Das wahre Leben : Der Besuch beim Chirurgen

Oktober 6, 2010

Liebe Leser! In loser Reihenfolge werden jetzt hier Artikel ohne meine Kinder (Mausbär, Rocky, Teresa und Happy) erscheinen. Diese Artikel haben mir die Kinder erlaubt und sie werden die Kuschelbande definitiv nicht verdrängen! Manchmal ist das wahre Leben einfach absurder und diese Stories möchte ich mit Euch teilen!
Stefan Hensch

Lange war es geplant. Der Besuch bei einem Chirurgen in einer Stadt irgendwo in Deutschland. Ich nenne bewusst nicht den Namen der Stadt und werde auch nicht den Namen des Arztes preisgeben. (Ich möchte und werde Niemanden denunzieren – auch wenn manche es verdient hätten.)
Bei dem Besuch ging es um die Entfernung zweier „Verdickungen“ auf meiner Kopfhaut. Klartext: Metzgerarbeit.
Gut, erschwerend kommt bei mir hinzu, daß ich ein spezielles Lokalanästhetikum benötige (da ich eine Allergie gegen die üblichen Mittel entwickelt habe). Dieses Präparat musste ich dann am Morgen in der Apotheke abholen und mit in die Praxis bringen.
Mein Termin war um 08:30 Uhr und ich erschien pünktlich in der Praxis. Von einer netten Sprechstundenhilfe wurde ich dann aufgefordert, meine Jacke abzulegen und gleich in den Behandlungsraum zu gehen.
Dort saß ich dann und wartete.
Nach 30 Minuten erschien der Arzt und verpasste mir zwei Spritzen in die Kopfhaut. Ich bekam einen Tupfer und sollte mir ab und an das Blut abtupfen. Das tat ich und spürte, daß die Betäubung eintrat.
60 Minuten später war mein Gefühl wieder vollständig da, der Arzt aber nicht.
Irgendwann erschien dann eine Sprechstundenhelferin uns berichtete mir von zahlreichen Unfällen. Die Unfälle hatte ich beobachten können. Mehrheitlich handelte es sich um „Aua“ Sprunggelenk und „Aua“ Knie. Diese mussten natürlich alle vor mir behandelt werden. Wahrscheinlich waren einige Berufsgenossenschafts Unfälle dabei, da ist die Bezahlung für den Arzt ja besser. Ist mir auch egal, mir ging es ja soweit gut und vielleicht war ja auch zumindest ein wirklich „schlimmer“ Fall dabei. Ich wartete weiter.
Ungezählte Minuten vergingen und der Arzt erschien, spritze Betäubungsmittel nach und ich sollte mich *tataaa* schonmal auf die Behandlungsliege legen.
Ich lag dort und nur etwa 10 Minuten später erschien der Arzt, ließ mein Gesicht abdecken und legte los.
Ja genau, richtig gelesen. Er fing einfach mal an zu schneiden. Ohne Probe, ob die Betäubung vielleicht vollständig wirkte.
Tat sie auch nicht, sprich: Ich spürte mehr als ich sollte. Eine wirklich nette Erfahrung. Der geneigte Leser wird sich fragen, warum ich mich nicht lautstark gemeldet habe. Nun, ich habe mich relativ gut im Griff und ich war die Warterei satt. Also ließ ich es über mich geschehen. War echt…gruselig, nicht sonderlich empfehlenswert.
Gut, ich merkte dann irgendwann das irgendetwas an meinem Hals war. Ich dachte, es wäre vielleicht ein Tuch oder sowas.
Dann machte der Arzt mit einer Praktikantin Späße darüber, daß Chrirurgie ja ein blutiges Geschäft sei und formulierte spaßeshalber einen Bericht für ihr Berichtsheft.
Nachdem ich auch das Nähen sehr hautnah und wenig gedämpft erlebt hatte, ging es dann ans Aufstehen.
Und da merkte ich es – ich war „obenrum“ nass bis auf die Haut. Es war aber kein Schweiß. Sondern Blut.
Polohemd, Rippenshirt und sogar meine Hose hatten etwas abbekommen.
Man half mir dann unglaublich talentiert beim Ausziehen der blutgetränkten Kleidung und ließ mich dann mit freiem Oberkörper sitzen. Ich rechnete damit, daß man mir eventuell großzügig ein OP-Hemd überlassen würde.
Netterweise wurde mir dann irgendwann meine Jacke aus dem Wartezimmer gebracht. Kein OP Hemd. Freier Oberkörper unter Jacke. Echt guter Style.
Im Anschluß wurde ich dann eine Ewigkeit in einem Behandlungszimmer „geparkt“, wo ich auf meine bepflasterten Wunden drücken sollte. Nachdem ich mich schon gefragt hatte, ob man mich vergesssen hatte, kam eine Helferin und sagte ich könne gehen.
Bsonders lustig fand ich die Reaktion des Chirurgen auf mein verlorenes Blut. Etwas davon war nicht auf meiner Kleidung gelandet, sondern auf der Erde. Darüber machte sich der gute Mann dann Sorgen. Eine Angestellte kümmerte sich aufopferungsbereit um den Boden (während ich halbnackt dasaß und auf meine Wunden drückte) und der Arzt sagte „Passt bitte auf meinen Boden auf! Nicht das das später nicht mehr abbgeht!“.
Zum Abschluß bekam ich weder eine Hand, noch ein „Sorry“ wegen der Kleidung.

Ich versichere hoch und heilig, daß es sich genau so zugetragen hat. Ich glaube, in einem sogenannten „Entwicklungsland“ wäre das nicht passiert – dort verstehen Ärzte ihr Handwerk und machen sich nicht um den wertvollen Plastikboden ihrer Praxis Gedanken (würde ja schließlich den Wiederverkaufswert eventuell schmälern), während ein Patient etwas desorientiert und blutbesudelt auf der Bank sitzt. Und diesen Ärzten ist das Wort „Respekt“ ein Begriff.

Fall es jemandem beim Lesen nicht klargeworden sein sollte – natürlich bin ich Kassenversicherter. Beim nächsten Eingriff dieser Art werde ich jedoch als Selbstzahler auftreten und zu einem mir bekannten Arzt gehen.

Das Polohemd und das Unterhemd habe ich entsorgt. Das Poloshirt war von H&M und eh verwaschen, war also nicht soo schlimm. Dennoch buche ich dieses Verhalten als fast schon typisches Verhalten von deutschen Ärzten gegenüber (Kassen)Patienten.

Halbgötter in Weiß`? Oftmals eher knallharte Geschäftsmänner ohne Mindestmaß an Mitgefühl, Respekt und Umgangsformen – zumindest gegenüber Kassenpatienten.

Ich habe noch einen Nachsorgetermin am Freitag. Danach werde ich keinen Fuß mehr in diese abgefuckte Arztpraxis mehr setzen. Die Fäden zieht meine bessere Hälfte, der wurde das Handwerk quasi in die Wiege
gelegt.

Für mich bisher DAS Ereignis 2010, wenn auch auf der negativ besetzten Liste. Trotzdem, aber irgendwie sogar lustig. Wenn man auch genausogut weinen könnte …

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Eine Antwort to “Das wahre Leben : Der Besuch beim Chirurgen”

  1. Sandra said

    ^^ stimmt die Ärzte in diesem Land sind schon ein besonderer Fall, aber bei mir würde der Wiederverkaufswert auch vor dem Patientenwohl gehen. Idiot halt!

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