Wieviele Honigplätzchen braucht man für 520 Tage?

Juni 4, 2010

Ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen, aber eines habe ich bisher nicht gesehen: Mausbär mit Taschenrechner und einem Blatt Papier.

Als ich heute morgen (respektive Mittag) aufgestanden bis, war er bereits in seinen Berechnungen vertieft und war als Begrüßung nur zu einem knappen „Aye, Papa!“ fähig.

Nach einer Radtour, einer Grill-Abendessenaktion und etwas Rock-am-Ring schauen, war mein Sofa-Bär immer noch fleißig dabei zu rechnen. Mittlerweile wurden seine Rechnungen jedoch immer wieder von leisen Flüchen unterbrochen. „Mist!“, „Sooo viel Honig?“, „Das kann nicht sein….“ usw. usw.

Dann war es soweit. Ich musste fragen.

„Mausbär,was zum Geier treibst Du da eigentlich?“

Mausbär schaut von seinem Blatt auf und klemmt sich einen verdächtig kurzen Bleistift stummel hinter das Ohr. Mein Blick fällt auf den Boden vor dem Sofa wo sich Spitzerreste sammeln.

„Ich rechne!“, sagt Mausbär und schaut mich mit hängendem Kopf an.

„Das habe ich mir schon gedacht. Was rechnest Du?“

„Ich rechne,wieviel Plätzchen ich für 520 Tage brauche.“

Ich überlege was der Kleine meint, komme aber nicht darauf.

„Warum willst Du das wissen?“

„Och,wegen Big Brother!“

Ich schüttele ungläubig den Kopf.

„Wegen der Reise zum Mars!“, ergänzt er.

Ich frage mich ob RTL2 sich entschlossen hat, die Kandidaten der aktuellen Staffel zum Mars zu schießen.

Mausbär will schon wieder weiterrechnen, doch so schnell lasse ich ihn nicht davonkommen.

„Nochmal, was machst Du da?“

Entnervt widmet mir Mausbär jetzt seine ganze Aufmerksamkeit.

„Hast Du nichts davon gehört, Papa? In Moskau lassen sich jetzt Leute für 520 Tage einsperren, damit man den Flug zum Mars simulieren kann. Schau mal hier!“ Mausbär beugt sich nach vorne und tippt auf die Space-Taste des Notebooks, das auf dem Wohnzimmertisch steht. Der Bildschirmschoner (irgendein Werbebild von Lagnese Honig) verschwindet und eine Nachrichtenseite erscheint. ich lese quer. Mausbär hat recht.

„Und Du willst ausrechnen,wieviel Honigplätzchen Du mit in den Container nehmen willst?“, vermute ich.

„Richtig, Papa!“, singt Mausbär und wippt auf dem Sofa herum.

„Ich bin fast fertig, obwohl es sehr sehr kompliziert war!“

Ich schaue ihn skeptisch an. Er hätte bloß mich fragen müssen, schließlich muß ich für Nachschub sorgen.

„War wohl total voll kompliziert, Papa!“

Ich nicke. „Und was ist dabei herausgekommen?“

Mausbär schaut mich mit einem siegessicheren Grinsen an und spannt mich für Sekunden auf die Folter.

„Ich bin von einem Tagesbedarf von 600g ausgegangen. Das bedeutet, daß ich 312kg Proviant benötige.“

Ich überschlage das im Kopf. 600g x 520 ergibt 312. Nur …  ich bin mir sicher, daß Mausbär mehr als 600g Plätzchen am Tag benötigt.

In diesem Moment kommt Happy hereingehoppelt.

„Un`wieviel Kilo brauchsst Du?“

Mausbär ziert sich bevor er antwortet.

„312.“ , zischt Mausbär schnell.

Happy macht einen großen Satz und springt neben Mausbär auf das Sofa.

„Dasss glaube is nisst.“

Immer wieder finde ich die Ähnlichkeit zwischen Rocky`s und Happy`s Gelispele (Akzent) sehr interessant.

„Was weißt Du denn schon?“, fragt Mausbär leicht pikiert.

„Is weis, das Du zusätzlich zu dem was Papa dir gibt auch noch von wem anderes was kriegst.“

Ich ziehe überrascht eine Braue hoch. Da hatte ich also doch recht. Ich hatte schonmal den Eindruck gehabt, daß mein kleiner Bär auf Beschaffungstour war.

„Von wem bekommst Du das Zeug?“, frage ich Mausbär und fixiere ihn wo Horacio Cane.

Mausbär wibbelt nervös auf dem Sofa herum, nicht mehr so im gewohnten „Lebemann-Style“.

„Nun ja…Papa, er bekommt sie nist. Nist so ristig jedenfalls.“

Ich fixiere Mausbär weiter.

„Naja, Papa…. Es ist so. Weißt Du, die Frau nebenan…. Wenn die mit ihrem Hund in den Garten geht….dann….“.

„Dann lässt sie die Tür nur angelehnt und Maussbär hussst rüber….hi hi hi.“

„Olle Petze!!!!“, Mausbär grummelt und lehnt sich zurück.

„Mausbär, wie oft habe ich gesagt, daß ihr nicht rausgehen sollt?“

„Das ist Mundraub und mein Recht, wenn Du mir nicht genug zu essen gibst.“

Ich lege den Kopf schräg. „Bei realistischer Schätzung… Wieviel isst Du dann am Tag?“

Mausbär windet sich auf dem Sofa.

„Naja, so vielleicht 1,2kg…..“.

Ich nicke. „Also sind wir bei 624kg.“

„Jaaaa so in etwa……“.

Ich werde mißtrauisch und hake nach. „Was heißt so in etwa  genau?“

„Naja Papa, es gibt ja in jeder Rechnung Variablen, die man nicht so gut kalkulieren kann. Z.B. brauche ich an Montagen,wenn Big Brother läuft, mehr Kekse.“

„Rissstig. Und ausserdem`, Papa, da in der Ressnung fehlen Honiss an sich, Honiss Bonbonss,Gelleee Royal, Honigkuchen….“. Rocky ist hinter seiner Palme hervorgekrochen und schaut uns mit wachen Augen an.

„Also sind wir jenseits von 1 Tonne, denke ich.“

Mausbär nickt. „Vielleicht auch jenseits von 2 Tonnen.“

Rocky räkelt sich neben der Palme und kriecht in seinen Miniaturstrandkorb. So müde wie er ist, könnte er die NAcht wieder durchgemacht haben.

„Aber Du vergissst, dasss Du da gar kein RTLswei bekommst, Maussbär.“

Jetzt ist der Bär total perplex.

„Wie jetzt? Was soll ich denn die 520 Tage lang machen? Kein RTL2? Kein Bigbrother?“

Ich schüttele den Kopf. „Kein RTL2, kein Bigbrother, gar kein Fernsehen und kein Internet!“

Mausbär`s Mund klappt auf.

„Und unsss siehst Du 520 Tage lang auch nis`!“, sagt Happy.

„Wie ich dachte, ihr kommt mit?“

„Quattss, keine Angehörigen!“, lispelt Rocky.

„Was soll der Quatsch denn dann? 520 Tage kein Bigbrother, gar kein Fernsehen, keine Freunde. Wer macht sowas denn freiwillig mit?“

Happy hüpft vergnügt vor dem Notebook auf und ab.

„Hier sssteht es, hier ssssteht wer da mitmacht!“, sagt Happy freudig und macht eine Pause um sicher die nötige Aufmerksamkeit zu haben. Sogar Rocky lugt gespannt aus dem Strandkorb hervor.

„Menssen die ssich abreagieren, indem ssie ihr Köpfchen in einen Schrank stecken, wenn ihnen alles suviel wird!“

Mausbär nickt. „Also nur völlig Bekloppte!“, fügt er hinzu.

„Alssso Jungss und Mädels! Issss könnte nissst 520 Tage auf Euch versichten. Natürlich spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass man Banaen nisst lange frisss halten kann, aber 520 Tage ohne euss geht gar nisst!“, sagt das kleine, ansonsten sehr sehr sarkastische Höhlenäffchen.

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