Wikileaks? Oder: WikiBÄR?

Januar 18, 2011

Wikileaks, das Skandalportal im Internet. Zuerst Berichte über „seltsames“ Verhalten von amerikanischen Militäreinheiten im Einsatz, dann geheime Dokumente über ausländische Politiker. Morgen eventuell Daten von „Steuersündern“, die ihr Geld in der Schweiz in Sicherheit gebracht haben. Wikileaks, „Robin Hood des Web2.0 oder eher STASI reloaded?

Rocky ist fieberhaft bei der Arbeit. Nimmt Überweisungen vor, führt Telefongespräche mit mir unbekannten Bankberatern. Nach kurzer Zeit ist mir klar, was hier vor sich geht.
Das Höhlenäffchen versucht sein Geld in Sicherheit zu bringen.
Rückblickend begann alles letzte Nacht. In den Spätnachrichten kam die Meldung, daß Wikileaks einen neuen Coup plant: Die Veröffentlichung von Steuersünder Daten. Seitdem ist Rocky pausenlos im Einsatz.
Teresa beobachtet gelassen das hektische Treiben des kleinen Höhlenäffchens. „Papa, daß musste ja mal schiefgehen!“, sagt das kultivierte Kätzchen, was ihr einen strafenden Blick von Rocky einbringt.
Mich lässt die Sache eher gelassen. Ich habe kein Geld, daß ich irgendwohin hätte verschieben können.
Mausbär sitzt auf seinem Stuhl und chillt.
Der Blick seinr großen, braunen Augen ruht auf mir.
„Papa, Du bist echt lässig! Hätte ich gar nicht gedacht!“, sagt Mausbär anerkennend.
Ich runzele die Stirn und frage den Bär, was er meint.
„Na, auf wessen Namen laufen wohl die Konten auf denen Rockies Geld ist?“, fragt der Bär mich.
Ich zucke mit den Schultern. „Woher soll ich das wissen? Wahrscheinlich auf Rocky`s?“
Das Höhlenäffchen hält plötzlich inne und schaut mich zweifelnd an. „Papa – isss bin ein Kussseltia und tu keinen Personalausweissss haben. Im Gegensssatssss sssu Dir!“

Ich schlucke. Wie bei Tetris setzt sich jetzt Stein für Stein zu einem sehr komplexen Quader zusammen. Mein verlorener Personalausweis, die unkenntlich verschmierten Notizzettel …. Das waren Vorlagen um meine Unterschrift zu fälschen!
Plötzlich zieht sich ein unsichtbarer Gürtel um meine Brust zusammen.
„Du meinst, du hast alles auf mich laufen?“, frage ich Rocky.
Das Höhlenäffchen nickt.
Ich jappse nach Luft. Das Höhlenäffchen hat mich als Strohmann für windige Finanzgeschäfte benutzt. Für die ich niemals auch nur einen einzigen Cent dafür gesehen habe. Das Geld war ja laut Rockys Aussage ja immer „fest“ angelegt.
„Tja, Papa. Sieht gar nicht gut aus, nicht wahr?“, sagt Teresa. Ich versuche einen Unterton in der Stimme des Kätzchens herauszuhören, was mir aber nicht gelingt.
„Diese Wikkkiliiiks, issss find die doof!“, sagt Happy und lächelt mich an.
„Och, das sind coole Revoluzzer!“, meint Mausbär.
„Naja, ich bin mir gar nicht mal so sicher WAS die sind.“, schnurrt Teresa und beobachtet mich.
„Naja, dieser Julian Assange könnte bald da sein, wo Papa auch bald ist.“, kichert Mausbär.
Ich funkele den Bären an.
„Hey – bleib cool, Papa. Wenigstens … arbeiten musst du im Gefängnis nicht!“, versucht Mausbär die Situation zu retten, was ihm aber nicht so ganz gelingen will.
„Papa musss nirgendwo hin gehen tun! Ihr tut vergessen, dassss isss `n Höhlenäffschen bin!“, sagt Rocky und arbeitet wieder wie besessen.
Ich starre auf das Höhlenäffchen.
„Papier ist geduldig, Papa. Digitales Papier ist noch geduldiger. Dein Adoptivsohn scheint gerade die Dienste von einem Hacker in Anspruch genommen zu haben.“, schnurrt Teresa.
„Und der war esssst teua! Aber was tut man nissst alles für seine Eltern! Papa, dein Name tut in keiner offisssssielen Liste mehr auftauchen tun.“
Ich lasse mich auf das Sofa fallen. Im Geiste sah ich mich schon im Knast. Im Knast für etwas, was ich nicht getan hatte. Wie das A-team.
„Isss finde aber nissst, dassss Wikileakssss toll isss.“, schimpft Rocky.
Teresa nickt. „Wir wissen einfach zuwenig. Vielleicht geht es Julian Assage wirklich um freie Presse. Vielleicht ist er aber auch nur ein handelsüblicher Epresser. Ich weiß jedenfalls nicht, was die Veröffentlichung von Steuersünderdaten mit Freiheit zu tun hat.“
Mausbär wackelt mit seinen Beinen. Kein gutes Zeichen.
„Also im Grunde handelt Wikileaks mit Infomationen,oder?“, fragt Mausbär plakativ unschuldig.
Ich nicke.
„Eigentlich voll lässig.“, sagt Mausbär.
Dann entsteht eine seltsame, fast bedrohliche Pause.
„Wenn Mama erfährt, daß du gestern wieder ein Buch bei Amazon bestellt hast – das wäre nicht so günstig,oder?“, fährt Mausbär weiter unschuldig fort.
Mein Blick fällt auf das volle Buchregal neben Mausbär. Ich stelle mir das Gesicht meiner Frau vor. Ich habe Buchkaufverbot.
„Akazien oder Lindenblüten?“, frage ich den Bär.
„Bring einfach beide Gläser mit!“, antwortet Mausbär.
Ich gehe in die Küche und hole die beiden Gläser mit Honig.

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