Die Kuschelbande und der Heilige Gral -9-

Oktober 30, 2010

In Glastonbury herrscht immer noch dunkle Nacht. Die Kuschelbande hat eine Mission zu erfüllen. Das Ziel: Die Beschaffung eines Schuhpaars aus reinem Gold. Der Gegenspieler: Niemand Besonderes. Nur der Herr des (keltischen) Totenreichs. Allerdings gilt es vorher noch eine ganz andere Frage zu beantworten: Wie kommt ein Kuscheltier in das Innere eines Berges?

„So da sind wir. Das ist der Gipfel des Glastonbury Tors!“, sagt Teresa triumphierend, denn schließlich hat sie die Kuschelbande auf dem Weg zur Spitze angeführt.
„Naja, so`n rissstiger Gipfel issses ja niss. Der ganssse Berg gleissst eher keinem Berg, sondann eha nem Regentropfen in ner Ebene.“, sagt Rocky.
Mausbär hält sich auffällig zurück und schaut sich auf dem Gipfel um. In Gedanken vergleicht er die Realität mit seiner Erinnerung an den Roman mit Captain Blackseal.
Wenn er sich richtig erinnerte, dann musste es doch hier oben einen Brunnen geben?
Mittlerweile haben sich die Wolken etwas verzogen und lassen den Mond die Nacht mit seinem fahlen Licht erhellen. So kann auch Mausbär mehr erkennen. Mausbären haben nämlich im Gegensatz zu Katzen und Höhlenäffchen nur eine durchschnittliche Fähigkeit im Dunkeln zu sehen.
Das Licht reicht aber aus. Mausbär findet, was er sucht. Dann schnallzt er laut mit seiner Zunge.
„Ich weiß, wie wir in den Berg reinkommen, Leute!“, ruft er dann auch, als die Anderen nicht auf ihn reagieren.
Rocky schüttelt den Kopf. „Sssso langsssam wirsss` du mir unheimlisss, Mausbär!“
Mausbär zuckt mit den Schultern und deutet auf die Überreste eines verfallenen Brunnens, der mit Holzbrettern zur Hälfte abgedeckt ist.
Teresa nickt. „Du könntest recht haben. Ein Brunnen ist eine äußerst praktische Lösung um in die Tiefe zu kommen. Ich hatte mit einem magischen Portal, oder etwas Vergleichbarem gerechnet.“
Rocky stellt sich mit vor Stolz geschwollener Brust vor die Gruppe.
„Iss glaube, diesa Teil der Missssion issss wassss für`n Höhlenäffschn! Keina kann so klettern, wie`n Höhlenäffschn!“, sagt Rocky und geht zum Brunnen.
Die Steine des Brunnens sind verwittert und von den Stürmen vieler Jahre verschoben. An einigen Stellen des kreisrunden Brunnens ist die Mauer bereits teilweise eingestürzt.
Elegant hüpft Rocky geschickt auf die oberste Steinreihe und blickt in den Brunnen. Der Abgrund schien bodenlos zu sein.
„Hat eina von eusss ein Streissshols?“, fragt das Höhlenäffchen sichtlich von der Tiefe des Brunnens beeindruckt.
Mausbär der, bisher von Papa unbemerkt, ab und an seine Gewinner-Zigarren pafft, hat ein Streichholzbriefchen dabei und reicht es Rocky.
Rocky zündet zuerst ein Streichholz an und dann das ganze Streichholzbriefchen. Unter Mausbärs protestvollem Blick segelt das brennende Objekt dann langsam im Brunnenschacht herunter. Es fällt tiefer und tiefer, dann verschwindet der Feuerschein aus dem Blickfeld der Kinder.
Der Brunnen scheint also nahezu bodenlos zu sein. Diese Erkenntnis ängstigt auch den Meisterkletterer etwas, auch wenn das Höhlenäffchen dies niemals zugeben würde. Betont gelassen mustert Rocky die Bretter und den Schutt neben der Brunnenöffnung. Dann atmet Rocky auf. Bei den Überresten kann er auch ein, zwar betagtes, aber scheinbar noch intaktes Seil ausmachen. Damit sollte ein kontrollierter Abstieg möglich sein.
„Leute! machen wir es kurzz! Tut dem weisssen Kaninssen folgen!“, sagt Happy fröhlich.
Rocky hatte nicht bemerkt, daß Happy neben ihn gehoppelt war. Aus weit aufgerissenen Augen sieht Rocky zu, wie Happy sich mit allen Vieren abstößt und grinsend in die Tiefe springt.

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