Heute war ich seit langer Zeit nochmal bei meinem Hausarzt. Ja, richtig vermutet: ich bin kassenversichert und deshalb benötige ich einen Allgemeinmediziner.
Ich halte dies aber für eine sehr sinnvolle Einrichtung, durch die die PK`s wahrscheinlich auch sparen könnten.

Die Praxis war rappelvoll. Für jeden aufgerufenen Patienten betraten gleich zwei neue Patienten die Praxis. Das Warten auf einen Sitzplatz wurde auf diese Weise zu einem Kampf um einen Sitzplatz – denn wen interessiert schon die Reihenfolge?
Also stand ich im Flur und wurde von zwei besonders offensiv „pushenden“ Greisinnen übervorteilt. Ich amüsiere mich über solche Drängeleien, denn ich gewähre älteren Menschen ohnehin den Vorzug.
Besonders spaßig wurde es dann aber, als eine der Drängelerinnen zurück an den Empfang beordert wurde. Sie wollte sich die zweite Einheit einer Impfung abholen, hatte aber ihren Impfausweis nicht dabei. Das ist dann wohl Pech.
Sie ging zurück ins Wartezimmer, zog sich an und platzierte dann ihre Tasche auf ihrem ehemaligen Platz. Dort blieb die Tasche dann auch zehn Minuten, während sich die Dame mit einer anderen Altersgenossin unterhielt. Ich stand in unmittelbarer Nähe und fragte mich, wieso der Sitzplatz vorher eigentlich so wichtig gewesen war, wenn sie doch jetzt auch problemfrei 10 Minuten stehen konnte. Manche Menschen sind eben allein auf dieser Welt, wie auch diese Muschi.

Irgendwann durfte ich mich dann auch auf einen freigewordenen Platz setzen und harrte der Dinge, die da kamen.
Zuerst hörte ich das Schnaufen. Rhytmisches „ahmmmm“. Immer und immer wieder.
Es stammte von einer Greisin links von mir, die damit offenkundig ihren Unmut wegen der Wartezeit äußer wollte und auf möglichen Zuspruch gierte. Es reagierte aber niemand.
Mit der Zeit setzte die Seniorin dann auch ihre Schuhe ein und erzeugte durchaus laute Klopfgeräusche – es reagierte immer noch niemand.
Dann kam der Stock hinzu, der arhythmisch in das Klopfen der Füße einstimmte und durch das genervte Seufzen ergänzt wurde.
Die letzte Eskalationsstufe bildeten spontan eingeworfene Worte: „Heiliger Strohsack!“, oder „Wie lange dauert das noch?“ dazwischen: „Ahhhhhms“ und „Mhhhhh“.
Ich stellte mir vor, wie es wohl wäre, der Frau mitten ins Gesicht zu treten. Kann man Menschen eigentlich das Gesicht wegtreten? Da ich aber zivilisiert bin, entschied ich mich für das gezielte Ignorieren der Pöblerin.

Unten wurde geklingelt und fast umgehend wurde der Türdrücker von einer der Sprechstundenhelefrinnen betätigt. Einige Minuten später öffnete sich die Praxistür und eine Rettungswagenbesatzung in voller Montur betrat die Praxis – Notfall. Ich war beeindruckt von der Professionalität der Praxisangestellten, denn von einem Notfall hatte ich nichts mitbekommen.

Wieder klingelete es und eine Frau betrat die Praxis, ging aber deutlich zielstrebiger am Wartezimmer vorbei, als der typische, mitleidsheischende Patient.

„Ist der Rettungswagen bei Ihnen?“, fragte die Frau mit vorwurfsvollen Ton. Die Angestellte bejahte und dann ging es richtig los. „Der Rettungswagen blockiert die Ausfahrt. Es ist mir egal, ob es sich um einen Notfall handelt – andere müssen schließ´lich auch ihr Leben führen!“, ätzte die Frau weiter.

Ich überlegte mir, ob ich ausrasten sollte. Dann musste ich aber nur laut lachen. Mein Lachen drang aus dem Wartezimm er heraus und stachelte die Fotze nur weiter an. Ich überlegte, was ich ihr mit einem Hammer für Leiden zufügen konnte.
Dann erschien der Fahrer des Rettungswagens und verließ die Praxis um den Rettungswagen umzusetzen. Zeitgleich erschein dann auch ein Notarzt in den Praxisräumen – es handelte sich also wirklich um einen Notfall.

Menschen sind Arschlöcher – immer und überall.

Ich wünschte der Fotze, daß sie auf dem Nachhauseweg einen Autounfall hat und sich in einem Graben überschlägt. Während sie dann auf dem Dach ihres Wagens liegend, mit gebrochenem Kiefer auf den Rettungswagen wartete, würde sie wahrscheinlich eine andere Einstellung zu diesem Thema gewinnen.

Unbestimmte Zeit später kam ich dann an die Reihe und betrat das Sprechzimmer des Arztes.

Stefan Hensch

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