Gebietsgewinne an der Ostfront, oder: In vier Jahren herrscht wieder Vollbeschäftigung in Deutschland!

Juli 17, 2010

„Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast!“ –Winston Churchill-

Propaganda bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern, zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion.“ –So Norstedt

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„Papa, sind die denn imma noch im Garten?!?!?!“, fragt mich Rocky total genervt.

Ja, die sind immer noch im Garten. Die, das ist ein Hartz-IV Paar, daß in unserem Haus wohnt. Genauer gesagt bewohnen sie das Haus nur zur Hälfte des Jahres. Die andere Hälfte bewohnen sie den Garten und nerven einen mit sinnbefreiten Gesprächen. Rocky nerven sie, weil er die Tanne im Garten abgöttisch liebt und gerne daran hochklettert.

Wenn das Paar draußen ist, geht das natürlich nicht. Wie würde das wohl aussehen? Ich gehe zusammen mit einem Höhlenäffchen in den Garten, unterhalte mich mit ihm und lasse es seine Kletterübungen absolvieren.

Wobei, genaugenommen würde es wahrscheinlich nicht mal großartig auffallen, denn selbst momentan in dieser Gluthitze leeren die Beiden einen Kasten Oettinger, täglich. Selbstverständlich trinken sie auch im Garten.

Ich nicke Rocky zu. Er schaut richtig traurig drein. „Sommer iss`voll doof!“

Ich streichele meinem Höhlenäffchen sanft den Kopf.
„Passs`auf meine Frissur auf, Papa! Mama hat meine Haare gerade richtig zurechtgemacht!“

„Warum arbeiten die da draußen eigentlich nicht wie Du, Papa? Sie können den ganzen Tag rumhängen und Bierkästen schleppen, aber arbeiten geht nicht?“, schaltet sich jetzt auch Mausbär in die Diskussion ein.

Ich zucke mit den Schultern und sage, daß mir das vollkommen egal sei.

„Gibtsss`von ssso Leutn eigentlich viele?“, fragt Rocky.

„Momentan sind 3,15 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet.“, sagt Teresa von ihrer erhobenen Position hinter meinem Kopf aus.

„Dazu gehören dann aber auch die Leute von gegenüber!“, ereifert sich Mausbär.

Der Bär spielt auf das Paar an, daß die Dachwohnung in dem Haus auf der anderen Straßenseite bewohnt. Die Beiden sind den ganzen Tag zuhause, wenn sie sich nicht streiten, schauen sie bis etwa 5 Uhr Fernsehen. Bei offenem Fenster und so, daß die ganze Straße etwas davon hat. Hörbuch gratis sozusagen, die ganze Nacht durch. Eigentlich wollte ich die Leute mal darauf ansprechen, daß mich das stört, aber nach einigen Streit-Exzessen des Paares lehne ich das ab.

„Aber in vier Jahren sollen fast alle wieder Arbeit haben und in Deutschland soll wieder Vollbeschäftigung herrschen!“, sagt Teresa.

Ich drehe mich zu dem Kätzchen um. „Wer sagt das, Teresa?“

Teresa lächelt ihr Sphinx Lächeln. „Das sagt das Forschungsinstitut Kiel Economics. Das ist eine Tochter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.“

„Das iss`doch der totale Blödsinn!“, zischt Rocky.

„Genau, im Fernsehen kommt immer das es immer weniger Arbeitslose werden. Gleichzeitig machen immer mehr Firmen dicht. Wo sollen die Entlassenen denn dann arbeiten? Baumwollfelder haben wir ja nicht!“, krächzt Mausbär.

„Kiel Economics, und andere Ökonomen, argumentieren mit dem demographischen Wandel, also das die Leute bald zu alt zum Arbeiten sind. Aber es geht ja auch nicht drum, daß die Menschen wieder Arbeit haben. Es geht darum, daß sie nicht mehr arbeitslos sind.“

Ich lasse mir Teresas Gedanken durch den Kopf gehen – es gehe nicht darum, daß die Menschen Arbeit haben, sondern das sie nicht mehr arbeitslos sind. Eine wirklich interessante Perspektive. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, welches Ziel hat er eigentlich?

„Iss hab von`n paar Kumpels aus der Südstadt gehört, daß Arbeitslose ja allen möglissen Quatts mitmachen. Bewerbungssstraining, Fortbildungen, Umsssulungen….“.

„Bürgerarbeit, Minijobs und wer krank ist, sucht ja auch keine Arbeit – taucht also auch nicht in der Statistik auf.“, zählt Teresa weiter auf.

„Das isss alles Fake!“

„Die Statistik ist dann voll Qutasch. Wenn ich so eine Statistik für meine Tanz-dich-frei-Kurse führen würde, wüsste ich gar nix damit anzufangen! Das hat ja absolut keine Aussagekraft, ist also voll uncool und unlässig.“, sagt Mausbär.

„Aber Mausbär, dank dem Deutschen Job Wunder beneidet uns das Ausland. Die Griechen haben bei den Beitrittsverhandlungen zur EU massiv Fakten verdreht, jetzt faken die deutschen Medien im Auftrag der Politik die Arbeitslosenzahlen. Im Gegensatz zu anderen Lügengeschichten belügt man sich hierbei ja nur selbst. Es ist eine Beruhigungstablette für das deutsche Volk. So können alle gut schlafen.“, erklärt Teresa.

„Dass iss genau wie der alte dicke Typ mit der deutssen Einhalt – kurz den Gürtel enger schnallen tun, damit es morgen wieder aufwärtss gehen tut. Nur war das iregndwann Anfang der 90iger. Das gleisse sagen sie den Leuten immer noch.“

Ich bin fasziniert von diesem Gespräch. Meine Kinder verstehen mehr von Politik als die meisten meiner Mitbürger.

„Isssssss glaube dasss issss misss bei der Regierung bewerben ssssollte!“, sagt Happy, die bisher im Arbeitszimmer herumgehoppelt war.

„Was möchtest Du denn machen?“, frage ich den Hypnotic Rabbit.

„Isss könnte Regierungssspresserin werden. Die Kamera suuumt dann ganssss nah an missss ran und ich ssssau ganz fest rein. Wenn alle an den Fernsssehern mir in die Augen ssauen, tu ich die hypnotissieren tun. Essss gibt keine Arbeitssslosssen mehr in Deutssland!

Ich muss darüber lachen. Wahrscheinlich hätte Happy tatsächlich mehr als gute Karrierechancen.

Mausbär macht es sich gemütlicher indem er sich ein Kissen unter die Beine klemmt und die Tatzen hinter dem Kopf faltet. „Ich bräuchte auch so eine gut funktionierende Marketingkampagne. Dann würden die Leute meine Tanz-Dich-Frei-Kurse stürmen!“

„Gar keine sso slessssste Idee…Mausi….“, sagt Rocky. Ich rechne schon damit, daß Mausbär ausrastet. Er hasst es, wenn man ihn Mausi nennt. Das darf nur Mama. Aber die Entrüstung bleibt aus.

„Ja klaaaar ist das gut! Dann verdiene ich ganz ganz viele 5 Eurosse!“, sagt der Mausbär.

„Jaaaa, wir müssssssen die Politiker dazu bringen, Tanz-Disssss-Frei-Kurse für Arbeitslose einzuführen. Dann würden auch die, die jetz` im Garten sind – nisst mehr im Garten sein, sondern in einem von Mausbär`ssss Kursen tanssssen. Und iss, isss kann dann mit Papa im Garten rumturnen!“

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