Diskriminierung

September 20, 2010

Diskriminierung kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet schlicht und einfach: Trennung, Unterscheidung. Überall auf der Welt werden Menschen diskriminiert. Gründe dafür können banal, oder aber auch komplex sein. Eines ist jedoch immer gleich – den Diskriminierten erwächst kein Vorteil aus der Ungleichbehandlung.

Mausbär sitzt auf dem Sattel des Ergometers und schaut mich trotzig an. „Ich will aber mit!“

In unserer Stadt ist heute Stadtfest. Meine bessere Hälfte und ich sind gerade dabei uns fertig zu machen.

Etwas bummeln, in der Masse untertauchen, etwas naschen. Mausbär will das auch. Ich kann ihn verstehen.

„Das geht aber nicht, Mausbär.“, sage ich behutsam.

Mausbär grummelt. „Sag doch, dass Du mich nicht mitnehmen willst!“

Ich setze mich kurz auf den Sessel,  bin mit Mausbär jetzt auf Augenhöhe.
„Die Leute würden das nicht verstehen. Du weißt doch wie die sind!“, sage ich ganz sanft.

Mausbär überlegt einige Momente. „Aber ich könnte mich doch ganz steif machen und wenn wer fragt, sagst Du einfach, dass Du mich gewonnen hast.“

Ich nicke. „Und wir wissen beide, daß Du dort nicht lange still sein kannst.“

Mausbär dreht beleidigt den Kopf und schaut aus dem Fenster. Gerade geht eine Familie mit zwei Kindern am Fenster vorbei.

„Das ist voll unfair … das ist Diskriminierung! Es geht nur nicht, weil ich anders bin!“

Teresa kommt langsam ins Wohnzimmer und streift mein Bein.

„Sie würden Dich in ein Labor bringen, aufschneiden und auseinandernehmen.“, sagt das Kätzchen wissend.

Mausbär schaut weiter aus dem Fenster.  „Voll doof!“

Gerade tut mir der kleine Lebemann sehr sehr sehr leid.

„Und wenn ich verspreche cool zu bleiben und auch voll zu schweigen?“, versucht Mausbär es weiter.

Ich schüttele den Kopf. „Das hält bis zum ersten Süßwarenstand. Dann willst Du unbedingt die Auslage nach Honigkuchen inspizieren.“

Ich mache eine Pause weil ich Angst vor dem gewichtigsten Gegenargument habe.  „Du weißt da sind jede Menge Stofftiere, die VERKAUFT werden!“

Mausbär schweigt. Rocky lehnt sich aus seinem Strandkörbchen hervor. „Absssseulisssss! Und ihr tut sowasss unterstützn` tun…“

„Ja … ja….ich will gar nicht mehr mit. Bring mir aber Honigkuchen mit. Dann muss ich mir das Elend auf dem Stadtfest nicht ansehen!“

Wir lassen die Kinder zurück. Als wir zum Stadtfest gehen, wird mir etwas schwer ums Herz. Wie gerne hätte ich Mausbär heute mitgenommen. Aber der Anblick eines etwa ein Meter großen, selbstständig gehenden und sprechenden Stofftiers ist noch zu viel für diese Welt.

Vor allem, wenn dieses Stofftier dann auch noch eine spontane Revolte unter den feilgebotenen Artgenossen anrichten würde.

Nein, dafür ist diese Welt noch nicht reif!

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3 Antworten to “Diskriminierung”

  1. Anni said

    Poldi, Jule und Co haben es mitlerweile meisterlich raus, in der Masse unterzutauchen und nicht aufzufallen.

    LG

  2. Anni said

    Glaub mir ruhig, die haben immer die grössten Lebkuchen und die dicksten Paradiesäpfel 🙂

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