Eine Kugel aus kleinen, rechteckigen Steinen

Juni 6, 2010

Ich wurde heute Mittag durch ein seltsames Geräusch geweckt.Eine Art Klirren. Als wenn irgendetwas gegeneinander geworfen wird. Immer wieder und wieder. Die Abstände snd unregelmäßig, genauso wie die Intensität des Klirrens.

Ich taste das Bett ab. Keines der Kuscheltiere ist da. Mir schwant Böses.

Verschlafen stehe ich auf und tapse ins Wohnzimmer. Der Wohnzimmer Tisch ist beiseite geschoben und auf der Erde befinden sich … Lego Steine. In den Steinen wühlen Happy, Rocky, Mausbär und Theresa herum.

Mausbär sucht wie besessen in der Lego Kiste und erzeugt damit das fast schon infernalische Klirren.

„Morgen Papa!“, sagt Happy und strahlt mich an. Auch die anderen Kuscheltiere begrüßen mich. Ich sage „Morgen“ und betrachte das Desaster. Natürlich haben die Kinder alles direkt auf das Parkett geschüttet.

„Woher habt ihr die Legos?“, frage ich.

Mausbär schaut auf. „Och das sind Deine, vom Dachboden!“

Ich betrachte Mausbär genauer. In seinem Fell haben sich Staubfäden verfangen.

„Wir hatten Lust zu etwas zu spielen, Papa!“, sagt Theresa mit ihrer kultivierten Stimme.

Mein Blick fällt auf Rocky, der in Gedanken verloren auf ein kleines Lego-Gebilde vor sich starrt.

Rocky bemerkt meinen Blick, blickt auf das Gebilde vor sich und dann wieder zu mir.

„Papa, kann man mit Legosteinen auch eine Kugel basssteln?“, fragt mich das Höhlenäffchen.

„Quatsch, wie soll das gehen? Legos sind eckig!“, fragt Mausbär.

Eigentlich bin ich noch zu müde für solche fast schon mathematischen Probleme. Aber irgendwie interessiert mich das dann doch.

Ich muß an den alten Computer denken, den ich als Kind hatte. Es war ein C64 von Commodore. Es gab unzählige Zeitschriften und Bücher, die sogenannte Listings enthielten. Das waren Programme, die in der Programmiersprache Basic abgefasst waren. Man musste diese Listings dann „nur“ noch in mühevoller Kleinarbeit abtippen. Das konnten dann schonmal mehrere hundert Zeilen sein.

Als Belohnung für diese Heidenarbeit, flog dann einmal ein Ballon über den Computer. Mittels verschiedener Parameter konnte man die Form oder die Farbe verändern. Eines änderte sich jedoch nicht. Der Ballon war immer ein pixeliger Ballon, bestand also aus kleinen Rechtecken und es sah nur so aus, als wäre er rund. Genau wie Pacman.

„Rocky, ich glaube das geht. Aber jetzt gibts erstmal Kaffee.“

Ich gehe in die Küche und frühstücke. Dabei muß ich die ganze Zeit an Kugeln aus Legosteinen denken. Mein innerer Asoziationsblaster arbeitet und ich muß an ein Buch von Douglas Coupland denken. Ich erinnere mich nicht mehr an den Titel. Coupland behauptet darin, daß die Menschen die mit Lego gespielt haben, ein vollkomen anderes Verständnis für die Welt entwickelten als die Generationen davor.

Während ich meinen Kaffee trinke, denke ich über Rockys Problem nach. Es muß fast schon mathematischer Natur  sein.

Ich gehe nach dem Frühstück ins Wohnzimmer zurück. Rocky präsentiert mir sein gewachsenes Lego Objekt. Mit Phantasie erinnert es an eine Kugel. Die Abstände der Steine zueinander sind aber zu groß. Scheinbar fehlen flache Steine, Plättchen.

Ich lobe Rockys Arbeit und motiviere ihn weiterzumachen.

Dieses Lego-Problem hat mich neugierig gemacht. Ich setzte mich an mein Notebook und surfe los. Das Problem hat vor Rocky schon viele andere Lebewesen beschäftigt.

Am eindrucksvollsten wohl Mariann Asanuma. Sie ist eine „Lego Künstlerin“ und hat ein Buch exakt über diese Problematik geschrieben http://www.shop.modelbuildingsecrets.com/product.sc?productId=5&categoryId=2

Das sage ich Rocky. Das kleine Höhlenäffchen unterbricht seine Arbeit und starrt mich mit aufgerissenen Augen an.

„Papa, dasss Buch müsssn wir habn`!“

Rockys Augen strahlen. Das Buch ist gar nicht mal sooo billig.

„Man könnte zumindest drüber nachdenken …“, sage ich in Hinblick darauf, daß das Buch mit Shipping wohl nicht so ganz preiswert ist.

„Nisst denken, bestellen. Wir könnten damit berühmte Künnstler werden.“

Ich muß grinsen.

„Grinsss nis so doof. Wir bauen die Kunssstwerke, Du stelllst sie online. Wenn dasss klappt, mussst Du nie mehr arbeiten!“

Ich muß zugeben, daß mir diese Perspektive gefällt…………….

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3 Antworten to “Eine Kugel aus kleinen, rechteckigen Steinen”

  1. Danke für diesen tollen Link!!!

  2. Immer wieder gern!
    🙂

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