Das wahre Leben : Das arme Schwein

Dezember 2, 2010

Gestern Abend sah ich die Wiederholung der Kölner Lokalzeit auf dem WDR. Es ging um einen verunglückten Viehtransporter auf einer Autobahn.
Die Stimme aus em Off kommentierte den Unfall, die Kamera schwenkte auf die Seite des LKW, wo die Plane verrutscht war.
Gerade als der Sprecher berichtete, daß die Tiere unverletzt nach Ungarn weitertransportiert werden konnten, erschien ein Schwein in Großaufnahme.
Das Schwein schaute scheinbar direkt in die Kamera und spielte dann mit seiner Schnauze an einer stählernen Querstrebe der LKW Plane herum.
In diesem Moment tat mir das Tier unglaublich leid. Denn, was bedeutete „konnten unbeschadet nach Ungarn transportiert“ werden? Der Satz wird vermutlich mit dem Zusatz „… um dann dort geschlachtet zu werden“ komplett.

Schon seltsam. Seitdem ich denken kann, habe ich immer Hunde gehabt. Ich mag also Tiere. Der Ausdruck in den Augen des Schweins war nicht so anders, als der meines Hundes.

Das eine Tier wird sein Leben lang gut behandelt und verwöhnt, das andere Tier wird in seinem kurzen Leben machinell produziert, großgefüttert und bei Eiseskälte quer durch Europa gekarrt, um dann geschlachtet zu werden.

Ich will Niemanden zum Vegetarismus bekehren – mir selber schmeckt Fleisch einfach viel zu gut und ich halte es für wichtig (in Maßen genossen).
Ebenso kann ich kann auch die Massentierhaltung nicht abschaffen.

Was ich aber tun kann, ist meine Einstellung zu verändern. Auch wenn echte Vegetarier jetzt aufschreien, von den Veganern ganz zu schweigen: Ja, ich könnte Tiere töten um sie zu essen. Aber: ICH könnte nicht JEDES Tier töten.

Gedankenspiel: Ab morgen gibt es keine Supermärkte mehr, in denen man die Ware „Fleisch“ kaufen kann. Was würde ich tun?
Ich könnte angeln gehen und Fische fangen.
Genauso könnte ich wohl auch (ab und an) ein Huhn schlachten.
Das würde ich hinbekommen. Weil beide Tierarten für mich persönlich keinen anderen Zweck erfüllen, als eben als Nahrungsmittel.
Aber ein Schwein, ein Rind, oder ein Pferd könnte ICH nicht schlachten. Diese Tiere haben … ja – eine Art Persönlichkeit für mich. Genauso abwegig wäre es, einfach so einen Menschen zu töten.

Das könnte man jetzt „Tier Faschismus“ nennen, mag sein – ist mir ehrlich gesagt auch egal. ABER: Wenn ich es nicht fertig bringen könnte, ein Schwein zu schlachten – steht mir dann der Verzehr eines solchen Tieres eigentlich zu? Ist der Verzehr dann überhaupt gesund für mich? Oder … steckt hinter meinen Hemmungen, ein gewisses Tier zu töten, vielleicht noch etwas anderes, was den Verzehr des Fleisches nicht unbedingt besser für mich macht?

Ein zusätzlicher Aspekt – Teilweise werden Organe von Schweinen als Implantante für Menschen genutzt (Sehnen z.B.). Wenn eine so starke genetische Ähnlichkeit besteht, kann der Verzehr davon gesund sein?

Was mich aggro macht, sind diese ewigen „Tiere haben doch keine Gefühle“ sinnlos Debatten. Ganz ehrlich?
Wer so argumentiert, hat selber keinerlei Gefühl und ist selbst nichts anderes als ein Bioroboter (der eigentlich geschlachtet gehört).

Tja, liebe Sau – Du hast was bei mir angetickt!

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Eine Antwort to “Das wahre Leben : Das arme Schwein”

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Kuschelbande, Kuschelbande. Kuschelbande said: So, ein Non-Kuschelbande-Artikel zu einem ernsteren Thema: http://wp.me/pWoqH-9Y […]

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