Neue Gurus braucht das Land! Featuring:Mausbär

Juli 5, 2010

„Wir brauchen eine Handvoll Narren – seht, wohin uns die Vernünftigen gebracht haben!“
– Bernhard Shaw –

Papa und Mama waren Samstag irre lang weg und uns Kindern war voll langweilig. Irgendwann in der Nacht sind sie dann wiedergekommen und haben ganz komisch gesprochen.
So ähnlich ging es mir mal, als ich zuviel Honigwein genascht habe. Da hatte ich auf einmal so ein Karussell im Kopf und bin so seltsam gegangen. Ganz ähnlich ging es Papa und Mama hat geschimpft: „Du und deine Bacardi-Cola!“
Naja, mir war jedenfalls total langweilig.
Rocky surfte die ganze Zeit im Internet und schaute sich stundenlang Aktienkurse und Charts an. Teresa schaute mit Happy dieses blöde Homeshopping an.
Ich habe drüber nachgedacht, nochmal das Gasleck nebenan abzuchecken, aber vielleicht war das auch keine sooo gute Idee … jedenfalls nachdem was beim letzten Mal passiert ist.
Deshalb habe ich dann einfach mal unsere Wohnung etwas genauer inspiziert. Wir, also Happy, Rocky, Teresa und ich Mausbär, sind ja meistens entweder im Wohnzimmer oder im Schlafzimmer. Zuerst habe ich mir dann das Arbeitszimmer vorgenommen. Dort waren auch zwei Leute mit denen ich nicht so viel zu tun habe. Das eine ist Bruno. Er ist auch ein Bär, wie ich, aber er kümmert sich nur um die Bücher von Mama und Papa. Er ist der Bibliothekar-Bär, deshalb spricht er auch nicht so viel. Er ist irgendwie komisch.
Auf dem Schreibtisch sitz das Küppi-Schwein. Es ist ein rosa Schwein, mit einer schwarzgrauen Haartolle. Ich weiß nur daß es Papas Glücksbringer ist. Das Schwein kümmert sich ansonsten um das Notebook, wenn es auf dem Schreibtisch steht.
Heute aber steht es im Wohnzimmer und das Küppi-Schwein ist in einer Art Trance versunken,deshalb kümmere ich mich nicht lange um es. Langweilig!
Dafür sehe ich mir, unter den wachen Augen des Bibliothekar-Bären einfach mal die Bücher an. Als ich eines rausziehen will, beugt sich Bruno vor und schaut noch mißtrauischer. Dann knurrt er. Ist eben nicht so cool wie ich, kein Lebemann.
Trotzdem schaue ich weiter. Mama und Papa lesen ja echt viel. Mama vor allem coole Krimis und Papa eine wilde Mischung aus Fantasy, Science Fiction, Psychologie und Esoterik.
Aber irgendwie sind`s für mich zuviele Bücher und ich verliere den Überblick. Außerdem nervt mich dieser ätzende Bär, wie uncool er da im Regal sitzt!
Deshalb gehe ich mal weiter. Meine Schritte führen mich in ein Zimmer, in dem ich bisher noch nie gewesen bin – ins Badezimmer.
Auf der Erde liegen runde, gelbe Teppiche, am Waschbecken hängen gelbe Handtücher und von der Decke hängt ein ebenso gelber Duschvorhang.
Das muß Mama`s Handschrift sein. Papa ist ungeschickter, was Design angeht. Naja, eigentlich ist Papa generell eher ungeschickt. Ich kichere vor mich hin.
Mitr gefällt das Badezimmer. Die Wände sind mit weißen Platten beklebt, genau wie die Erde.
Mama und Papa laufen immer nackt hier rum und tun das, was sie duschen nennen.
Für mich macht das keinen Sinn. Ich mein`, ich schwitz ja nicht! Warum sollte ich mein schönes Fell also mit Wasser besprenkeln?
Naja, irgendwie ist hier schönes Licht drin und ich setze mich auf den Stuhl, der da am Fenster steht. Der Stuhl ist ganz weiss, unten aus Porzellan und oben aus Plastik. Irgendwie ungewöhnlich, aber man sitzt ganz gut darauf.
Ich sitze dann da oben und lasse meine Beine runterbaumeln. Ich muss irgendwie an Dance Dance Revolution denken. Auf das Spiel hätte ich nämlich jetzt voll Lust, aber irgendwie wollen die Anderen nicht mitmachen. Wahrscheinlich,weil ich immer gewinne.
Was ein bisschen doof ist, ist das ich mich nirgends anlehnen kann. Trotzdem ist es irgendwie cool hier zu sitze. Ich sitze also weiter im Lebemannstyle herum und schaue in der Gegend herum.
Da sehe ich das Ding neben dem Stuhl. Es sieht aus wie ein Korbhocker oder so. Darauf liegt ein Buch. Von hier oben komme ich aber nicht dran. Auf dem Buch steht “ Liebe ist die Lösung“ es ist von Werner Ablass.
Ich frage mich, was ein Buch wohl hier soll? Vielleicht setzt sich Mama auf den Stuhl hier und wartet, während Papa sich absprenkelt?
Is ja auch egal, das Buch interessiert mich jetzt irgendwie. Ich lasse mich vom Stuhl runterrutschen und nehme das Buch in die Tatzen, schlage es auf.
Beim Durchblättern sehe ich das jemand Textstellen mit einem Textmarker markiert hat. Also hat das Geschriebene wohl Eindruck gemacht. Hier im Badezimmer ist es irgendwie nett, deshalb kuschele ich mich auf einen der gelben, runden Teppiche und fange an in dem Buch zu lesen.
Irgendwie ist es plötzlich sehr dunkel im Bad geworden und mein Bauch knurrt. Ich habe Hunger. BÄRENHUNGER. Da fällt mir auf, daß ich das Buch fast ausgelesen habe.
Hungrig klemme ich mir das Buch unter den Arm und gehe in die Küche.
Auf dem Weg begegnet mir Rocky. Er ist ziemlich genervt, dass sehe ich ihm an.
„Mann isss hab son Hunger! Is hab nur noch rohe Bananas. Keine Bananas im Teigmantel und auch keinen Sirup mehr!“
Ich spüre das Buch unter meinem Arm. Ich schaue Rocky ganz fest in die Augen und frage ihn.
„Du bist jetzt unglücklich,oder?“
Rocky nickt skeptisch.
„Dann liebe Dich dafür. Lasse Liebe fließen!“
Rocky schaut mich irritiert an.
„Gehts Dir nissst gut?“
Ich lächele. Mir geht es so gut wie lange nicht mehr. Das sage ich auch Rocky. Und ich betone nochmal was ich gesagt habe. „Liebe dein Unglücklichsein!“
Rocky bleibt mit offenem Mund stehen. Ich gehe in die Küche und hole mir ein Glas Honig. Als ich mit dem Glas wieder im Flur auftauche, steht Rocky immer noch da. Er wirkt irgendwie verwirrt.
„Gehts dir wirklich gut, Mausbär?“, fragt mich das Höhlenäffchen.
Ich nicke. „Mir geht es sehr gut. Wie geht es dir? Hast du deine Schwingungsfrequenz erhöht?“
Rocky starrt mich jetzt an.
„Wovon redes` du Mausbär? Iss will Bananas, Swingungssfrequenss kenn is niss, will is niss.“
Ich zucke mit den Achseln.
„Dann liebe eben das Gefühl, das Du Bananas willst!“, sage ich und gehe ins Wohnzimmer.
Ich muss das Buch zuende lesen und meinen Honig essen.

Einige Zeit kommt Rocky rülpsend ins Wohnzimmer. Ich habe das Buch durch und das Glas geleert und sitze im Sessel.
„Bist du jetzt wieder cool, Mausbär? Oder redes`du weiter son Mist?“
Ich schaue das Höhlenäffchen an und lächle. „Ich bin Mausbär, ich bin cool. Aber vor allem: Ich bin!“
Rocky springt auf meine Lehne und schaut mich an.
„Was machs du da Mausbär? Du sitz` einfach rum. Du tanzt niss, springst niss rum und machst auch keine Moves. Bis`Du krank?“
Ich schüttele den Kopf. „Ich habe heute etwas verstanden. Es kommt nicht darauf an, was man macht,oder wie man es macht. Es kommt darauf an, wie man es wahrnimmt!“
Rocky nickt vorsichtig.
„Okay … und wie machst Du es?“, fragt das Höhlenäffchen.
Ich lache. Rocky stimmt mit ein.
„Natürlich als Lebemann! Wenn Mama und Papa wieder zurück sind, werde ich mich mal so lange nicht bewegen wie es geht. Das ist hardcore Lebemann Style! Die bringen mir meinen Honig und ich bleibe einfach nur sitzen, stundenlang.“, sage ich.
Rocky schüttelt langsam sein kleines Köpfchen und sagt: „Du warst schon immer etwas Besonderes….“
Da fällt mir was ein.
„Willst du lernen, was auch ich gelernt habe?“
„Lass miss raten, kosstet 5 Euro?“, sagt das Äffchen.
„Richtig!“
Rocky springt hoch, mach einen Salto in der Luft und hält mir im Flug sein rechtes Händchen hin. Ich schlage ein.
„So gefällst Du mir wieder, Mausbär! Du bis ein Guru! Und Deutsland braucht endlich mal wieder einen voll coolen Guru“

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