Böses, „Undankbares“ Pakistan!

Dezember 3, 2011

Pakistan ist wieder sehr in den Focus der Medienmachine geraten. Über den Angriff der NATO auf einen pakistanischen Grenzposten wurde hingegen auffallend wenig berichtet.
Heute ereiferte sich dann die BILD und meldete „So macht Pakistan Jagd auf deutsche Soldaten“. Auf die Spitze bringt es dann Julian Reichelt der dazu einen Kommentar mit dem Titel „Undankbares Pakistan“ verfasst hat.
In dem Kommentar erklärt Reichelt, daß Pakistan (nach NATO-Berichten, also eben nach Aussagen eben jener Organisation, die Pakistan vor kurzem ohne Legitimation angegriffen hat) durch seinen Geheimdiest ISI „Terroristen“ finanziert, bewaffnet und auch ausbildet und in Afghanistan einsetzt.
Reichelt erklärt zu Beginn seines Kommentars, daß diese Maßnahmen dann wohl der Dank für die 200 Millionen Euro seien, die deutsche Spender 2010 für die Flutkatastrophe aufgebracht haben.

Das bitte ganz kurz sacken lassen.

Dieser Kommentar ist wohl an Menschenverachtung kaum noch zu überbieten. Warum haben Menschen 2010 Geld gespendet? Um anderen Menschen in einem absoluten Katastrophenfall beizustehen. Das ist der Sinn von Spenden.
Ich bin sicher, daß die Menschen ihren Spendern dankbar sind – aber was, lieber Herr Reichelt, haben die Notleidenden von damals mit dem Operationen des Geheimdienstes heute zu tun?
Hätte man also besser nicht helfen sollen, wenn man gewusst hätte … das Pakistan so „undankbar“ sein würde?

Was Herr Reichelt ebenfalls vollkommen verschweigt, ist die Grauzone des ganzen Konflikts. Die USA führten einen Angriffskrieg gegen Afghanistan – im Namen des „Kampfes gegen den Terror“.
Im Namen des Kampfes wurde dann vor allem eine Pipeline zum Kaspischen Meer fertiggestellt. Die BILD vertritt natürlich die Meinung, daß die Operation in Afghanistan rein edlen Motiven dient.

Was aber Fakt ist, ist das sich in Afghanistan Söldner unterschiedlichster (weit entfernter Nationen) tummeln. Auch die Bundeswehr gehört dazu, ob uns das passt oder nicht.
Pakistan ist ein direktes Nachbarland und muss seine (vorhandenen) Ansprüche in der Region schützen. Jedem bleibt dabei selbst überlassen, wie er den Begriff Terrorist definiert. Ein Terrorrist ist für mich aber niemand, der gegen hochtechnisierte Armeen in einem Land eingesetzt wird, daß sich im Kriegszustand befindet.

2014 werden die letzten amerikanischen Soldaten Afghanistan verlassen. Spätestens dann werden auch die letzten deutschen Soldaten zurückkehren.

Das dieser Einsatz bisher ca. 50 Deutschen das Leben gekostet hat, geht dabei auf die Kosten der deutschen Regierung, die diese Männer und Frauen als Helfershelfer seiner „amerikanischen Freunde“ abkommandiert hat. Und, was man auch nicht vergessen sollte: Niemand der Gefallenen wurde in den Dienst der Bundeswehr gezwungen, alle waren als Freiwillige dort – anders als die getöteten Afghanen.

Wann es einen konkreten Truppenabzug geben wird, steht noch in den Sternen. Frühestens dann, wenn die USA ein Regime installieren konnten, welches ihre wertvolle Pipeline in Zukunft weiterhin sichert und damit den Durst nach Öl stillt.

Quelle: Bild v. 03.12.2011

Stefan Hensch

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