Lampedusa – der Ort, an dem Europa endgültig scheitert? feat: Teresa

April 12, 2011

Teresa, das kultivierte Kätzchen im feinen Kleidchen. Niveauvoll, aber sphinxisch…

Lampedusa – eine Insel zwischen Tunesien und Sizilien. Eigentlich ein schöner Ort.
Durch den Bürgekrieg in Libyen ist Staatschef Gaddafi aber nicht mehr in der Lage, den Flüchtlingsstrom aus Nordafrika zu unterbinden.
Die italienische Regierung möchte nun 23000 vorübergehende Aufenthaltsgenehmigungen ausstellen und auf diese Weise den „schwarzen Peter“ an die anderen EU Mitgliedsstaaten weitergeben, damit die Flüchtlinge sich möglichst in Richtung anderer Länder bewegen. Diese Idee stieß in den anderen Mitgliedsstaaten auf großen Protest. Darüber war eine italienische Politikerin so erbost, dass sie sogar mit dem EU Austritt Italiens drohte.

Ich höre wie Teresa langsam durch den Flur stolziert kommt.
Das kultivierte Kätzchen erscheint im Wohnzimmer und springt zu mir auf das Sofa.
„Papa, was denkst du eigentlich über die Lage in Lampedusa?“, fragt das Kätzchen leise und schaut mich mit seinen großen Augen an.
Ich überlege kurz.
„Italien gehört zur EU und ist die erste Anlaufstelle für den Flüchtlingsstrom aus Nordafrika – deshalb ist es ein EU Problem, kein isoliertes italienisches Problem.“
Teresa nickt und legt ihr Köpfchen ab.
„Problem, sagst Du?“, fragt Teresa leise.
Ich nicke.
„Nun, es gibt ja immer Problemlösungen. Mann könnte ja Seeminen vor Lampedusa einsetzen. Das wäre sogar recht preisgünstig!“, schnurrt Teresa.
Ich starre das Kätzchen an und bin sprachlos.
„Aber das sind doch Menschen, Teresa! Die kannst du doch nicht einfach in ein Minenfeld schicken!“, sage ich empört.
„Genau, Papa. Es sind Menschen. Du aber sprichst selber von einem Problem, das man lösen soll. Da fallen mir gleich Begriffe wie z.B. Endlösung ein.“
Ich merke, wie ich sauer werde. So hatte ich das gar nicht gemeint. Das sage ich Teresa dann auch.
Teresa legt den Kopf schief und denkt nach.
„Auch wenn du es nicht so gemeint hast, es wird praktisch genau so umgesetzt. Und auch du, lieber Papa, kannst niemals sagen: „Davon habe ich nichts gewusst.““, sagt das Kätzchen.
Ich bin verwirrt, verstehe nicht was das Kätzchen sagen will.
„Gut. Du willst es also hören, Papa. Was weisst du über Afrika?“, fragt Teresa.
Ich überlege kurz. „Es soll ein sehr schöner Kontinent sein. Aber es gibt dort große Probleme. Hunger, AIDS, Krieg, Blutdiamanten, Massenmorde.“
Teresa putzt sich ausgiebig.
„Genau das meine ich. Insgeheim hofft die westliche Welt darauf, dass sich das Problem von selbst löst.“
Das will und kann ich so nicht stehen lassen, zähle all die Hilfsorganisationen, die Entwicklungshilfe und die zahllosen Spendenkampanen auf.
Teresa schaut scheinbar durch mich hindurch.
„Das ist ein wenig wie mit den Ablassbriefen, findest Du nicht? Gutes Gewissen für einen kleinen Preis, denn man tut ja etwas. Aber – was hat das Alles genutzt?“
Ich schaue das Kätzchen an, weiß aber keine Antwort.
„Das was gerade in der EU passiert, ist wie Afrika im Kleinen. Es ist in den Augen eurer Politiker ein italienisches Problem, genauso wie gewisse andere Probleme afrikanische Probleme sind. Ganz auf das Wesentliche reduziert: Egoismus und Ignoranz. Denn eigentlich gibt es nur globale Probleme!“
„Aber was sollen wir den tun?“, frage ich scharf.
Teresa deutet mit dem Kopf auf den Fernseher. „Genau das, was die Menschen gerade wegen der Atomkraft tun. Sie machen die Sache zu einem Thema, an dem die Politik nicht vorbeisehen kann. Aber dazu musst du es wollen, denn du musst es dann auch bezahlen!“, sagt Teresa.
Ich verziehe das Gesicht. Wenn das alles mal so einfach wäre.
„Aber, es gibt ein Geheimnis!“, sagt Teresa.
Ich schaue das Kätzchen erwartungsvoll an.
„Du wirst sowieso dafür bezahlen. Die Frage ist nur – wann und wofür. Entweder du zahlst für eine Rettung Afrikas, oder du zahlst für eine Rettung Europas.“, sagt Teresa.
Eine Pause entsteht.
„Aber vielleicht ist es für beides schon jetzt zu spät…“, flüstert Teresa und schaut mich abwartend an.

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2 Antworten to “Lampedusa – der Ort, an dem Europa endgültig scheitert? feat: Teresa”

  1. Mel Möhring said

    Lieber Stefan,vielen Dank für diesen Post. Und Teresa sollte vielleicht mal bei der UNO sprechen!Nein, nicht vielleicht, auf jeden Fall, aber vermutlich ist das zwcklos, mir fällt nur nicht ein, wie man sonst ihre Worte an die richtigen Ohren senden könnte.
    Ich werde dies mal twittwrn u auf facebook teilen.
    Gruss, evilmel_

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