Die Kuschelbande und der Heilige Gral -3-

Oktober 21, 2010

Die Kuschelbande befindet sich in einem Paket, dass vermeintlich auf dem Weg zum englischen Städtchen Glastobury ist. Wird das Paket in Glastonbury ankommen? Wird die Kuschelbande dort den Heiligen Gral entdecken?

Asthon Moore betrachtete mißtrauisch das Paket, daß der Lieferdienst eben abgegeben hatte. Es kam aus Deutschland. Gestern war es durch eine Email anekündigt worden.
Moore fühlte sich nicht wohl. Zum größten Teil lag das an dem Inhalt der Email, aber auch an der bloßen Anwesenheit des Pakets. Sollte dies bedeuten, daß der Chef persönlich hierher kommen würde?
Moore lief ein kalter Schauer den Rücken herunter. Er hatte ihn nicht persönlich kennengelernt. Damals war er von Mr. Mulford eingestellt worden.
Nervös ging Moore zu seinem PC und rief nochmal die besagte Email auf. Er sollte das Paket an einen nicht zu zugigen, warmen Platz abstellen und auf gar keinen Fall weiter beachten, oder gar öffnen.
Erleichtert schüttelte Moore den Kopf. Nein, das hörte sich nicht an, als wenn er der Filliale einen Besuch abstatten würde.
Moore hatte bisher mit niemandem gesprochen, der ihn persönlich kennengelernt hatte. Immer waren andere Leute als Mittelsmänner und Befehlsausführer aufgetreten. Byrne, der Manager des Stores in London, hatte ihm einmal scherzhaft geäußert, daß er scheinbar so ein Phantom wie Keyser Soze aus dem Hollywood Blockbuster „Die üblichen Verdächtigen“ war. Niemand hatte ihn je von Angesicht zu Angesicht gesehen. Aber alle Angestellten fürchteten um ihren Job und ihren Ruf als Antiquitätenhändler. In gewisser Weise war er auch eine Mischung aus Darth Vader und dem Imperator. Wenn er wollte, konnte er jedem seiner Angestellten die Luft zum Atmen nehmen. Das Antiquitätenbusiness war mittlerweile sehr überschaubar geworden. Jeder kannte Mr. Rocky und Mr. Rocky kannte jeden. Sein Wort als Koryphäe im Antiquitätengeschäft konnte sprichwörtlich Berge versetzen. Oder, dachte Moore, Berge über einem einstürzen lassen.
Der junge Antiquitätenhändler schluckte. Wahrscheinlich würde Mr. Rocky nicht persönlich nach Glastonbury kommen – er hatte da wohl etwas panisch reagiert.
Da sein Chef nicht ernsthaft in der Filliale zu erwarten war, würde es auch niemand stören, wenn er mal wieder zwanzig Minuten früher Feierabend machen würde.
Zufrieden lächelnd verließ Moore den Antiquitätenladen und schloss hinter sich ab.

Im Karton schaute Rocky fassungslos auf das fluorisziernede Zifferblatt seiner kleinen Taschenuhr. Der Angestellte ging gerade fast 25 Minuten zu früh in die Mittagspause.
„Na warte, Freundsssen, warte ab bisss isss hia rauss bin!“, zischte das Höhlenäffchen.
Mausbär lag immer noch vollkommen entspannt auf dem Rücken. Die vielen Versuche im „extrem-nicht-bewegen“ hatten Mausbär abgehärtet und ihn die lange Reise scheinbar mühelos überstehen lassen.
Happy hatte sich leise schnarrchend auf Mausbär gekuschelt. Tersa lag ermattet in der gegenüberliegenden Ecke und schaute Rocky müde an.
Rocky begann in dem auf dem Boden liegenden Jutesack herumzuwühlen und förderte dann einen Gegenstand zu Tage, auf dem sich das von außen hineinfallende Licht auf fast schon gefährliche Art und Weise spiegelte.
Teresas Augen weiteten sich, als sie erkannte, was Rocky da zu Tage förderte.
„Rocky, was hast Du denn mit dem Messer vor?“, fragte Teresa etwas verunsichert und starrte die Waffe an.
„Na irgendwie müssn wia ja hia rausss, oder? Aber dasss iss kein Messssser. Dasss issst ein essster Höhlenäffschen Dolsss!“, sagte Rocky. Dann klemmte sich das Höhlenäffchen den Dolch zwischen die Zähne und kletterte an der Innenwand des Kartons hoch.
An der Decke des Kartons angekommen, hielt sich das Höhlenäffchen locker mit einer Hand fest, nahm den Dolch aus dem Mund und rammte ihn mit einer fließenden Bewegung genau in den Spalt zwischen den beiden Kartonhälften des Deckels.
Mit einer fast schon spielerischen Sicherheit hielt sich das Höhlenäffchen fest, benutzte den Dolch als Säge, wechselte den Dolch wieder in den Mund, hielt sich mit dem anderen Arm fest, zog sich ein Stück weiter und machte damit weiter, bis der Deckel auf die komplette Breite des Kartons aufgeschnitten war.
Dann ließ sich Rocky achtlos fallen und landete weich auf Mausbär, der hatte schon eine geraume Zeit dem Kunststück gefolgt. „Cooler Move, Rocky!“, kommentierte Mausbär.
Das Höhlenäffchen nickte und meinte nur kurz, daß das für ein Höhlenäffchen nichts besonderes gewesen sei.
„Jetzzzz kommt dein Move, M.!“, sagte Rocky zu Mausbär.
Der junge Bär nickte, ließ Happy von sich weg hoppeln und kam dann ganz relaxt auf die Beine.
„Let`s rock and roll!“, kreischte Mausbär und warf sich mit voller Wucht gehen die Kartonwand direkt vor sich.
Der Karton geriet in Schieflage und schien sich für Sekundenbruchteile in dieser physikalisch unmöglichen Position zu stabilisieren. Dann kippte das komplizierte Gleichgewicht und der Karton stürzte um.
Im Karton entstand Chaos, alles wurde durcheinander gewirbelt.
Teresa schaute zur Decke (die jetzt nicht mehr Decke war) und erschrak. Als erste bemerkte das kultivierte Kätzchen den fatalen Fehler im Plan.
„Ich will ja wirklich nicht meckern, Jungs…“, begann Teresa.
„Aber du tusssst es trotsssssdem?“, fragte Rocky rhetorisch.
Teresa nickte. „Ihr habt nicht bedacht, dass wir auf einem Schreibtisch stehen, oder?“
Mausbär schaute erschrocken zu Rocky. Dann schauten Beide zum nun offenstehenden Deckel. Der Karon begann sich weiter zu neigen. Langsam konnte man den Boden vor dem Schreibtisch sehen.
„Fesssssthaltn!“, schrie Rocky als der Karton kippte und dem Fußboden entgegenstürzte.

Wird fortgesetzt

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