DSDSL: Deutschland sucht den super Lebemann!

Dezember 21, 2010

DSDS, X-Factor, Supertalent, Popstars … Castingshows quer durch die deutsche (privat) Fernsehwelt. Sendungen, in denen quasi Normalos vor den Augen von echten Normalos zu „Stars“ verwandelt werden. Unterhaltungswert? In der Zielgruppe anscheinend ohne Gleichen. Markwert für Werbeblöcke etc.? Anscheinend ebenso ohne Gleichen. Hinzu kommen Einnahmen aus den Telefonvotings und Sendungen auf den Tochterkanälen usw. usw. Das angewandte Minimalprinzip: Minimale Kosten, maximaler Gewinn.

„Papa … uncooooool!“, ruft Mausbär.
Ich schaue von meinem Buch auf und weiß gar nicht so recht, was Mausbär eigentlich will. Hat er etwas gegen das Lesen?
Der Blick des Jungen ist starr auf den Fernseher gerichtet. Dort doziert gerade Dieter Bohlen über einen Kandidaten bei irgendeiner Castingshow. Was diese Shows angeht, habe ich schon längst jeden Überblick verloren. Egal.
Mausbär scheint ja auch gelangweilt zu sein.
Ich schalte auf Dmax. Dort schrauben gerade die OCC an einem neuen Bike.
Mausbär entspannt sich sichtlich und verfolgt die Doku.
„Papa, der Markt issss`reif!“, sagt Rocky von seinem Strandkörbchen aus.
Ich frage das Höhlenäffchen wofür der Markt reif ist.
„Für eine neue, originelle Casssstingsssow.“, sagt Rocky gelassen und fügt hinzu, daß er das bereits durchgerechnet habe.
Ich schaue Rocky an.
„Wir nennen dasss projekt DSDSL – Deutttsssland such den sssupa Lebemann. Maussssbär isss der wissstigste Juror, der Dieta Bohlen sossusagen!“
Mausbär ist jetzt nicht mehr bei den OCC, sondern spielt das in Gedanken durch. Nach einer Weile nickt er.
„Das ist DIE Idee, Rocky!“, sagt der Bär begeistert.
Rocky nickt zufrieden. „Sssssaut eussss doch nur ma`diese Milsssbubies oder Langweiler an, die von den nommalen Castingsssows produsssiert werden. Sssingen können die ja, vielleiss`- aber sonss? Wieviele von denen tut ihr denn noch kennen tun?“, erklärt Rocky.
Das Höhlenäffchen hat irgendwie recht. An wen außer Mark Matlock erinnere mich eigentlich noch?
„Welchem Sender willst Du das Konzept den anbieten?“, frage ich das Höhlenäffchen.
Rocky lächelt. „Esss gibt da so`n Lokalsender aus Köln. Da kann man für kleinessss Geld Ssssendezeit kaufen tun!“
Ich nicke, dann denke ich nach. Dann stolpere ich über einen Punkt.
„Wen wollt ihr denn mit der Sendung ansprechen?“, frage ich die beiden zukünftigen Medienunternehmer.
„Papa, wen wohl?“, fragt Mausbär mit Nachdruck.
„Kussseltiere natürlisss!“, antwortet Rocky.
Das wird wieder etwas viel für mich. Aber logisch ist es schon. Wenn ein Kuscheltier die Rolle des „Dieter Bohlen“ übernimmt, an wen außer an Kuscheltiere sollte sich die Sendung richten, wenn es keine neue Muppet Show sein soll?
„Und die Kandidaten? Sollen das auch Kuscheltiere sein?“, hake ich nach.
Mausbär richtet sich in seinem Stuhl kerzengerade auf.
„Wenn ein Mensch den Mumm hätte, gegen Kuscheltiere anzutreten, dann könnte er das natürlich tun. Aber Papa – kannst Du dir ernsthaft vorstellen, ein Mensch wäre cooler als Lebemann?“, sagt Mausbär selbstgefällig.
Mausbär weiß zu gut, daß er recht hat. Jede weitere Argumentation ist zwecklos.
Dann fällt mir aber doch noch etwas ein.
„Aber das Geld kommt doch wieder von den Familien der Kuscheltiere, also von den Menschen?“, frage ich Rocky.
Das Höhlenäffchen schüttelt tadelnd den Kopf. „Papa, du bisss`viel sssu naiv. Wer denkssss` du, moderiert die Sssow?“
Ich schüttele den Kopf. ich weiß es nicht.
„Issss natürlich!!“, sagt der Hypnotic Rabbit und hüpft neben mich auf das Sofa.
Das kleine Kaninchen schaut mich mit seinen beunruhigend schwarzen Augen und einem lieblichen Lächeln an.
„Ssssau mia tief in die Augen … noch tiefa…..“, säuselt das Kaninchen. „Noooooch tieeeefffaaaa!“
Das Wohnzimmer beginnt um mich herum zu wirbeln, ich werde müde.
„Siehsst du Papa! Wenn mir das bei dir gelingen tut, dann gelingt mir das auch bei den Fernsehzuschauern!“, flötet das Kaninchen. Ich nehme das nur noch wie in Watte gepackt war.
Rocky schaut zum Hypnotic Rabbit und lächelt. „Mit dem genialen Konssept und der genialen Moderatorin machen wir noch ne` Menge Kohle! Und die leg isss dann wieder rissstig gut an…“

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