Erosion in der Politik / Papa, wann trittst DU eigentlich zurück?

Juli 20, 2010

„Sag mal Papa, du findest deinen Job doch voll doof, oder? Wann trittst DU eigentlich zurück?“, fragt Mausbär.
Ich hatte gerade einen Absatz in meinem Buch zuende gelesen und klappe den Schmöker zu.
„Ich kann zwar von meinem Job zurücktreten, aber wer bezahlt dann die Miete, euren Honig, die Möhren und die Bananas?“
Mausbär kontert mit eisigem Schweigen. Dann, Minuten später sagt er: „Na der Gleiche, der bei Wulf, von Beust, Köhler, Wulff und Koch zahlt?“
Ich muss lächeln, wobei es ein dünnes Lächeln ist. „Mausbär – ich bin kein Politiker!“
„Aber warum muß man dafür Politiker sein? Das ist ja voll voll unfair! Politiker mussten nie arbeiten, werden nie arbeiten und verdienen doch sowieso genug Asche. Ganz im Gegenteil zu dir, Papa.“ Sagt Mausbär, wobei ich mir nicht sicher bin, ob mir seine Betonung des Wortes Gegenteil gefällt.

„Naja, Maussbär … Papa iss Physsssiotherapeut, nissst Politika`. Papa isss niss verdorben genug um Politika zu ssein. Aber wer isss das ssson? Isss mein`isss bin ja mit allen Wassssern gewassssen, aber dasss könnte isss auch nisss. Da würde iss eher Waffenhändler, oder sso – da bleibt man wenigstensss ansssständig.“

Irgendwie bereitet sich eine seltsame Atmosphäre aus, die ich so nicht hinnehmen will. „Aber es gibt doch auch anständige Politiker, Kinder. Was ist mit Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß oder Helmut Schmidt?“

„Hihihi… Den Schmidt kenne ich. Das ist der lustige Opi der immer in Talkshows rauchen tut, oder?“, amüsiert sich Mausbär.

„Ja, dass issser`. Adenauer, Papa überlg ma`. Der hat diesen Europa Quatts doch erst angeleiat. Dasss war anständig?“

Ich schüttele empört den Kopf. „Unter anderem genau deshalb haben wir für sehr sehr sehr lange Zeit Frieden in Europa!“

Rocky verzieht das Gesicht. „Papa, du bis`Physssiotherapeut – dasss merkt man immer wieder. Besahlter Frieden. Also ist die Mafia jetz auch für den Friedensnobelpreis nominiert?“

„Wieso sollte jemand der Mafia den Friedensnobelpreis verleihen?!“, frage ich Rocky.

„Na die Sorgen doch für Frieden in ihrem Herrschaftsgebiet, gegen Schutsssgeld.“

Entnervt stehe ich auf und will das Buch ins Regal stellen, die Diskussion wird mir zu absurd.

„Aber, dieser Strauß scheint eine coole Sau gewesen zu sein!“, sagt Mausbär.

Ich bin schlichtweg schockiert. Lebemannstyle trifft Politik? Mausbär weiss, wer Franz Josef Strauß war?

„Wie kommst Du darauf, Mausbär?“

„Och, mir war langweilig und ich war an den Zeitschriften im Keller. Da liegen doch auch ganze Jahrgänge vom Stern. Da hat ein Journalist (Michael Graeter)  etwas über Strauß gesagt. “

Das fasziniert mich jetzt. Mausbär liest ansonsten nur die In, Instyle, Chatter und … Bussi Bär. Also zumindest dachte ich das bis jetzt.

„Was hat Michael Graeter denn über Strauß gesagt?“, frage ich den mir zunehmend mysteriöser erscheinenden Mausbär.

„Strauß sei ein Mann gewesen, der noch Eier hatte und Deutschland vorangebracht habe!“

Rocky kugelt sich kichernd vor seiner Palme auf dem Regal. Mit so einem Spruch hatte auch er nicht gerechnet. Ich muss schmunzeln.
Ein sanftes Schnurren kündigt Teresa an.“Franz Josef Strauß war ein Vollblut-Politiker und nicht so ein Schwächling wie viele andere Politiker. Mir ist ein Zitat von Strauß im Kopf geblieben: “Irren ist menschlich, aber immer irren ist sozialdemokratisch!““

Rocky schreit jetzt vor Lachen. Mausbär lacht sich schlapp und Teresa schnurrt leise lächelnd vor sich hin. Wo Teresa recht hat, hat sie eben recht …

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