Von Flugverbotszonen, fliegenden Panzern und Öl

März 20, 2011

Libyen brennt. Es kam zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Aufständischen und den Regierungstruppen. In den westlichen Medien war die Lage relativ schnell klar: „Gaddafi schlachtet die eigene Bevölkerung ab“. Woher die Abgeschlachteten ihre Waffen bekamen, bzw. wer sie unterstütze blieb unklar.
Es verstrich wichtige Zeit, die der Machthaber dazu nutzte um die Lage wieder zu kontrollieren. Am Ende der letzten Woche entschied sich der „UN-Sicherheitsrat“ zu einer Resolution. Inhalt der Resolution war die EInrichtung einer „Flugverbotszone“ und alle „dafür nötigen“ Luftschläge – vor allem die Zerstörung der vorhandenen Flugabwehrstellungen.
Heute stellte sich heraus, wie kreativ diese Resolution interpretiert werden kann.

„Ey Papa! Sag mal – können Panzer fliegen?“, Mausbär schaut mich interessiert an.
Ich schüttele den Kopf. Von fliegenden Panzern habe ich bisher noch nichts gehört. Das sage ich Mausi auch.
Mausi schüttelt den Kopf. „Aber wieso greifen die dann Panzer und Lastwagen an?“
Jetzt fällt der Groschen bei mir. Mausi meint den Angriff der Amerikaner/Franzosen/Briten 50km von Bengasi entfernt.
„Naja, vielleicht waren ja auch ein paar mobile Flugabwehreinheiten der Grund für diesen Luftschlag….“, orakelt Teresa.
Ich schaue das kultivierte Kätzchen an. Die personifizierte Sphinx lächelt mich an.
„Naja, also isss – isss find`das ja konsssequent. Jedesss Kind braucht nen Namen. Diessses hier heissst eben „No-fly-Zone“. Woandersss hiesss das Etikett auch mal „Massssssenvernissstungsswaffen“ oder „Bin Laden“. Hat ja auch funktioniert – westlissse Firmen kontrollieren jetz die Erdölgessäfffte im Irak und durch Afghanissstan konnte eine Pipeline gebaut werden, die bisss zum kassspissen Meer führen tut.“
Happy hoppel mich von der Seite an und säuselt: „Aber dass ist keine guute PR Kampagne. Iss hätte das besser inssszeniert!“
Mausbär macht eine wegwerfende Handbewegung: „Aber es reicht ja auch so – wir schicken einfach ein paar Flugzeuträger, bomben Gaddafi zurück nach Tripolis und das alles für die Demokratie und die Menschenrechte!“
Teresa schnurrt: „Und ganz nebenbei verhilft man den Rebellen zum Sieg um sich so den Zugriff auf das libyische Öl zu sichern.“
Ich muss lächeln. Meine Kinder sind scheinbar zuviel im Internet unterwegs. Soetwas würden demokartische Staaten wie Frankreich, die USA oder Großbritannien doch niemals tun!
„Und was ist mit der eingemauerten Bevölkerung?“, frage ich süffisant.
Teresa schaut mich einen Moment durchdringend an und sagt dann: „Erinnerst Du dich noch an die Anschuldigungen gegen Saddam Hussein, daß seine Soldaten Neugeborene getötet haben sollen?“
Ich überlege. Stimmt, da war etwas. Ich erinnere mich an eine aufgelöste Krankenschwester.
„Die Zeugin für dieses Vorgehen, eine angebliche Krankenschwester, entpuppte sich später als Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA…“.
Ich zucke mit den Schultern. „Aber das war doch unter Bush. Barrack Obama ist doch ein ganz feiner Kerl und würde soetwas niemals zulassen!“, sage ich entrüstet.
Mausbär schaltet den Fernseher auf Nickelodeon. Es läuft „Bob, der Baumeister“. Gerade fragt Bob seine Kollegen, ob sie ihren Auftrag schaffen. Dann antworten alle im Chor: „Yo, wir schaffen das!

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