Das wahre Leben : Winterwonderland

Dezember 16, 2010

Montagabend war es dann wieder soweit – Fortbildung in Leverkusen.
Um zwanzig nach Elf kam ich zu meinem Auto.
Es war über und über mit einer dicken Schicht Schnee bedeckt.
Vom Seminarleiter bekam ich einen Besen, mit dem ich das Auto „befreien“ konnte. Zu meiner großen Freude stellte ich fest, daß der Schnee schon zu vereisen begonnen hatte. Das machte das Unterfangen dann noch angenehmer, da es echt angenehm „warm“ war.
Nach etwa 20 Minuten hatte ich es dann geschafft – halbwegs klare Sicht und Dach vom Schnee befreit. Also rein ins Auto.
Es ist innen mindestens genauso eklig wie draußen und die Scheiben beschlagen sofort, also starte ich den Motor und auch die Klimaanlage, fahre los.
Ich freue mich, dass die Straßen absolut nicht gestreut und nicht geräumt sind.
Mein Wagen rollt über eine geschlossene, teilweise bereits gefrorene Schneedecke.
Als ich aus einem Kreisverkehr herausfahre, sehe ich einen kleinen Streuwagen auf der Gegenfahrbahn stehen.
Die Fahrerkabine ist nach vorne geklappt, der Fahrer schaut in den Motorraum des Fahrzeugs.
Innerlich zucke ich mit den Schultern. Jetzt käme der Räumer eh zu spät für mich, kann mir also egal sein.
Zu diesem Zeitpunkt denke ich „Hey, was soll`s. Ist eine Nebenstraße. Die Hauptverkerkehrsstraßen und vor allem die Autobahn werden frei sein.“
Ich biege rechts ab, um mich auf die zweispurige Hauptstraße einzufädeln.
Auch hier: Schnee und Eis.
Ich beruhige mich mit dem Gedanken, daß der Schnee wohl überraschend kam, vielleicht zu überraschend für den Winterdienst.
Den Weg bis zur Autobahnaufffahrt lege ich vorsichtig und vorausschauend zurück.
Während ich vor der Ampel zur Autobahn stehe, bekommen die Linksabbieger von rechts grün. Zweispuriges Abbiegen. Das äußere Auto fährt angemessen um die Kurve, das kurveninnere Auto ist zu schnell und beginnt gefährlich zu schlingern, rutscht sehr dicht an das andere Auto heran. Gerade nochmal gutgegangen.
Dann schaltet meine Ampel auf Grün und ich lenke meinen Wagen auf die Autobahn, so gut wie gar kein Grip unter den Vorderreifen, die ESP Lampe leuchtet gelb auf.
Auf dem Autobahnzubringer bemerke ich – nö, kein Salz und nix geräumt.
Da nicht sehr viel los ist, komme ich mühelos auf die „Bahn“. Eine durchgehend weiße Schicht, durch die unkenntlichen Fahrbahnmarkierungen zu einer einzigen Fahrbahn zusammengeschrumpft.
Dann sehe ich die LKWs. Eine lange Schlange hat sich vor einer Abfahrt gebildet. Teilweise stehen die langen Laster quer.
Dann wird der Verkehr dichter. Irgendwie einigt man sich in der weißen Masse auf ungefähre Spuren und beginnt sich wieder gegenseitig zu überholen. Ein neues Gemeinschaftsgefühl entsteht in der Mitte wischen einem LKW rechts und einem BMW mit Rechtsdrall auf der linken Seite.
Im Radio werden die LKW-Fahrer gebeten, die Autobahnen zu verlassen.
Auf der Autobahn beginnen die LKW-Fahrer die PKW Fahrer zu überholen.
Jetzt kommt noch eine Art Schneesturm hinzu.
Die rechte Spur ist so stark vereist, daß mein ESP selbst beim Geradeausfahren anspringt, also hänge ich mich an einen LKW.
Wir überholen einige BMW und Mercedes Geländewagen (ohne AWD), die entgegen ihrer Gewohnheiten rechts fahren, dann eine fast endlose Schlange aus LKWs.
Ich wechsele auf die A59. Weniger LKWs, ansonsten die gleiche, ätzende Fahrerei.
Dann wechsele ich auf die A560, Richtung Hennef. Dort wird es … ja. Ich würde sagen, die Ausnahmesituation verwandelt sich in ein apocalyptisches Szenario.
Wie vorher geschlossene Schneedecke. In der Mitte ein etwas gräulicher Bereich. Das muss Straße sein.
Kaum ein Auto ist noch unterwegs.
So ähnlich muss es den Überlebenden in den Zombie-Filmen gehen. Eine menschenleere Szenerie.
Instinnktiv warte ich auf die Untoten Horden, die die Fahrbahn vor lauter Hunger stürmen.
Nichts dergleichen passiert.
Ich komme in Hennef an. Ich habe noch zwei Sendungen in der DHL-Packstation. Eigentlich wollte ich die Pakete morgen abholen. Jetzt ist es eh mitten in der Nacht, viel zu spät – warum also sollte ich die Pakete nicht ach noch abholen?
Vor der Packstation stoppe ich meinen Wagen, nehme den Gang raus und ziehe die Handbremse.
Ich melde mich an der Packstation an und hole meine Sendungen aus den Fächern.
Als ich wieder im Auto sitze, komme ich auf eine Idee.
Die ganze Zeit habe ich mich über den Schnee geärgert. Jetzt liegt ein nahezu leerer Parkplatz eines Supermarkts vor mir – mit viel viel Schnee.
Ich lächele und schalte das ESP aus, lenke den Wagen auf den Parplatz und halte an.
Ich atme durch, schlage das Lenkrad ein, lege den ersten Gang ein und gebe Vollgas.
Die Vorderräder drehen durch und der Wagen beginnt, begleitet vom hochfrequenten Surren des Motors, sich in fast schon eleganter und anmutiger Art sich um die eigene Achse zu drehen.
Ich genieße das eine Weile, dann schalte ich das ESP wieder ein und steuere meinen Wagen in die Tiefgarage.
Ende der Fahrt durch das nächtliche Winterwonderland …

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