, aber dann waren diese verschwunden. Verschwunden im digitalen Nirvana des Internets. Auch der mir bekannte FIFA Mann ist verschwunden, seine Frau hatte mir gesagt „er wäre kurzfristig auf einer längeren Dienstreise“.

Die Verschwörung, von der mir Rocky berichtet hat, ist wohl oder übel real. Das Positive daran ist aber, daß auch ich von einem solchen Höhlenäffchen auserwählt wurde und somit vielleicht auch mit mir noch etwas geplant ist. Wobei aber für mich schon jetzt klar ist, daß ich keinesfalls meine Frisur verändern werde.
Obwohl ich einen großen Bogen gemacht habe und auch besonders langsam gegangen bin, komme ich doch irgendwann bei meiner Wohnung an.
Zuerst bleibe ich unschlüssig stehen, dann betrete ich den Hausflur und schließe meine Wohnungstüre auf.
Die Hitze der letzten Tage hat sich in den Räumen eingeschlichen, obwohl die Fenster geschlossen und die Jalousien heruntergelassen sind.
Aus dem Wohnzimmer dringt Musik in den Flur. Tanzmusik. Mausbär spielt anscheinend „Dance Dance Revolution“, denn ich erkenne sein Lieblingslied. Ich denke „Business as usual“ und gehe zu den Kindern ins Wohnzimmer.
Happy sitzt auf ihrem Stammplatz auf dem Sideboard und sieht mich als erste. „Hallo Papaaa!“, frohlockt der Hypnotic Rabbit. Ich winke in Happy`s Richtung.
Mausbär hüpft, im Takt der Musik, auf der Dance Dance Revolution Matte herum und schaut nicht in meine Richtung. Anstelle dessen ruft er „Hallo Papaaaaaaa! Rate mal was ich willllll!“
Ich kann es kaum erraten. „Honig?“, frage ich.
Mausbär springt auf sein anderes Bein und macht dann eine 90 Grad Drehung. „Fast, ich will HonigKEKSE!“
Ich nicke, wobei ich überrascht bin, daß Mausbär heute so aktiv ist und keinen seiner „Extremversuche“ absolviert.
Teresa döst auf dem Sofa vor sich hin und schnurrt. Rocky liegt vor seiner Palme und winkt mir zu. Er hat auf mich gewartet und er weiß, daß ich das weiß – das verraten mir seine Augen.
„Alless cool bei Dir Papa? Du warss`heute wenigstens niss bei deinem sinnlosss Sobb`oder?“
Ich schüttele den Kopf.
„Rissstig so. Redusier da mal dein Engagement da etwass, du wirss deine Energie noch brauchen!“
Ich setzte mich auf den Sessel vor Rockies Palme.
„Hass`du das von den Fußball WM Einsaltquoten gehört?“
Ich habe nicht und sage Rocky das.
Ein listiges Lächeln umspielt den Mund des Höhlenäffchens. „31,10 Millionen Deutsse sahen die Niederlage gegen Spanien. Das sind etwa 83,2 Prozent der deutsssen Fernsehzusauer.“
Ich zucke mit den Schultern. „Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, daß es mehr waren?“
Rocky macht eine wegwerfende Handbewegung. „Das sin`ja alles nur Sssätzungen, Papa. Die Prozente variieren immer etwas. Fakt iss, wir, also die Hählenäffchens haben weltweit die Medien unta Kontrolle und damit einen Grosssssteil der Menssen.“
Es läuft mir kalt den Rücken herunter.
„Die WM taugt jetz`natürliss niss mehr soviel als Brot&Spiele, also in Deutsland. Aber es geht ja weiter. Sonntag Formel 1ss, DTM, Boxen und dann bald auch wieder belanglose Politikdarssstellungen.“
„Warum macht ihr das?“, ganz selbstverständlich höre ich mich schon „ihr“ sagen, denn die Verschwörungstheorie ist für mich zur Realität geworden.
„Iss habs dir ja sson gesagt, dass isss sowas wie dein weisses Kaninssen bin..“. „Aber dasss bin doch issss!“, protestiert Happy.
Rocky nickt und erklärt „Metaphoriss, Happy, metaphoriss!“
Happy nickt. „Aber nur metadingsda. Iss bin Happy, das weisse Kaninssen!“
„Also Papa, es geht darum: Ihr Menssen seit gefährliss. Für euch selba, aber auch für alle anderen. Deshalb lebt ihr in einer von uns geschaffenen Matrix. Damit ihr euch selba und andere Lebewesen weniga gefährden tut!“
„Und niemand merkt das?“, frage ich und kann es nicht glauben.
„Wer sollte es denn merken? Die Menssen arbeiten und amüsieren siss. So kommen sie nisst auf dumme Gedanken.“
„Brot und Spiele“, sage ich. Rocky stimmt mir zu.
„Überleg nur mal die ganssen Leute mit den Vuvuselass und den Deutssland Trikoss. Die waren komplett aus ihrem Leben gerisssen, mitten in der WM Matrix`. Was glaubs`Du machen die jetz?“
Ich zucke mit den Schultern. „Das was sie immer tun, arbeiten und sich amüsieren, genau wie du gesagt hast!“
Rocky dreht sich lässig auf die Seite. Anders als em tanzenden Mausbär ist ihm scheinbar zu warm, den er dreht sich sehr sehr langsam.
„Risstig Papa. Sie tun, was sie immer tun. Und vorher waren sie wie gefangen in der Identifikation mit einem virtuelln` Sportwettbewerb. Konnten gröhlen, siss auspowern, hupend durss die Straßen fahren, etwas feiern. Ohne zu kapieren, daß der Ausgang der WM rein gar nisssts an ihrem Leben ändern würde.“
Rocky sagt das sehr sehr nüchtern, fast emotionslos.
„Aber auf diese Weise konnten sie all das sozialverträglich tun: Etwas herumlärmen, sich in Gruppen zusammenrotten, etwas Nationalstolz ausleben – ohne dabei jemanden zu verletzten.“
Rocky zeigt mit dem Zeigerfingerchen seiner rechten Hand auf mich. „Papa, you got it! Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die meisten Menssen eine feste Hand brauchen. Eine fesste Hand, die unssisstba handelt.“
Etwas ist mir schon die ganze Zeit durch den Kopf gegangen. Ich muss es das Höhlenäffchen fragen.
„Gibt es Menschen, die schonmal selber aus dieser Täuschungswelt herausgekommen sind?“
Das Höhlenäffchen wiegt den Kopf hin und her.
„Sagen wir`s so, Papa: Bisher is noch niemand vollkommen selbsssständig aufgewacht, oder hat den Exit aus der Matrix`gessafft. Es gibt Menssen, die haben das Potentssial dazu, die werden dann von einem Höhlenäffchen ausgesucht. So wie Du, Papa.“
So wie ich, denke ich. Mir geht es gerade seltsam – nachdem mir ein Höhlenäffchen die Welt erklärt hat.

„Hey Papa! Tanz mit mir! Tanz dich frei!“, ruft Mausbär. Erst will ich abwinken, dann mache ich doch mit. Was soll es schon, manchmal muss eben auch mal der „singende und tanzende Abschaum der Welt“ sein. Und es amcht sogar ziemlich viel Spaß, wie ich so mit Mausbär abhotte!

The Mischn` -Part II-

Juli 3, 2010

Und da sind sie dann wieder – meine Kuschelbande ist zurück vom kleinen Spaziergang und hat sogar mal etwas mitgebracht. Mausbär hält ein originalverpacktes iPhone in den Tatzen.

„So, so , so… Ts ts ts ts.“

„Also Papa, esss´is niss so wie …  du denks…“, stottert Rocky.

„Nein, ich verstehe das schon. Ihr wart nicht draußen und ihr habt auch nicht ein nigelnagelneues iPhone geklaut. Es ist natürlich ganz anders.“, antworte ich.

„Super Papa, gut das du uns verstehst. Also es ist …“, beginnt Mausbär, wird dann aber von Rocky unterbrochen. „Das`nennt man Ironie, Mausssbär. Papa weisss was loss is!“. Mausbär schluckt hörbar.

Ich lehne mich gegen den Türrahmen der Badezimmer Tür. „Wo wart ihr?“

Happy, die sich bisher schön hinter Mausbär versteckt hatte, hoppelt hervor und deutet mit dem Köpfchen Richtung Haustüre, in Richtung Müllers.

Ich nicke, soweit so gut. Frau Müller hatte mir erzählt, daß sie ein iPhone für ihre Enkelin gekauft hatte. Meine kleine Diebesbande hatte es wohl gestern Abend beim „Gas Einsatz“ geshen und hatte wohl Gefallen daran gefunden.

„Dann sagt mir mal, was wollt ihr mit dem Iphone? Die Sache mit der spanischen Armada haben wir a schon angesprochen, nicht wahr Mausbär?“

Mausbär nimmt eine „coole“ Haltung ein und sagt in besonders lockerem Ton „Rocky hat ausgepackt und mich aufgeklärt.“
„Weißt Du, Papa, es passiert das man Angebote bekommt, die man nicht ausschlagen kann.“
Ich nicke, wie immer geht es bei meinem Äffchen nur um leckere Chiquitas.
„Bleibt immer noch die Frage, was ihr damit wollt?“
„Papa, wir wollten nur damit s´pielen…“, sagt Happy und lächelt mich besonders lieb an. Das Häschen kommt näher zu mir. „Schau mir tief in die Augen…“
Sekundenbruchteile denke ich an die Schlange Ka aus dem Dschungelbuch, dann kann ich mich aus dem Bann des Hypnotic Rabbits befreien.
„Spielen…. Das glaube ich nicht.“
„Och, es gibt da so eine App!“, sagt Mausbär auffällig beiläufig. Rocky säufzt laut.
„Was für eine App?“, frage ich.
Sekunden des Schweigens vergehen.
„Eine Software für unseren online Handel mit Antiquitäten.“, erklärt Rocky.
Ich muss nachdenken. Der Möbelhandlung fängt gerade an lukrativ zu werden. Rocky und Mausbär beobachten Ebay und andere Auktionshäuser und warten auf unterbewertete Antiquitäten in schlechtem Zustand. Haben sie etwas gefunden, schlagen sie zu und lassen es zu einem uralten Schreiner bringen, der die Möbel dann restauriert. Die fertigen Möbel werden dann zu einem „offline“ Auktionshaus transportiert, wo sie dann für einen deutlich höheren Preis den Besitzer wechseln. Das alles funktioniert reibungslos, aber es läuft über mich, meinen PC und meinen Internetanschluß.
„Ihr wolltet euch mit dieser App also von mir unabhängig machen?“
Happy hoppelt wieder zurück zu Mausbär.
„Nun ja Papa, es ist ja eigentlich UNSER Business…“, sagt Mausbär.
„Ja, es iss so Papa…. bei Amazon kann man jetz` ja auch Lebensmittel bestellen, die dann nach Hause gebracht werden.“
Ich nicke. Bei Menschen sind es Sex, Frauen, schnelle Autos. Bei meiner Kuschelbande Honig, Bananas und Möhren.
„Und ihr wolltet dann über Amazon eure Vorräte aufstocken, so so so.“
„Du musst zugeben, daß das ein cooler Plan wist!“, frohlockt Mausbär begeistert.
Ich schüttele den Kopf. „Ein ganz bescheuerter Plan.“
Das emotionale Klima sinkt deutlich.
„Ist das ein iPhone 4?“, frage ich.
Mausbär dreht den Karton planlos in seinen Tatzen herum. Es dauert etwas länger als es dauern sollte, dann nickt der Bär „Yupp! Eines von den ganz Neuen!“
Ich muß lächeln.
„Was is Papa?“, fragt Rocky mißtrauisch.
Ich zucke mit den Schultern. „Mausbär wird nicht viel Freude damit haben…“
Rocky wechselt einen Blick mit Mausbär.
„Wieso nicht? Die Spanier hören es nicht ab!“, ereifert sich der kleine Bär.
„Es hat mit der Größe deiner Tatzen zu tun, Mausbär. Es gibt ein Problem mit der im Gehäuse installierten Antenne. Man darf die nicht mit der Hand, oder Tatze, abdecken. Sonst hat man nur ganz schlechten Empfang und eventuell gar keine Internetverbindung.“
Die drei Diebe wechseln schnelle Blicke miteinander.
„Stimmt das wirklich, Papa?“, fragt Mausbär ungläubig.
Ich nicke. „100%, euer kleiner Diebeszug war vollkommen unnötig. Und jetzt seht zu, daß das iPhone zurück zu Müllers kommt. Soll sich deren Enkelin damit rumärgern!“
Die drei rühren sich nicht von der Stelle.
„Und wasss dann? Kriegen wir dann keine Strafe?“, fragt Happy.
Ich lächele, diesesmal bin ich der Clevere. „So würde ich das nicht nennen. Es gibt einen Ausgleich, keine Strafe.“
„Wie solln der aussehn?“, fragt Rocky mit einem extremst mißtrauischen Unterton.
Ich zucke mit den Achseln. „5% mehr von Eurem Gewinn und ausserdem…“, ich mache eine theatralische Pause.
„Ja?!?“, Mausbär wird wieder aggressiv.
„Ja, und außerdem ist da ja noch meine Steuererklärung… Die werdet IHR für mich machen.“
„Papa, dasss isss ne Strafe und kein Ausgleich wie Du es nenns`“.
Ich zucke erneut mit den Schultern. „Los jetzt, sonst nehme ich den Wlan Router mit zur Arbeit. Dann ist Schluß mit Business.“

Und wieder bewahrheitet sich die Weisheit, daß es „Angebote“ gibt, die man besser nicht ablehnt…

Heute bin ich vollkommen schweißgebadet nach Hause gekommen. Heute waren wieder alle Kinder anwesend, im Gegensatz zu gestern.

Ich hatte ja noch meinen Auftritt als „Spezialist für Gaslecks“ bei den Müllers. Mit klopfendem Herzen habe ich mit todernster Stimme meinen Text heruntergebet und konnte auf diesem Weg ein überfressenes Höhlenäffchen und ein ebenso überfressenen Hypnotic Rabbit aus der Vorratskammer des Ehepaars retten.

Zum Ausleich saßen die Kinder auf dem Sofa und schauten Fernsehen. Irgendwie war die Stimmung aber nicht ganz so bombig. Im TV liefen Bilder von der Spaßveranstaltung der Bundesversammlung.

„Was ist los mit Euch Kinder?“

„Och die haben heute unsere Lieblingsdokusoap wegen dem Quatsch da unterbrochen!“

Ich nicke verständnisvoll, verabschiede mich dann aber schnurstracks zum Duschen ins Bad. Mausbär`s Probleme hätte ich gerne. Wobei ich auch neidisch bin. Ich würde mir auch gerne die Dokusoaps anschauen.

Als ich aus der Dusche komme, ist der Fernseher aus.

„Und, ist Wulff schon neuer Bundespräsident?“

Rocky gähnt betont theatralisch und fügt dann hinzu: „Noch nisst, es ist ein dritter Wahlgang fällig!“

Die Kinder hängen richtig auf dem Sofa ab. Irgendwas stimmt nicht.

„Was ist hier eigentlich los?“

„Die haben ein schlechtes Gewissen, Papa!“, sagt Teresa.

Ich nicke und füge hinzu, daß sie das auch haben sollten.

„Un`ausserdem is uns langweilig. Heute is`nix passiert ausser dieser blöden Wahl, bei der am Ende der Wulff gewinnt. Was soll das eigentlich?“

Ich zucke mit den Schultern. Teresa antwortet für mich. „Es muß doch in regelmäßigen Abständen Demokratie inszeniert werden. Das die Bevölkerung mal wieder komplett außen vor bleibt, wird durch das ganze Brimborium übertünscht.“

„Aber dieser andere Kandidat, dieser Gauck mit den STASI-Akten, der ist voll sympathisch. So ein richtiger Opi-Typ!“, sagt Mausbär.

„Oh ja, der könnte mir ssssöne Gesissssten vorlesen! Anstelle so doofer Reden.“, freut sich Happy.

Ich lächele in mich hinein. Damit hätte der Bundespräsident dann auch eine wirkliche Aufgabe. Er würde zur Unterhaltung dienen, aber irgendwie tun sie das ja alle.

„Abbber der iss viel zu alt. Ist doch ein rissstiger Knacker! Vielleicht brauchen wir dann bald wieda`n neuen?“

„Teresa räkelt sich entspannt auf dem Sofa und schnurrt.

„Weißt Du was gestern unser Fehler war, Papa?“, fragt Mausbär.

„Das ihr die Wohnung verlassen habt und euch als Leute vom Gaswerk ausgegeben habt?“, antworte ich.

Mausbär druckst herum, Rocky hilft. „Also Mausbär meint eher, warum die Operation fassst sief gegangen wär`.“

Ich ziehe eine Augenbraue hoch.

„Wir hatten einfach keine Wahl. Die Sachen waren so lecker. Wir MUSSTEN einfach essen. Und dann sind Happy und Rocky müde geworden und eingeschlafen.“

Teresa lächelt diebisch. „Genau das ist das Problem. Die Menschen in Deutschland haben niemals wirklich die Wahl. Und in Ermangelung echter Optionen, betäuben se sich mit allerhand Ablenkung. Essen, Fußball, Alkohol….“

Mir ist es heute zu heiß für solche Diskussionen. Ich gehe in die Küche und hole mir ein Bier aus dem Eisschrank. Als ich mir de Flasche aufmache, höre ich das die Erkennungsmelodie von Teresas Lieblingssender, WDR2.

„Papa, halt Dich fest! Wulff ist neuer Präsident, ist das nicht unglaublich spektakulär?“, meint Teresa knochentrocken.

Ich nicke. „Kinder, was haltet ihr davon, wenn wir später mit Mama grillen?“

Sofort ist die Stimmung um mehrere hundert Prozente gestiegen. Was soll man auch sonst an so einem langweilig heißen Tag tun?

„Papa, gibts eigentlich einen Bundes Grill-Minista?“, fragt Happy.

Ich schüttele den Kopf.

„Dasss verstehh iss nisst!“

Rockschüttelt den Kopf. „Deutsland is`zwar die reinste Bananenrepublik, also in esst jetz. Aber esss gibt keinen Banana-Minister. Und da wundern siss de Leute das hier nix mehr geht.“

Rocky hat recht. Es sollte den Bundes-Banana-Minister geben. Ich hätte da den perfekten Kandidaten im Auge. Das kleine Äffchen könnte mit diesem Amt mehr sinnvolle Arbeit leisten als jeder dieser Politikdarsteller. Ach nein, Christian Wulff wird natürlich großartige Leistungen vollbringen. Schließlich ist er der Bundespräsident der Bananen Republik Deutschland, BRD und wird diese gebührend im Ausland präsentieren.

Ich kam heute Abend von der Arbeit zurück und fand die Wohnung verwaist vor. Meine Kinder waren illegaler Weise auf Tour. Wahrscheinlich haben sie sich bei den Nachbarn eingeschlichen. Das ältere Ehepaar ist sehbehindert und Rocky und Mausbär haben eine Nummer drauf, in der sie sich als Entstör-Kräfte des örtlichen Gasversorgers ausgeben. Selbstverständlich ist diese Aktion GEGEN jede Absprache, aber in der Vorratskammer des Ehepaars (in dem es immer das Gasleck gibt, obwohl das Haus mit Öl beheizt wird) gibt es große Mengen an Honig, Bananen und Möhren.

Resigniert hänge ich meine Jacke an die Garderobe und höre ein Seufzen. So ganz alleine bin ich also doch nicht.

Ich schaue nochmal ins Wohnzimmer und registriere, daß das Radio leise vor sich hin dudelt. Dann sehe ich Teresa. Teresa liebt Radio und hat es sich auf dem Hocker bequem gemacht.

Teresas Kopf liegt auf ihren Pfoten und sie strahlt als sie mich im Türrechteck entdeckt.

„Ich dachte schon, Du hast nicht mehr an mich gedacht!“, sagt Teresa mit ihrer wohl akzentuierten Stimme. Teresa ist hübsch anzusehen. Wie fast immer trägt sie ihre Haare zu kleinen Zöpfen gebunden und hat ihr zauberhaftes, rotes Kleidchen an.

„Wie könnte ich das denn?“, sage ich und tätschele sanft ihren Kopf. Teresa schnurrt wohlig.

„Na vielleicht, weil Du so unterfordert bist?“, erklärt das Kätzchen.

Ich runzele die Stirn. Mein Tag war lang und ich fühle mich so gar nicht unterfordert.

„Wie kommst Du denn darauf?“, frage ich immer noch stirnrunzelnd.

„Das habe ich im Radio gehört. Da statistische Bundesamt sagt das.  Du bist also nicht unterfordert? Möchtest Du länger arbeiten?“

Ich schüttele energisch den Kopf. „Ich gehe 5 Tage die Woche mindestens acht Stunden am Tag arbeiten. Ich habe so gut wie nie Pause, meine Arbeit ist körperlich anstrengend und ich muss den ganzen Tag freundlich zu den Kunden sein, egal wie es mir geht. Trotzdem bekomme ich dafür nicht viel Geld, bin aber abends komplett fertig.“

Teresa wiegt den Kopf.

„Dann bist Du wahrscheinlich eine Nr.8…“, witzelt das Kätzchen.

„Ganz ernsthaft Teresa, ich kenne eigentlich Niemand, der darüber klagt, zuwenig zu tun zu haben. Ich kenne eine Person, die sich bei der Bundeswehr durch die Dienstzeit hindurch gelangweilt hat. Aber ansonsten sagen alle, daß sie eher zuviel Arbeit für zuwenig Geld haben.“

Teresa nickt schweigend, überlegt.

„Dann ist das wieder nur Suggestion!“, sagt Teresa leise.

Ich frage Teresa, was sie meint.

Teresa verzieht das Gesicht zu einer ambivalenten Mischung aus Lächeln und Härte.

„Die Menschen sollen damit beeinflusst werden. In den Köpfen der Menschen soll ein neuer Glaubenssatz installiert werden: Viele Menschen fühlen sich unterfordert, würden gerne mehr arbeiten. Wenn ich das nicht fühle, bin ich dann faul?“

Ich bin verblüfft und lasse mir das Gesagte nochmal durch den Kopf gehen.

„Die Leute sollen dahin manipuliert werden, daß sie aus Scham auch unentgeldlich Mehrarbeit leisten sollen. Sonst sind sie keine guten Mitglieder der Gesellschaft. Schließlich soll man ja froh sein, Arbeit zu haben.“

Ein Kloß bildet sich in meinem Hals. Auch schlucken hilft nicht.

„Hast Du schonmal darüber nachgedacht, was der Unterschied zwischen Sklaverei und der industrialisierten Welt ist?“

Da muss ich nachdenken.

„Nun ja, Sklaven haben keine Rechte, werden gezwungen zu tun, was ihre Herren wollen?“, vermute ich.

Teresa schüttelt langsam den Kopf.

„Sklaven wissen, daß sie unfrei sind. Deshalb revoltieren Sklaven irgendwann. Der Unterschied ist, daß den Arbeitnehmern Freiheit vorgegaukelt wird. Die Arbeitnehmer sind somit soetwas wie glückliche Sklaven. Marie von Ebner-Eschenbach hat das einmal sehr schön formuliert: „Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.“

„Aber Teresa! Ich bin doch kein Sklave!“, sage ich mit Nachdruck.

Teresa hebt die Pfoten und dreht die Pfoten nach oben.

„Des Menschen Wille ist sein Himelreich. Aber im Grunde weißt Du, daß das eine Lebenslüge ist, wenn Du sagst, daß Du frei bist.“, ergänzt Teresa.

„Sicher, ich muß arbeiten gehen, Miete zahlen, Steuern zahlen, aber …“. Teresa unterbricht mich.

„Letztendlich bist Du nur eine Arbeitsbiene, von deren Arbeit immer nur andere profitieren!“

Ich will etwas dazu sagen, komme aber nicht dazu. Etwas zupft an meinem rechten Hosenbein. Ich schaue runter.

„Habe ich da Bienen gehört? Wo gibts Honig?“, kreischt Mausbär los.

Ich presse die Lippen zu einem Strich zusammen. „Ah, ein Mitglied des Entstörteams vom Gaswerk, vermute ich?“

„öhm … nein, Papa, also…“. Mausbär stottert und trippelt nevös von einem Fuß auf den Anderen.

„Also ja. Wo sind die anderen zwei Entstörer?“

Mausbär schaut mich an und schweigt.

„Ich höre?“

„Nun ja, Papa…. Die Beiden sind noch … bei der Arbeit, sozusagen.“

„Sie sind noch bei den Müllers!?“ Mein Herz beginnt zu rasen.

„Deshalb bin ich ja hier … Rocky und Happy sind beim Schnösen wohl eingeschlafen. Ich bekomme sie nicht wach. Da hab`ich zu den Müllers gesagt, ich hole meinen Meister aus der Zentrale ab, der sich dann um das Leck kümmert……“

Ja, scheinbar bin ich wirklich unterfordert. Jetzt habe ich einen Nebenjob als Gas-Leck-Spezialist beim örtlichen Energieversorger. Tolle Wolle….

Der ANTI-Engels

Juni 29, 2010

Es gibt Dinge, die sind selten. Also wirklich selten. Wie z.B. ein kotzendes Pferd an einem Ostern, daß auf den 24.12. fällt. Oder aber, daß Happy sauer ist. Richtig sauer. Rasend vor Wut, geifernd.

Happy sitzt auf dem Sideboard und starrt auf den Fernseher. Der Hypnotic Rabbit zittert am ganzen Leib, Speichelfäden haben sich an ihren Mundwinkeln gebildet. Sogar soetwas wie ein leises Knurren ist zu hören.

„Was ist los, Happy?“, frage ich.

„Diesa Misstkerl!“, sagt Happy und die faszinierende Ähnlichkeit zwischen ihrem und Rockys Akzent fällt mir wieder einmal auf. Dem muß ich auch einmal auf den Grund gehen.

„Wen meinst Du denn?“

Happy dreht sich zu mir. „Den, der mir meine Mörsschen wegnehmen will!“ Wenn es um ihre Möhren geht, versteht mein Kaninchen keinen Spaß. Ich weiß aber immer noch nicht, wen Happy meint, was ich ihr dann auch sage.

„Sie meint den Anti-Engels!“, sagt Mausbär.

Ich schüttele den Kopf.

„Den Typ vom Bundess`rssnungshof, der heiss auch Engels!“

So langsam dämmert es mir. Mein Hypnotic Rabbit meint Dieter Engels, den Präsidenten des Bundesrechnungshofes. Ich hatte heute eine Meldung im Radio gehört, daß Engels empfohlen hat, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz abzuschaffen.

„Du meinst das Du dann weniger Möhren bekommst, wenn wir mehr Steuern darauf bezahlen müssen?“

Happy nickt.

„Und weniger Honig“, sagt Mausbär.

„Un` weniger Bananas!“, sagt Rocky.

So ganz unrecht haben die Kinder nicht. Es ist schon ein Unterschied, ob man nun 7% oder 19% zahlen muß.

Rocky beugt sich aus seinem Ministrandkorb heraus. „Wenn man ssso viel Geld wie Engelsss verdient, isst einem egal wasss die Bananas kosssten!“

„Verdient der denn wirklich so viel?“

Happy macht einen Buckel und ihr Fell sträubt sich leicht dabei. „Er hat Besssoldungsssstufe 11. Dasss is mehr als ein Admiral oder der Generalinsssspekteur der Bundesssswehr bekommt.“

Ich nicke. Das ist VIEL Geld.

„Papa, Du kennst doch Karl Marx und Friedrich Engels, oder?“,fragt Mausbär.

Ich nicke.

„Der Typ is`voll der Anti-Engelsss!“, sagt Rocky.

Ein Gespenst geht herum in Europa, denke ich.

„Das ist voll nicht fair, was der Engels da will. Im Grunde bestiehlt er damit alle die ehrlich arbeiten und mit einem normalen Einkommen auskommen müssen. Das ist schlimmer als die schlimmsten Piraten waren!“, sagt Mausbär.

„Diessse Politiker und Beamten sind doch alle gleisss. Nehmen von den normalen Leuten und stecken es in die Taschen der Reisssen. Genau wie auf dem Gipfel wo Merkel war. G zwansisch oder wie der heißt. Banken dürfen machen wass sie wollen.“ Sagt Happy

Ich nicke.

„Die Reissen und die Banken sind eben ssslauer!“, meint Rocky nachdenklich.

„Ja Papa. In Deutschland sind immer die Leute die Blöden, die normal arbeiten gehen. So wie Du!“ Auch Mausbär ist sauer.

„Du gesst den gansssen Tag arbeiten, wir sind alleine und am Ende kannst Du dir nur noch wenig Mörssen, Honisss oder Bananasss leisten. Und die anderen machen sissss an dir die Tassen voll. Dein Seff, die Politiker und die Indussstrie.“

Ich schlucke. Meine Kinder haben da etwas angesprochen, was mir schon länger durch den Kopf ging.

„Aber Papa, mach Dir keine Sorgen. Wenn`s so weitergeht, kannst Du bald ganns zuhause bleiben! Dann muss du deine Zeit wenigstens niss mehr mit Maloche vergeuden!“

Mausbär hüpft fröhlich auf dem Sessel herum. „DANN starten wir ganz groß mit unserer Tanz-Dich-Frei-Kursen durch!“

Ich muß lächeln. Mausbär hat schon recht, wer für Andere arbeitet – arbeitet für Andere. Nicht für sich selbst.

Was man immer ganz gerne vergisst, ist das es letztendlich immer um Geld geht. All das Gerede um Demokratie, Sozialstaat, Vaterland, Solidarität oder was auch immer sind doch nur hohle Worte.

„Hasssste wass, biste wass. Hassste nisst, biste nisst.“,sagt Rocky.

„Papa?“, fragt Mausbär.

Ick nicke ihm zu.

„Es ist natürlich auch reiner Zufall, daß diese Diskussion um die Steuer genau dann losgeht, wenn die Fußball Weltmeisterschaft läuft und die deutsche Manschaft ins Viertelfinale einzieht.“ Knurrt Mausbär

„Genau… Dann sinnd die ganzen Leute vom Fusssball hypnotisiert und merken gar niss, wie ihnen gessieht. Das könnte von mir sein“, sagt der Hypnotic Rabbit.

Lebemann-Style

Juni 24, 2010

Papa ist heute früh schlafen gegangen, hat aber den PC angelassen … Das war dumm, sehr dumm. Er denkt, daß ich mit meinen Tatzen nicht schreiben kann. Hi Hi Hi…. Kann ich wohl!
Hier wird ja immer so viel über mich geschrieben, da wollte ich auch selber mal was schreiben. Ich habe nämlich ein Anliegen.

Ich spreche EUCH jetzt ALLE an. ALLE MENSCHEN DA DRAUSSEN!

Also, ich bin ja der Mausbär. Ich bin also schonmal echt cool und lässig. Ich bin ein Lebemann. Und Ihr seid uncool, aber so richtig! Immer voll in Hektik, kein Geld usw. Das ist auch logisch, denn ihr seid nur Menschen, keine Bären. Aber Ihr könnt beruhigt sein, denn ich bin ja jetzt an der Tastatur und kann Eure Probleme lösen!

Also, Leser. Paß mal auf. Du brauchst einfach den Lebemann-Style. Du fragst Dich jetzt, was das ist und wie das geht. Ich erkläre es.

1.)Immer flockig und kuschelig sein
Du musst ein echt gutes Körpergefühl haben! Zu diesem Zweck habe ich das TanzDichFrei-Konzept entwickelt. Du musst auch gar nicht tanzen können. Wichtig ist, daß Du einfach so richtig aus Dir rausgehst. Die Teilnahme kostet pro Sitzung 5 Euros und kann über Papa gebucht werden. Ich spiele dabei die Trommel und tanze auch vor. Ganz frischen Neulingen biete ich auch das original Mausbär-Dance-Dance-Revolution Trainingsprogramm an. Pro Teilnahme wird ein Preis von *ähm* 5 Euros fällig. Außerdem kannst Du dich zum „Mausbär-Certified-Danc-Instructer“ von mir ausbilden lassen. Die Teilnahme kostet pro Stunde, moment …. ah ja, 5 Euros!

2.)Das passende Outfit
Wenn Du so richtig der Lebemann sein willst, gibt es nur eine Wahl: Das trendige Piratenoutfit! Bestehend aus: 1xrotes T-shirt(5 Euros), 1 x Augenklappe (5 Euros) und Piratentuch (5 Euros). Wenn es mal etwas anderes sein soll, müssen es Anzüge von Brioni sein (die kosten aber viele 5 Euros).

3.)Ernährung
Du isst vollkommen falsch. Um so ein richtiger Lebemann zu sein, musst Du Honig essen. Honig pur, Honig-Kekse…Honig Waffeln, Honig Suppe usw. usw. Es muß Honig sein. Dann hast Du genug Power um Lebemann sein zu können. (Einen Katalog gibt es für 5 Euros).

4.)Lebemann Job
Als Lebemann DARFST Du nicht mehr arbeiten. Kündige sofort Deinen Job und mache nichts mehr, was keinen Spaß macht. Das ist einach nicht mit dem Lebemann-Style vereinbar. Der optimale Job als Lebemann ist es, Mausbär zu sein. Papa schuftet den ganzen Tag und kommt kaum über die Runden das ist verkehrt.
Als Mausbär braucht man einfach Geld und Muße. Notfalls benutzt man einfach einen Farbkopierer um sein Geld zu kopieren. So hat man immer genug Geld und muß seine Zeit nicht mit langweiliger Arbeit vertrödeln.
Wenn man unbedingt arbeiten WILL, gehen eigentlich nur zwei Jobs: Eine Meister-Detektiv-Agentur und eine Backstube für Honigkekse. Alles andere ist UNSINN! Papa versteht das aber auch nicht. Arbeiten ist uncool!
Wie sonst sollte man gepflegt stundenlang abhängen, ohne sich zu bewegen? DAS ist ein wahrer Lebemann-Skill!

So jetzt habe ich Hunger, Du Verlierer! Wenn Du meine Hilfe brauchst, kontaktier mich einfach über Papa. Wenn ich antworten soll, kostet das aber 5 Euro!

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