Exit the Matrix`?

Juli 9, 2010

Auch gestern und heute war ich nicht arbeiten. Der Hintergrund zu der Niederlage des Deutschland : Spanien Spiels hat mir keine Ruhe gelassen. Weder konnte ich schlafen, noch war ich in der Lage zu arbeiten. Anstelle dessen habe ich mich in muffigen Archivräumen und mit scheinbar uralten Mikrofilmgeräten herumgeschlagen.
Ich wollte es wissen. Gab oder gibt es noch mehr Leute mit einer Frisur, wie sie auch Jogi Löw trägt?
Die Liste ist erschreckend lang. Zahllose Personen aus der Vergangenheit, aber auch aus der Gegenwart tragen eine solche Frisur. Mozart, Donald Trump, Dieter Bohlen. Die gehören alle dazu, haben alle ein Höhlenäffchen, daß sie mit Anweisungen versorgte, oder immer noch versorgt.
Irgendwann habe ich dann vollkommen frustriert die Bibliothek verlassen, mit unzähligen Fotokopien.
Ich war zu Fuß in die Bibliothek gekommen, also musste ich auch auf diesem Wege nach Hause kommen. Den Heimweg gestaltete ich absichtlich etwas länger, ich musste nachdenken.
Was mich am meisten beeindruckt hatte, war nicht wirklich die Manipulation des Spiels. Es war die anschließende Vertuschungsaktion.
Nur mein Blog war unangetastet geblieben. Anfänglich hatte es ja Pressemitteilungen gegeben, aber dann waren diese verschwunden. Verschwunden im digitalen Nirvana des Internets. Auch der mir bekannte FIFA Mann ist verschwunden, seine Frau hatte mir gesagt „er wäre kurzfristig auf einer längeren Dienstreise“.

Die Verschwörung, von der mir Rocky berichtet hat, ist wohl oder übel real. Das Positive daran ist aber, daß auch ich von einem solchen Höhlenäffchen auserwählt wurde und somit vielleicht auch mit mir noch etwas geplant ist. Wobei aber für mich schon jetzt klar ist, daß ich keinesfalls meine Frisur verändern werde.
Obwohl ich einen großen Bogen gemacht habe und auch besonders langsam gegangen bin, komme ich doch irgendwann bei meiner Wohnung an.
Zuerst bleibe ich unschlüssig stehen, dann betrete ich den Hausflur und schließe meine Wohnungstüre auf.
Die Hitze der letzten Tage hat sich in den Räumen eingeschlichen, obwohl die Fenster geschlossen und die Jalousien heruntergelassen sind.
Aus dem Wohnzimmer dringt Musik in den Flur. Tanzmusik. Mausbär spielt anscheinend „Dance Dance Revolution“, denn ich erkenne sein Lieblingslied. Ich denke „Business as usual“ und gehe zu den Kindern ins Wohnzimmer.
Happy sitzt auf ihrem Stammplatz auf dem Sideboard und sieht mich als erste. „Hallo Papaaa!“, frohlockt der Hypnotic Rabbit. Ich winke in Happy`s Richtung.
Mausbär hüpft, im Takt der Musik, auf der Dance Dance Revolution Matte herum und schaut nicht in meine Richtung. Anstelle dessen ruft er „Hallo Papaaaaaaa! Rate mal was ich willllll!“
Ich kann es kaum erraten. „Honig?“, frage ich.
Mausbär springt auf sein anderes Bein und macht dann eine 90 Grad Drehung. „Fast, ich will HonigKEKSE!“
Ich nicke, wobei ich überrascht bin, daß Mausbär heute so aktiv ist und keinen seiner „Extremversuche“ absolviert.
Teresa döst auf dem Sofa vor sich hin und schnurrt. Rocky liegt vor seiner Palme und winkt mir zu. Er hat auf mich gewartet und er weiß, daß ich das weiß – das verraten mir seine Augen.
„Alless cool bei Dir Papa? Du warss`heute wenigstens niss bei deinem sinnlosss Sobb`oder?“
Ich schüttele den Kopf.
„Rissstig so. Redusier da mal dein Engagement da etwass, du wirss deine Energie noch brauchen!“
Ich setzte mich auf den Sessel vor Rockies Palme.
„Hass`du das von den Fußball WM Einsaltquoten gehört?“
Ich habe nicht und sage Rocky das.
Ein listiges Lächeln umspielt den Mund des Höhlenäffchens. „31,10 Millionen Deutsse sahen die Niederlage gegen Spanien. Das sind etwa 83,2 Prozent der deutsssen Fernsehzusauer.“
Ich zucke mit den Schultern. „Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, daß es mehr waren?“
Rocky macht eine wegwerfende Handbewegung. „Das sin`ja alles nur Sssätzungen, Papa. Die Prozente variieren immer etwas. Fakt iss, wir, also die Hählenäffchens haben weltweit die Medien unta Kontrolle und damit einen Grosssssteil der Menssen.“
Es läuft mir kalt den Rücken herunter.
„Die WM taugt jetz`natürliss niss mehr soviel als Brot&Spiele, also in Deutsland. Aber es geht ja weiter. Sonntag Formel 1ss, DTM, Boxen und dann bald auch wieder belanglose Politikdarssstellungen.“
„Warum macht ihr das?“, ganz selbstverständlich höre ich mich schon „ihr“ sagen, denn die Verschwörungstheorie ist für mich zur Realität geworden.
„Iss habs dir ja sson gesagt, dass isss sowas wie dein weisses Kaninssen bin..“. „Aber dasss bin doch issss!“, protestiert Happy.
Rocky nickt und erklärt „Metaphoriss, Happy, metaphoriss!“
Happy nickt. „Aber nur metadingsda. Iss bin Happy, das weisse Kaninssen!“
„Also Papa, es geht darum: Ihr Menssen seit gefährliss. Für euch selba, aber auch für alle anderen. Deshalb lebt ihr in einer von uns geschaffenen Matrix. Damit ihr euch selba und andere Lebewesen weniga gefährden tut!“
„Und niemand merkt das?“, frage ich und kann es nicht glauben.
„Wer sollte es denn merken? Die Menssen arbeiten und amüsieren siss. So kommen sie nisst auf dumme Gedanken.“
„Brot und Spiele“, sage ich. Rocky stimmt mir zu.
„Überleg nur mal die ganssen Leute mit den Vuvuselass und den Deutssland Trikoss. Die waren komplett aus ihrem Leben gerisssen, mitten in der WM Matrix`. Was glaubs`Du machen die jetz?“
Ich zucke mit den Schultern. „Das was sie immer tun, arbeiten und sich amüsieren, genau wie du gesagt hast!“
Rocky dreht sich lässig auf die Seite. Anders als em tanzenden Mausbär ist ihm scheinbar zu warm, den er dreht sich sehr sehr langsam.
„Risstig Papa. Sie tun, was sie immer tun. Und vorher waren sie wie gefangen in der Identifikation mit einem virtuelln` Sportwettbewerb. Konnten gröhlen, siss auspowern, hupend durss die Straßen fahren, etwas feiern. Ohne zu kapieren, daß der Ausgang der WM rein gar nisssts an ihrem Leben ändern würde.“
Rocky sagt das sehr sehr nüchtern, fast emotionslos.
„Aber auf diese Weise konnten sie all das sozialverträglich tun: Etwas herumlärmen, sich in Gruppen zusammenrotten, etwas Nationalstolz ausleben – ohne dabei jemanden zu verletzten.“
Rocky zeigt mit dem Zeigerfingerchen seiner rechten Hand auf mich. „Papa, you got it! Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die meisten Menssen eine feste Hand brauchen. Eine fesste Hand, die unssisstba handelt.“
Etwas ist mir schon die ganze Zeit durch den Kopf gegangen. Ich muss es das Höhlenäffchen fragen.
„Gibt es Menschen, die schonmal selber aus dieser Täuschungswelt herausgekommen sind?“
Das Höhlenäffchen wiegt den Kopf hin und her.
„Sagen wir`s so, Papa: Bisher is noch niemand vollkommen selbsssständig aufgewacht, oder hat den Exit aus der Matrix`gessafft. Es gibt Menssen, die haben das Potentssial dazu, die werden dann von einem Höhlenäffchen ausgesucht. So wie Du, Papa.“
So wie ich, denke ich. Mir geht es gerade seltsam – nachdem mir ein Höhlenäffchen die Welt erklärt hat.

„Hey Papa! Tanz mit mir! Tanz dich frei!“, ruft Mausbär. Erst will ich abwinken, dann mache ich doch mit. Was soll es schon, manchmal muss eben auch mal der „singende und tanzende Abschaum der Welt“ sein. Und es amcht sogar ziemlich viel Spaß, wie ich so mit Mausbär abhotte!

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