Yad Vashem, Auschwitz und Co. – muss man als Deutscher „ewig“ demütig sein?

Juni 2, 2012

Heute prankte auf der Titelseite einer großen deutschen Tageszeitung ein Foto. Auf dem Foto war zu sehen, wie einige Spieler der deutschen Fussballnationalmannschaft mit gesenkten Köpfen in der KZ Gedenkstätte Auschwitz standen.

Bei seinem Israel-Besuch besuchte Bundespräsident Gauck Yad Vashem und trug sich mit ergreifenden Worten in das Gästebuch ein.

Ich möchte hiermit, ganz öffentlich fragen: MUSS man das eigentlich im Jahr 2012 immer noch? MUSS man das als Fussballspieler mit Geburtsdatum in den 1980iger Jahren immer noch?

Meine Antwort lautete: Nein, aber man kann natürlich! Kein Mensch ist gleich und sicher gibt es Menschen, die authentische Trauer und authentische Demut gegenüber dem Unrecht der Vergangenheit empfinden.

Nur gerade im politischen Sektor halte ich die gängige Praxis „Deutscher Politiker besucht Israel und natürlich auch Yad Vashem“ für bedenklich – denn ist dies die Art wie man mit Freunden umgeht? Wie soll man auf dieser Basis jemals auf Augenhöhe miteinander umgehen?

Das „Deutsche Reich“ existiert lange nicht mehr. Viele Verantwortliche wurden bestraft, das „neue“ Deutschland hat sehr viel Gutes in der Welt getan (und soll dies auch weiterhin tun!).

Entgegen aller Hollywoodmärchen gibt es aber auch Deutsche, deren Verwandschaft NICHT in der SS waren, oder als Fun ktionäre der NSDAP ihre irren Phantasien ausleben durften – dazu zähle ich mich.
Ich wurde 1978 geboren – also 33 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Ich habe und werde keine KZ Gedenkstätte besucht – weil ich keine Demut empfinde.

Dennoch billige ich die Greueltaten des 2. Weltkrieges in keiner Weise – aber ich billige generell keine Gewalttaten und Diskriminierungen.

Deshalb halte ich künstlich zur Schau gestellte Betroffenheit und Demut für fehlplaziert. Einzelpersonen können selbstverständlich ihren Emotionen freien Lauf lassen. Funktionsträger sollten genau dies aber auch kennzeichnen: Wenn Joachim Gauck Yad Vashem besucht, dann soll er dies bitte tun – aber nicht als Bundespräsident.
Ebenso können gerne Lukas Podolski, Oliver Bierhoff usw. ihre Freizeit gestalten, wie sie möchten – als Mitglied der Deutschen Nationalelf sollten sie aber nicht nach Auschwitz kommen – sondern als Privatleute.

Stefan Hensch

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