Die Kuschelbande und der Heilige Gral -2-

Oktober 18, 2010

Die Kuschelbande hat den Film „Indiana Jones und der letzte Kreuzzg“ gesehen. In dem Film geht es um den Heiligen Gral, den Kelch in dem das Blut Christi aufgefangen wurde, als dieser gekreuzigt wurde. In der letzten Episode trafen die Kinder die Entscheidung, den Heiligen Gral (den sie im englischen Glastonbury vermuten) zu suchen.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker sehr früh und ich stehe auf. Auf dem Weg ins Bad sehe ich einen Karton im Flur stehen. Wahrscheinlich ist er einer von Rockys Kartons. Rocky hatte in der letzten Woche relativ viele UPS und DHL Lieferungen bekommen. Er sagt, es wären alles Geschäftsunterlagen gewesen.
So langsam frage ich mich wirklich, was das alles für Geschäfte sind, die das Höhlenäffchen da betreibt. Kurz bevor ich ins Bad gehe, sehe ich eine Post-It-Notiz auf dem Karton.
„hallo papa! bitte zukleben und zur post bringen tun. die geschäftsunterlagen müssen schnell nach glastonbury. rocky“, steht in Rockys schnörkeliger Schrift auf dem Zettel. Beim Lesen höre ich in meinem Kopf Rockys eigentümlichen Akzent.
Ich erledige meine Morgentoilette, nehme zum Frühstück nur einen Shake und einen Kaffee. Dann erfülle ich die Bitte des Höhlenäffchens, daß wahrscheinlich noch nebenan in Morpheus Reich weilt.
Ich klebe säuberlich Isolierband über die Kanten und prüfe, ob alles dicht verschlossen ist und hält. Bei der Gelegenheit fallen mir ein paar eigenartige Öffnungen in den Wänden des Kartons auf. Die Löcher sehen aus, als wenn man sie mit einem Kugelschreiber oder etwas Ähnlichem gemacht hätte.
Mit einem Mal ist mir so, als wenn ich Mausbärs Kichern hören würde. Es klingt seltsam gedämpft.
Wahrscheinlich liegt Mausbär im Schlafzimmer und kichert im Schlaf vor sich hin. Ich schüttele den Gedanken ab, denn ich muss jetzt los – die Arbeit ruft.
Ich hebe den Karton hoch und bin überrascht, wie leicht der Karton für seine Größe ist. Einen Karton voller Akten hätte ich mir schwerer vorgestellt. Ich zucke mit den Schultern. Rocky weiß schon was er macht. Zuviel Porto wäre für das Höhlenäffche eine Katastrophe.
Ich balanciere den Karton aus der Wohnung hinaus und packe ihn in den Kofferraum. Beinahe wäre mir der Karton hingefallen, ich schaffe es aber noch ihn wieder zu packen.

In der Postfilliale ist es entgegen aller Befürchtungen relativ leer und ich kann direkt zum Schalter durchegehen um das Paket abzugeben.
Der Postangestellte nimmt mir das Paket ab, stellt es auf die Waage und sieht dann das Barcodeetikett auf der Oberseite. „Ach, SIE sind also Herr Rocky!“
Der Typ hinter dem Schalter mustert mich von oben bis unten. Ich wusste ja, daß Rocky eine relativ hohe Rate von Paketlieferungen hat, daß er namentlich bekannt sein könnte, hätte ich nicht geahnt.
Ich nicke dem Mann zu.
„Sie sind mit ihrer Firma einer unserer besten Kunden in der Gegend!“, erklärt der Mann.
Am liebsten würde ich ihm erklären, daß die Person von der er spricht, ein Höhlenäffchen ist. Das verkneife ich mir aber, der Typ würde es wahrscheinlich sowieso nicht verstehen.
Ich belasse es dabei und verabschiede mich knapp, denn hinter mir hat sich schon eine kleine Schlange gebildet. Beim Umdrehen sehe ich, wie der Angestellte das Paket hinter sich auf der Erde abstellt.
*
In der Postfilliale kommt jetzt der nächste Kunde an die Reihe. Er legt einen ganzen Stapel Briefe auf den Tresen, die alle mit normalem Porto beklebt werden müssen. Das sieht Rocky im Inneren des Pakets durch eines der kleinen Lüftungslöcher. Das Höhlenäffchen schüttelt den Kopf. Für solche Mengen bietet die Post doch ganz andere Portooptionen an, was für eine Verschwendung.
„Ist Papa schon weg?“, fragt Mausbär, der selbst in dem Paket eine mehr als relaxte Liegeposition eingenommen hat.
„Yep, gerade im Moment Mausssbär!“, sagt Rocky.
Happy fängt voller Freude an zu hüpfen. Dabei berührt sie aber die Kartonwände. Der Karton erbebt.
„Happy, nicht hüpfen! Du musst ganz still sitzen, sonst werden wir entdeckt!“, sagt Teresa sanft zu Happy.
„Abbbba isss freu misss so“, sagt das Häschen und hat sichtlich Mühe nicht zu hüpfen.
„Chill` mal, Happy!“, sagt Mausbär lebemannmäßig auf dem Rücken liegend und nippt an einem Glas Honig.
„Okeeee….“, sagt der Hypnotic Rabbit zerknirscht und freudestrahlend zugleich.
Der Karton wird angehoben und die Kuschelbande im Inneren wird ordentlich durchgeschüttelt.
„Yeah Baby! Seid ihr bereit für den Takeoff?“, ruft Mausbär etwas zu laut, worauf er ein Kollektives „Psssssssst“, erntet.
„Leute, unssssere Reissse nach Glastonbury tut losgehen!“, sagt Rocky während das Paket (mit seinem kuscheligen Inhalt) in einen Transporter geladen wird und die Tür hinter ihm zugezogen wird.

Wird fortgesetzt

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