Die neue Art der Kriegsführung

Oktober 28, 2011

In Libyen hat die NATO erfolgreich ihre neue Kriegsführung ausprobiert. Früher wurden Kriege mit dem Einsatz großer Heere geführt – früher.
Spätestens seit dem Vietnamkrieg ist diese Art der Kriegsführung sehr unpopulär geworden – Blechsärge voller junger Soldaten sind nicht sonderlich populär, besonders wenn man sich zur nächsten Wahl rüstet.
In Libyen hat die NATO sich für eine andere Strategie entschieden. Anstelle das Geld für das eigene Militär auszugeben, hat man Geld nach Libyen fließen lassen und hat damit die Opposition gegen Muhammar Gaddafi gestärkt.
Als diese Opposition (in anderen Teilen der Welt würde man sie eher „Terroristen“ nennen) dann immer offener das Regime ärgerte und dieses dann reagierte, nutzte die NATO ihre dominate Luftüberlegenheit und bombte das alte Regime in Schutt und Asche – alles freilich im Dienst der Humanität und zum Schutze der Zivilbevölkerung.
Um die Zivilbevölkerung weiter zu schützen, belieferte man diese dann auch mit Waffen und rüstete sie auf. Ergänzend erhielten die „Rebellen“ dann auch hilfreiche Informationen von der NATO. Diese Informationen und die Luftschläge führten dann auch zur Lynchung des ehemaligen Machthabers.

Eine raffinierte Strategie der NATO. Interessant wäre es, wenn man erfahren könnte, WARUM Gaddafi unbedingt entsorgt werden musste – er ist schließlich nicht über Nacht zum Diktator geworden sondern regierte sein Land Jahrzehnte auf exakt die gleiche Art und Weise.

Offiziell beendet die NATO nun ihren Einsatz in Libyen und hinterlässt ein Machtvakuum. Ähnlich wie in Tunesien kristallisieren sich auch in Libyen bereits die ersten islamisch-fundamentalistischen Züge.

Mit diesem Angriffskrieg setzte die NATO ein Konzept des US-Militärs aus den späten 90iger Jahren um, wobei Schwachstellen ausgemerzt wurden.
Dieses Konzept wurde eigens für den Irak Krieg erdacht, dort aber nicht eingesetzt.
Die Ausgangslage für dieses Konzept bildet die oben bereits beschriebene „Bleisarg-Problematik“ – Tote sind nie gute Schlagzeilen…jedenfalls meistens.

Das US-Militär wollte gezielt verurteilte Straftäter und Gangmitglieder rekrutieren, diese mit idiotensicheren Waffen ausrüsten (Uzis, Pumpguns) und als „destabilisierende Faktoren“ vollkommen planlos im brutalen Häuserkampf einsetzen.
In diesem Modell hätte es zwar auch zurückkehrende Bleisärge gegeben, aber in diesen Särgen hätten eben Straftäter gelegen – was in den Augen der Öffentlichkeit immer noch tragisch, aber nicht so tragisch wie tote „unbescholtene“ „Jungs-von-nebenan“ wäre.

Die NATO hat sich also einfach gewaltbereite Individuen ausgesucht und diese mit Kapital, Ausrüstung und Informationen ausgestattet. Irgendwie drängt sich mir da der Begriff des „Weltraumaffen“ auf – die „Rebellen“ mussten nur noch Anweisungen befolgen und wurden zum Sieg geführt. Was die Rebellen nicht schafften, schafften NATO Bomber oder Drohnen. Es gab keine, oder kaum Tote auf Seiten der NATO und das Regime wurde beseitigt.

Im übertragenen Sinne könnte man nun also sagen, daß die NATO in Libyen zum ersten Mal „Drohnen 2.0“ eingesetzt hat – die Rebellen. Im Gegensatz zu den unbemannten Drohnen des Typs „Predadtor“ waren diese Drohnen geradezu spottbillig…

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